Rubrikillustration
Städtische Galerie in der Reithalle

Aktuelle Ausstellung

Die Lust am Unbekannten
WILLI BAUMEISTER

Gemälde Zeichnungen Druckgrafiken

vom 02. Juli bis zum 04. September 2016


"Das Kunstschaffen ist ein einfacher Vorgang vom Standpunkt des originalen Künstlers aus. Alle gegebenen Kräfte, die Kräfte des Künstlers, des Scheinziels, die der malerischen Mittel, werden lebendig durch die umfassende Magie, die das Unbekannte als zentrale, magnetische Kraft ausstrahlt. Nichts kann ohne den Magnet des Unbekannten wahrhaft entstehen."                                      

                                                             W. B., Das Unbekannte in der Kunst, 1947

Horst Janssen, der als einer der bedeutendsten Grafi- ker, Plakatkünstler und Buchillustratoren der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts internationale Erfolge feierte, war der festen Überzeugung, dass er alles zeichnen könne. Schaut man sich sein umfangreiches und eindringliches grafisches Werk an, scheint diese selbstbewusste Überzeugung legitimiert.

Die intensive Beschäftigung mit einem speziellen Sujet ist für Janssens Schaffen charakteristisch und eröffnet uns eindrucksvolle Einsichten in seine ei- genwilligen Arbeits- und Darstellungsweisen. Ebenso kennzeichnend für seine künstlerische Arbeit ist die stete Reflexion und Erforschung seines Selbst. Die Selbstportraits legen einen ungeschönten Blick auf die Künstlerpersönlichkeit frei. Janssen ästhetisiert nicht, er dramatisiert. Seinem Publikum zeigt er sich schonungslos offen, wenngleich jeder Selbstdarstellung die Inszenierung immanent ist.

Schließlich ist nahezu in allen Werken ein Moment der Destruktion zu entdecken, welches das innere Erleben zu irritieren vermag. Je deutlicher dieser Aspekt zum Vorschein tritt und je stärker Janssen mit unseren Sehgewohnheiten bricht, desto augenscheinlicher präsentiert sich ein Fortstreben, welches über neue Form- und Sinnzusammenhänge hinausgeht.

Tod und Mädchen, o. J.,  Radierung Tod und Mädchen, o. J., Radierung
Tete lesend (Ernst Jüngers „Strahlungen“), 1986, mit Signatur Jüngers 1996, Aquarell, Bleistift Tete lesend (Ernst Jüngers „Strahlungen“), 1986, mit Signatur Jüngers 1996, Aquarell, Bleistift

Die Städtische Galerie in der Reithalle zeigt eine repräsentative Auswahl von rund 140 Werken Horst Janssens aus der herausragenden Privatsammlung des Kunstverlegers Tete Böttger. Dabei konzentriert sich die Ausstellung vorrangig auf Werke aus den Schaffensjahren 1970 bis 1990, in denen Janssen sich neben der Arbeit an Einzelwerken immer wieder in unterschiedlichen Radierzyklen jeweils einem Thema widmet. Die freundschaftliche Verbindung Böttgers zum Künstler verleiht der Sammlung ein außerordentliches Profil. Es offenbart sich dem Betrachter ein mitunter sehr intimer Einblick in das künstlerische Schaffen Janssens.

Schon die Renaissance sah in der Zeichnung, im "Disegno", den Inbegriff künstlerischer Erfindungskraft, und Leonardo pries sie gar als "göttlich".


Ob Skizze, Entwurf, vorbereitende Studie oder selbständiges Kunstwerk - immer war die Zeichnung bei der ersten Ideenfindung, der Suche nach Form und Gestalt allen anderen Künsten überlegen. In ihr offenbart sich das schöpferische Ingenium unmittelbar und unverstellt, und diese Anmutung von Spontaneität macht nicht zuletzt den Reiz dieser intimen Gattung aus.

Im Ausstellungstitel sind die beiden wesentlichen Schwerpunkte der Kollektion benannt: zum Einen zentrale barocke Meister, überwiegend der italienischen, aber auch der französischen und niederländischen Kunstgeschichte - zu nennen wären u. a. Annibale Carracci, Guido Reni, Il Guercino, Bernardo Strozzi, Anthonis van Dyck - , zum anderen internationale Avantgarde mit herausragenden Vertretern der klassischen Moderne, des Kubismus und des Futurismus, der L'Arte Metafisica, der konstruktiven und expressiven Abstraktion sowie der amerikanischen Pop Art. Klangvolle Namen begegnen hier - Paul Klee, Gino Severini, De Chirico, Mondrian, Morandi, Picasso, Newman und viele mehr.


                                                  

Die Werkschau mit annähernd 90 Gemälden und Mischtechniken wird im Anschluss an Paderborn im Kunstmuseum Bayreuth gezeigt werden.

© für alle Abbildungen: Centro Culturale di Ca'la Ghironda

Mehr Informationen zur Brueghel-Ausstellung finden Sie auf der Seite:

Brueghel-Ausstellung

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Picasso
Ich sehe die Dinge in anderer Art
Graphische Werke, Sammlung Galerie Boisserée

vom 5. Juli bis 28. September 2014

Picasso gilt als die Verkörperung der Kunst des 20. Jahrhunderts schlechthin. Er wirkte als Begründer neuer Stilrichtungen und innovativer technischer Verfahren. Als einen "Magier der Graphik" hat man Picasso bezeichnet. Dieser Titel umgreift nicht nur seine unbändige Kreativität, sondern auch seine elementare und immer wieder überraschende Formensprache, sein handwerkliches Geschick und seine grenzenlose Experimentierfreude.

Pablo Picasso hat sich sämtlicher Möglichkeiten des Hoch-, Tief- und Flachdruckes bedient. Am konstantesten blieb seine Auseinandersetzung mit der Radierung in Verbindung mit der Kaltnadel und der Aquatinta. Einen ersten Höhepunkt stellen hier die zwischen 1930 und 1937 geschaffenen 100 Radierungen der Suite Vollard dar, so genannt nach ihrem Herausgeber Ambroise Vollard.

Das Werk, das man malt,
ist eine Art, Tagebuch zu führen.

                         Pablo Picasso

Nach 1945 trat Picassos Interesse an der Radierung zurück zugunsten der Lithographie. Im Pariser Atelier des Druckers und Verlegers Fernand Mourlot ergriff ihn das "lithographische Fieber", und in schneller Folge entstanden bis 1962 insgesamt 350 Werke.

© für alle Abbildungen Picassos: Galerie Boisserée, Köln /VG Bild-Kunst, Bonn 2014