Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Die Sammlung Nachtmann

Im Dezember 2002 wurden die Museen im Marstall durch die Glas- und Keramiksammlung Nachtmann erweitert. Die Sammlungen von Bürgern, Vereinen oder privaten Institutionen stellen in vielen Museen den Grundstock des Bestandes dar. So ist es auch bei den Museen im Marstall, die 1994 im Rahmen der Landesgartenschau eröffnet wurden. Die Funde aus dem Schlossgraben, die mangels spärlicher schriftlicher Überlieferung einen ganz besonderen kulturhistorischen Wert darstellen, konnten dank der jahrelangen Arbeit von Hans Joachim Nachtmann dem Museum frühzeitig eingegliedert werden.
Blick in den Ausstellungsraum
1980 fand der Sammler im Schlossgraben von Schloß Neuhaus zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lange Ausgrabungen in der Gräfte (Schlossgraben) aus und mündete im größten Gräftefund Westfalens. Nachtmann hat das Material sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben. Es ist der Initiative von Hans Joachim Nachtmann zu verdanken, dass die übergebene Sammlung nunmehr das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.

Nachtmanns Sammlungsbestand macht einen Teil des verloren gegangenen Inventars der fürstbischöflichen Residenz Neuhaus wieder sichtbar, denn er fand in dem Schlossgraben zahlreiche Alltagskulturgegenstände und hochwertige Glas- und Keramikfragmente der ehemaligen Residenzbewohner.

Darüber hinaus sammelte er im Laufe von Jahrzehnten komplette Gläser und keramische Gefäße, die zum Teil zu den Fragmenten passen. Neben Exponaten internationaler Provenienz finden sich darunter zahlreiche Objekte aus dem ostwestfälischen Raum ( z.B. Glashütte Emde bei Driburg ) sowie den berühmten Produktionsstätten Europas, wie Venedig, Böhmen, Schlesien, Thüringen und den Niederlanden.

Die Sammlung Nachtmann umfasst in ihrem Kern einige hundert Einzelobjekte. Sie gehört damit zu den bedeutendsten Privatsammlungen ihrer Art in Westfalen. Den Rundgang eröffnen die Funde aus dem nahe liegenden Schlossgraben. In den anschließenden Räumen kann der Besucher die Geschichte der Keramik- und Glaskunst von der Antike bis zur Neuzeit an herausragenden Einzelstücken nachvollziehen.
Exponat der Sammlung Nachtmann
500 Jahre lang - bis 1802/03 -diente Neuhaus als Residenz der Fürstbischöfe von Paderborn. Ab 1851 wurde die alte Residenz preußische Garnison und aus bischöflichen Einrichtungen wurden militärische.

Es änderte sich so auch die Ess- und Trinkkultur, was an den ausgestellten Gefäßen nachvollzogen werden kann. Eine Inszenierung zeigt eine Schlossküche und Teile der fürstbischöflichen Tafel, die andere die Offizierstafel und Teile einer Husarengaststätteneinrichtung ("Waldlust"). Diese Darstellungen geben einen realistischen Einblick in die Lebensgewohnheiten der ehemaligen Schlossbewohner.

Zur Sammlung Nachtmann ist im Bonifatius-Verlag ein Katalog erschienen. Er gilt als lebendiges Werk über die Glaskultur der Region. [mehr]

Die 16. Fachgruppentagung der Geschichtsmuseen im Deutschen Museumsbund vom 14.-16. November 2009 in Neubrandenburg stand unter dem Motto "Forschen in Geschichtsmuseen - Beispiele aus der Praxis".
Vom Westfälischen Glasforum, das im Marstall von Paderborn-Schloß Neuhaus beheimatet ist, wurde durch Dr. Norbert Börste das Projekt zur Erschließung und Publikation der Sammlung Nachtmann dargestellt.
Als erstes größeres Projekt erforschten Mitglieder des Westfälischen Glasforums die Sammlung Nachtmann mit über 660 Glas- und Keramikobjekten von der Antike bis zur Neuzeit, die im Historischen Museum im Marstall in Paderborn Schloß Neuhaus präsentiert werden.
Mit diesem Projekt wurden die Grundlagen für die Erstellung des Katalogs der Sammlung Nachtmann erschlossen.
Zum Vortrag hier [mehr]