Historisches Museum im Marstall
Garnisionsgeschichte
Neuhaus hat seit der Herrschaft der Fürstbischöfe eine lange Tradition als Garnison. Die ersten Soldaten dienten dem jeweiligen Fürstbischof als Ordnungs- und Polizeikräfte. Darüber hinaus mussten Einheiten im Falle eines Krieges an den Kaiser bzw. an das Reich abgegeben werden. Als Reserve zum Schutz des heimatlichen Territoriums stand der sogenannte Landesausschuss (Landmiliz) zur Verfügung.
Zu einer relativ großen Garnison wuchs Neuhaus nach der Säkularisierung mit dem Einzug des preußischen Militärs. 1850/51 wurden Teile des Husarenregiments Nr. 8 nach Neuhaus und Paderborn verlegt. Die Schlossinsel mit dem Schloss und dem Marstall wurden systematisch zur Kasernenanlage ausgebaut.
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Garnison zu einem bedeutenden Faktor für Wirtschaft und Gesellschaft in Neuhaus und Paderborn. Restaurants, Kneipen und Tanzlokale schossen wie Pilze aus dem Boden. Kleine Wirtschaftsbetriebe und Landwirte erhielten Aufträge vom Militär und mussten daraufhin mehr Mitarbeiter anstellen. Die Straßenbahn als Nahverkehrsmittel wurde u.a. für die Soldaten eingerichtet.
Auch nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 blieb das Militär in Neuhaus bestimmend. Mit der Gründung des Reiter-Regiments 15 kam wiederum eine Kavallerieeinheit in die alte Garnison. Das Regiment blieb, mit kriegsbedingter Unterbrechung, bis 1945.
Auch nach dem 2. Weltkrieg sollte Neuhaus als Militärstandort nicht völlig verloren gehen. Bemühungen, eine Bundeswehrfachschule auf Dauer im Schloss einzurichten, scheiterten. Stattdessen zogen britische Einheiten der Rheinarmee in den alten Kasernenkomplex ein.
