Feuerwehr Paderborn
Feuerwehr setzt höchsten Hygiene-Standard
Selbst für Ebola-Fälle sind die Paderborner Einsatzkräfte gerüstet
Die Brandmeister Johannes Flügge (r.) und Andreas Lücke (l.) desinfizieren die Trage im Rettungswagen. Foto Reinhard Rohlf
Paderborn. Vogelgrippe, Multiresistente Erreger,
Tuberkulose, Noroviren: Der Katalog der gefährlichen Keime wird immer
länger, und immer mehr Menschen sind daran erkrankt. Die ersten, die im
Ernstfall mit den kranken Menschen in Kontakt kommen, sind die
Rettungsdienst-Kräfte der Feuerwehr.
Um so wichtiger ist der Schutz des Personals und - für weitere Patienten - die tadellose Sauberkeit der eingesetzten Fahrzeuge. Bei der Feuerwehr Paderborn ist das die Aufgabe der Desinfektoren, weiß Frank Drewes. Der Oberbrandmeister ist seit 2000 bei der Paderborner Feuerwehr und staatlich geprüfter Desinfektor. Elf von ihnen gibt es unter den Einsatzkräften, 15 sind das Ziel, denn deren Aufgabe wird immer wichtiger. "Wir wollen hygienisch und rechtlich auf der sicheren Seite sein", begründet Drewes den hohen technischen und personellen Aufwand, den die Paderborner Wehr treibt.
Dabei richten sich die Paderborner nach dem Standard der Berufsfeuerwehr Essen, die als Vorzeige-Feuerwehr auf dem Gebiet der Desinfektion gilt. Weiterer Ratgeber ist Professor Walter Popp, Chefhygieniker des Uni-Klinikums Essen, der zugleich als Gutachter vor Gericht agiert.
Desinfiziert wird in fünf Stufen
Desinfiziert wird in fünf Stufen - je nach Notwendigkeit. Die erste Stufe ist die so genannte Transportabschluss-Desinfektion, die nach jedem Transport durchgeführt wird. "Dabei wird der Rettungs- oder Krankentransportwagen frisch und sauber aufbereitet", so Drewes, "schließlich könnte man ja auch selbst der nächste Patient sein". Dabei werden alle Patienten nahmen Kontktflächen desinfiziert - nicht per Spray, sondern mit der bewährten Scheuer-Wisch-Desinfektion. Kissen, Decken und Bezüge sind Einmal-Artikel und werden nach Benutzung ausgetauscht. Der Zeitaufwand beträgt rund zehn bis 15 Minuten. Nächste Stufe ist die tägliche Desinfektion, die alle 24 Stunden fällig ist. Ist der Patient infektiös oder mehrfach traumatisiert, wird das Desinfektionsprogramm umfangreicher.Das ganz große Programm, bei der auch mit höheren Konzentrationen der speziellen Desinfektionsmittel gearbeitet wird, erfordert rund anderthalb Stunden Arbeitsaufwand. Sämtliche Scheuertücher werden übrigens in einer speziellen Industriewaschmaschine gewaschen, die nur für diesen Zweck genutzt wird.
Natürlich muss auch das Personal entsprechend geschützt sein. Das Programm reicht von Einweg-Kitteln über OP-Schutzkittel (können von der Feuerwehr selbst gewaschen werden) bis zu Schutzoveralls (sehen aus wie Maleranzüge, sind aber von erheblich besserer Qualität) und von Schutzbrillen bis hin zu Vollschutzmasken mit Filterpatronen. Selbst für äußerst selten auftretende Fälle - hämorrhagisches Fieber wie Lassa oder Ebola - ist die Paderborner Feuerwehr gerüstet, sagt Drewes und fügt hinzu: "Schließlich liegt der PaderbornerAirport mit weltweiten Anschlussflügen nur ein paar Kilometer entfernt".
Vorgesorgt hat die Stadt auch für Pandemie-Fälle
Vorgesorgt hat die Stadt auch für Pandemie-Fälle. Im Zusammenhang mit der Grippe-Pandemie vor zwei Jahren wurden auf beiden Wachen 600 OP-Schutzkittel und kanisterweise Desinfektionslösung (als Konzentrat) gelagert, um für den Fall der Fälle von auswärtigen Lieferungen autark zu sein.(Bericht Ralph Meyer - Neue Westfälische)
