Museum für Stadtgeschichte
Museum für Stadtgeschichte

Das Adam und Eva-Haus

Wechselvolle Geschichte des schönsten Fachwerkhauses Paderborns

Der Sündenfall, Detail aus dem unteren Giebelfries des Hauses
Der Sündenfall, Detail aus dem unteren Giebelfries des Hauses
Das Adam und Eva-Haus ist eines der schönsten Fachwerkhäuser in Paderborn. Zugleich handelt es sich um das älteste der wenigen erhaltenen Bürgerhäuser der Paderstadt. Um 1560 erbaut zeichnet sich das dreigeschossige Fachwerkgiebelhaus durch seine reichen Schnitzereien aus. Von dem reichen ornamentalen und figürlichen Schmuck an den drei Friesen der Giebelfront ist das untere Fries am beeindruckendsten. Das Schnitzfries erzählt von links nach rechts die Geschichte vom Sündenfall Adam und Evas mit dem Ende der Vertreibung aus dem Paradies. Dieses namensgebende Schnitzfries ist ein Paradebeispiel sowohl für die Architektur der Weserrenaissance als auch für die Geschichte der Reformation.
Die Reformation hatte im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts viele Städte Westfalens erreicht, unter anderen auch Paderborn. Trotz des neuen Glaubensbekenntnisses beharrten die Menschen im Hausbau und seiner äußeren Fassendengestaltung weitgehend auf den tradierten Formen aus der Zeit vor der Glaubensspaltung. Allerdings waren während der relativ kurzen protestantischen Phase Paderborns wie auch in anderen evangelischen Städten nicht mehr alle Darstellungen aus vorreformatorischer Zeit, zum Beispiel Heiligendarstellungen, zulässig. Deshalb suchten die Menschen im 16. Jahrhundert nach Auswegen. Die Erbauer des Adam und Eva-Hauses bedienten sich in der Außengestaltung ihres Hauses sogenannter biblischer Heiliger. Biblische Heilige waren auch Adam und Eva - als die Urväter des Menschengeschlechts. Damit wird der fließende Übergang vom alten, das heißt katholischen Glauben zum neuen evangelischen Bekenntnis während des 16. Jahrhunderts in Form des Adam und Eva-Hauses dargestellt. Die Menschen in der Renaissance, im Manierismus und im Frühbarock waren in ihrem Denken vielfach in alten Vorstellungen verhaftet, so dass für das tägliche Leben ein Kompromiß gesucht wurde. Ein exemplarisches Beispiel dieser Denk- und Lebensweise ist das Adam und Eva-Motiv, dass sich an weiteren Profan- und Sakralbauten des 16. Jahrhunderts orientiert.
Putto, Detail vom oberen Giebel
Putto, Detail vom oberen Giebel
Nachdem in den nachfolgenden Jahrhunderten das Adam und Eva-Haus mehrere Wechsel der Besitzer erfahren hatte, konnte der letzte private Eigentümer die notwendigen Kosten für den Substanzerhalt nicht mehr aufbringen. Deshalb trat die Stadt Paderborn im Jahre 1971 in Verkaufsverhandlungen ein, um das Adam und Eva-Haus vor einem weiteren Verfall zu bewahren. Vor Abschluß der Verkaufsverhandlungen brach ein Feuer aus. Der Brand zerstörte den Dachstuhl und den rückwärtigen Teil des Gebäudes. Jedoch konnte die kunstgeschichtlich wertvolle Außenfassade vor dem Feuer gerettet werden. Laut dem im Jahre 1972 endlich abgeschlossenen Kaufvertrag wurde die Wiederherstellung des Gebäudes beschlossen
In Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt in Münster wurde die Restaurierung des Adam und Eva-Hauses in der ursprünglichen Form des 16. Jahrhunderts vereinbart. Die wiederholten An- und Umbauten seit dem 17. Jahrhundert wurden hierdurch beseitigt. Ziel dieser Planungen war die Wiederherstellung des Originalzustandes. Als Ergebnis kam dabei der Grundriss eines dreischiffigen Gebäudes, eines Vierständerhauses mit schmalen Schiffen, heraus. Der Charakter des Fachwerkgebäudes blieb auch im Inneren erhalten.
Ein Paderborner Bauunternehmen hat die liebevolle Restaurierung der Außenfassade mit ihren Schmuckelementen ausgeführt. Neben umfangreichen Bauarbeiten entfernten Fachleute die Schaufenstereinbauten. Die konstruktive Gestalt des Hauses durch Holzfachwerkbalken wurde wieder hergestellt. Abgerundet wurden die Restaurierungsarbeiten durch neue kleinsprossige Fenster und eine neue Eingangstür aus Eichenholz, jeweils nach alten Vorbildern. Das wichtigste Resultat dieser Arbeiten war jedoch die völlige Freilegung der mehrfach übermalten Friese an der Giebelfront.
Anfang 1976 waren die Arbeiten der Instandsetzung und Restaurierung abgeschlossen, so dass 1977 das Museum für Stadtgeschichte seinen Betrieb in den ersten beiden Etagen eröffnete.