Paderborn als Station auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Santiago
Eine neue Route über den Jakobsweg von der Elbe zum Rhein berührt Paderborn und den Hellweg
Schon im Mittelalter zogen auf dem Hellweg die Jakobspilger aus dem Norden und Osten Europas ins ferne Nordspanien nach Santiago de Compostela. Vielleicht ist das bald wieder der Fall, denn ein Abschnitt dieser alten Pilgerroute wurde jetzt ab Magdeburg beschrieben. Er verbindet von Ost nach West die alten Handelsstädte Goslar, Paderborn, Attendorn mit Köln und Bonn über die Straßen der Hanse.
Auch Paderborn war für die Jakobspilger eine wichtige Station auf ihrem langen und beschwerlichen Weg zum Grabe des Apostels Jakobus, denn die Stadt lag im Mittelalter an einem Drehkreuz uralter Handels- und Heerstraßen. Am Portal des Paderborner Domes begrüßte der hl. Jakobus die Pilger, der an seinem Attribut, der Pilgermuschel, schnell zu erkennen war und immer noch ist.
Um die Tradition der Übernachtungen für Pilger beizubehalten, hat das Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn in seinem Wohnheim am Lindenweg eine Pilgerherberge mit ein paar Zimmern eröffnet. Wer daran Interesse hat, ruft am besten unter der Telefonnummer (05251) 7020 an, um sich einen Platz zu sichern.
Der Freundeskreis der Jakobspilger Paderborn verlieh dem Brüderkrankenhaus als Erkennungszeichen eine Pilgermuschel und auch ein Stempel für den Pilgerpass wurde angefertigt.
(Weitere Unterkunftsmöglichkeiten in Paderborn finden Sie hier.)
Wer in Paderborn nach Spuren der Jakobspilger sucht, wird bald fündig, denn die Jakobusverehrung blickt im Paderborner Land auf eine lange Tradition zurück. Die Stadt wird in Verbindung mit dem Jakobsweg erstmals um 1150 erwähnt, als der isländische Abt Nikulas einen Pilgerweg von Dänemark nach Paderborn beschreibt. Die ursprünglich doppelt so lange Paradiesvorhalle des Domes hat vermutlich auch zur Unterkunft und Zuflucht für Pilger gedient. Die wenigen Herbergen zu jener Zeit dürften nicht für alle Pilger erschwinglich und zudem schnell belegt gewesen sein. Daher hat man wahrscheinlich die Pilger in der Vorhalle aufgenommen und versorgt. Jedenfalls ist die deutliche Hervorhebung dieses Pilgerapostels am Domportal ein starkes Indiz dafür, dass man diesen Heiligen besonders verehrte und ihn zur Begrüßung der ankommenden Pilger erkennbar machen wollte. Am Taufbrunnen des Domes ist der Apostel Jakobus ebenfalls mit zwei Pilgermuscheln auf seinem Gewand abgebildet. (Weitere Informationen zum Paradiesportal als Pilgerherberge finden Sie im pdf-Dokument, das unten auf dieser Seite zum Herunterladen bereit steht.)
Der Liborischrein mit den Gebeinen des hl. Liborius wird bis heute alljährlich von zahlreichen Pilgern verehrt. Auf dem kostbaren Silberschrein für den Schutzpatron von Stadt und Erzbistum, dessen Gebeine im Jahr 836 von Le Mans nach Paderborn überführt worden waren, wurde der hl. Jakobus deshalb außen abgebildet. In dem heutigen von Goldschmied Hans Krako aus Dringenberg gefertigten Schrein (Diözesanmuseum), orientierte sich der Künstler an der gotischen Vorlage aus dem Mittelalter und nahm daher den Apostel Jakobus als Pilgerpatron wieder auf. Der um 1100 von Roger von Helmarshausen hergestellte Dom-Tragaltar im Diözesanmuseum zeigt auf einer der Schmalseiten die Muttergottes zwischen den Aposteln Jakobus und Johannes.
Das älteste Klosterhospital Paderborns dürfte 1015 beim Abdinghofkloster errichtet worden sein. Wie in anderen Städten Westfalens entstanden später auch im Fürstbistum Paderborn durch Stiftungen frommer Bürger und Geistlicher zahlreiche Einrichtungen zum Unterhalt von Armen und Kranken. Die meisten von ihnen bestehen zwar heute nicht mehr, aber viele Straßennamen wie »Spitalmauer«, »Geiststraße« usw. erinnern an diese sozialen Einrichtungen des Mittelalters. Die älteste von ihnen ist das Hl.-Geist-Hospital (früher St. Johannis); es befand sich am Westerntor und wurde 1211 von dem Paderborner Bürger Johannes Spielebrot gestiftet, um auch »Schwache und Fremde« zu beherbergen.
Von Paderborn bis Santiago de Compostela sind für die Jakobspilger noch rund 2.500 km zu gehen. Auf einem so langen Weg bleibt viel Zeit zum Nachdenken, denn man ist wirklich sehr oft mit sich allein und ganz auf sich gestellt. Zugedeckte Schichten in der Seele werden beim Gehen freigelegt und machen sie für das Neue offen. Daran hat sich seit dem Mittelalter nichts geändert. Nicht jeder hat die Möglichkeit, den ganzen Santiago-Weg zu gehen. Der deutsche Wegabschnitt von Madgeburg nach Bonn und von hier weiter durch die Eifel nach Trier könnte da eine Alternative sein. (Text von Dr. Walter Töpner)
Walter Töpner: Wege der Jakobspilger (Band 1) - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland; 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Format: 14 x 22,5 cm, Paulinus Verlag, Trier, ISBN 3-7902-1316-0; Preis: 19,90 Euro.
Downloads:
- Das Paradiesportal des Domes als Pilgerherberge (PDF-Datei, 0,98 MB)
