Libori
Libori

Libori - geschichtliche Hintergründe

Die Libori-Geschichte

Liborius
Das Liborifest hat einen religiösen Ursprung. Kirche und Stadt feiern damit den Todestag (Geburtstag für den Himmel) des hl. Liborius (23. Juli), Schutzpatrons des Domes, des Bistums und der Stadt. Badurad, Bischof von Paderborn (815-862), ließ im Jahr 836 die Reliquien des Heiligen aus dem französischen Le Mans, wo sie begraben lagen, nach Paderborn überführen. Dabei kam ihm seine Freundschaft mit Bischof Alderich von Le Mans zugute. Durch die Heiligenverehrung wollte Badurad den ungefestigten christlichen Glauben in seinem noch jungen Bistum stärken. Das Geschenk der Liboriusreliquien war der Grundstein für den »Liebesbund ewiger Bruderschaft« zwischen den beiden Kirchen. Die Städtefreundschaft zwischen Le Mans und Paderborn ist die älteste noch existierende Europas und sogar der Welt. Der Zug mit den Reliquien des hl. Liborius erreichte Paderborn nach vierwöchiger Reise zu Pfingsten 836. Zeitgenössische Quellen berichten von Zeichen und Wundern, wie Krankenheilungen, welche die Überführung begleitet haben sollen. Die Reliquien des hl. Liborius wurden in Paderborn mit großem Jubel empfangen. Nach dem feierlichen Einzug fanden sie ihre Ruhestätte im Dom. Der Heilige sollte der Stadt Schutz gewähren, ihr aber auch durch Pilgerströme Wohlstand bringen.

Die Kirmes-Geschichte

Kirmes früher
© Stadtarchiv Paderborn
Kirmesfeiern haben ihren Ursprung in den Festen zur Erinnerung an die Kirchweihe. Seit dem 9. Jahrhundert wurde der Jahrestag der Kirchweihe auch als weltliches Fest mit Markt und volkstümlichem Vergnügen begangen. Religiöses Fest und weltlicher Markt sowie Kirmes gehören traditionell zusammen.
Pottmarkt früher
© Stadtarchiv Paderborn
Die Liborikirmes geht auf den im Jahr 1521 ins Leben gerufenen »Magdalenenmarkt« zurück. Die Kirmes wurde 1857 auf den Liboriberg verlegt, der »Pottmarkt« findet bis heute rund um den Dom statt.

Der hl. Liborius

Liboribrunnen
Liborius war im 4. Jahrhundert Bischof von Le Mans in der
römischen Provinz Gallien. Er stammte aus einem vornehmen gallischen Geschlecht und war von der römischen Kultur geprägt. Aus seinem Leben ist nur wenig überliefert. Zwischen 397 und 401 soll er gestorben sein. Liborius war Zeitgenosse und Freund des hl. Martin von Tours. Schon bald nach dem Tod des Liborius sollen an seinem Grab Heilungswunder geschehen sein.

Dem Bild des Heiligen und seinem Namen begegnet man an vielen Stellen in der Paderstadt. Liborius ist einfach zu erkennen: an den Steinen, die er auf seiner Bibel balanciert, denn der Heilige gilt als Fürbitter und Helfer bei Nieren-, Blasen- und Gallensteinen, und häufig an seinem "Wappentier", dem Pfau.

Die Legende vom Pfau

Liboripfau
Der Sage nach flog der Paderborner Gesandtschaft auf ihrem Heimweg ein prächtiger Pfau voran. Immer wenn die Pilger einen Halt einlegten, ruhte auch der Pfau; wenn sie aufbrachen, erhob sich der Vogel wieder. Am Pfingstsonntag des Jahres 836 ließ er sich auf der Turmspitze des Paderborner Domes nieder.
Sobald die Gesandten mit den Reliquien in die Kirche eingezogen waren, fiel der Pfau, der seine göttliche Mission erfüllt hatte, tot zu Boden.

Noch heute wird bei den Liborifeiern dem Liborischrein ein Pfauenwedel vorangetragen. Der Pfau war und ist Wahrzeichen des Liborifestes.

Die kirchlichen Liborifeierlichkeiten

Liborischrein
Auftakt der kirchlichen Feierlichkeiten zum Gedenken an die Überführung der Gebeine des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn ist, am ersten Samstag in der Liboriwoche, die feierliche Erhebung der Reliquien. Während des Liborifestes sind sie im kostbaren Liborischrein zur Verehrung durch die Gläubigen im Altarbereich des Domes aufgestellt.

Das Jahr über werden sie in einem Schrein aus Ebenholz in der Krypta aufbewahrt. Seit 1836 erklingt bei der Erhebung der feierliche Liboritusch. Am ersten Sonntag in der Liboriwoche wird der Schrein mit den Reliquien in einer Prozession zum Historischen Rathaus getragen. Die Aufstellung des Schreins im Dom, das Triduum, endet nach drei Tagen, am Dienstag in der Liboriwoche. Nach einer Prozession über den Domplatz werden die Gebeine wieder in der Krypta beigesetzt.

Die Liborifeierlichkeiten sind heute Treffen der Weltkirche: Zahlreiche kirchliche Würden- träger, Geistliche und Ordensleute aus vielen Ländern der Erde besuchen das Liborifest.

Ein besonderer Anziehungspunkt für Besucher ist der Garten am Konrad-Martin-Haus hinter dem Dom am kleinen Domplatz. Dort verschnaufen die Liborigäste gern eine Weile, sitzen gemütlich unter alten Bäumen, trinken Kaffee und genießen die berühmten Waffeln.

Der Raub der Reliquien

Liborischrein
Während des Dreißigjährigen Krieges raubten 1622 Landesknechte des Herzogs Christian von Braunschweig, im Volksmund "Toller Christian" genannt, den Paderborner Domschatz und den Schrein mit den Gebeinen des hl. Liborius. Der protestantische Feldherr ließ den Schrein einschmelzen und daraus Münzen prägen.

Der sogenannten "Pfaffenfeindtaler" trug die Aufschrift: "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt". Fünf Jahre später, am 25. Oktober 1627, kehrten die Reliquien gegen Zahlung einer hohen Rückgabesumme wieder nach Paderborn zurück. Dieser Tag wird seither als "Herbst-Libori" eine Woche lang gefeiert. Einen neuen, prachtvoll vergoldeten Silberschrein für die Reliquien des hl. Liborius schuf 1627 der Künstler Hans Krako. Zur Erinnerung an den alten Schrein wurden einige Pfaffenfeindtaler eingearbeitet. Der Krako-Schrein bringt noch heute während der Liborifeiern die Reliquien des Heiligen. Das Jahr über ist er im Diozöesanmuseum zu sehen.