Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Die 8. Husaren in Neuhaus und Paderborn

Zwischen Revolution und Weltkrieg

Im Jahre 2001 jährte sich zum 150. mal der Jahrestag, der besonders für Neuhaus aber auch für Paderborn und der gesamten Region von großer historischer Bedeutung ist: am 24. Februar 1851 zogen Teile des Husaren Regiments 8 ins Schloss von Neuhaus ein und prägten die Geschichte von Neuhaus und Paderborn wesentlich in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht. Besonders verdankt der Ort Neuhaus diesen Soldaten, die bis 1919 blieben, einen großen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Niedergang der fürstbischöflichen Residenz.
Durch die Säkularisation 1802/03 und die damit verbundene Aufhebung des Fürstbistums Paderborn verlor Neuhaus seine wirtschaftliche Existenzgrundlage. Die allgemeine Not jener Jahre napoleonischer Machtausbreitung wurde für die Bevölkerung zu einem Fiasko. Über 500 Jahre lang hatten die Neuhäuser direkt oder indirekt von der Hofhaltung der Fürstbischöfe gelebt. Für die regelmäßig betriebenen Reit- und Wagenpostlinien, die bis Wien und Amsterdam reichten, für die Ausübung der Jagd, der Pflege der Landwirtschaft, Betreibung der zahlreichen Mühlen und auch zur Wehrbereitschaft unterhielt der Fürstbischof zahlreiches Personal aus der Neuhäuser Bevölkerung. Als diese üppige Hofhaltung 1803 aufgelöst wurde, gerieten die Residenzortbewohner in totale wirtschaftliche und menschliche Not.
Überdies wurde Neuhaus in den folgenden Jahren vielfach von requirierenden und plündernden Reiterheeren heimgesucht und vollständig ruiniert. Waren es zunächst napoleonische Reiter, so folgten dann Russen, Kosaken und andere Schicksalsschläge.
Während der nachfolgenden Befreiungskriege kam erstmals preußisches Militär nach Neuhaus, womit die Garnison Neuhaus entstand. In den folgenden Jahren wechselten die Garnisonbelegschaften im Schloß wiederholt (Ulanen, Husaren, Landwehr), bis zum 24. Februar 1851 Teile des Husaren Regiments 8 ins Schloss und in Paderborn einrückten.
Dieses Jahr 1851 war für den Ort Neuhaus entscheidend, und der wirtschaftliche und soziale Aufschwung setzte ein. Seit dieser Zeit ist Neuhaus mit seinen Reitern untrennbar verbunden. 68 Jahre hindurch war Neuhaus seinen 8. Husaren Garnison und Heimat. Die Soldaten wurden aus ganz Westfalen und dem benachbarten Rheinland und Hessen rekrutiert und die Offizier stammten aus dem katholischen Adel Westfalens, der innerhalb der protestantischen preußischen Armee eine Sonderrolle spielte und als "papistisches" Offizierskorps galt und auch "Rosenkranzoffizierskorps" genannt wurde.
Die Schlossinsel mit dem Schloss und dem Marstall wurden systematisch zur Kasernenanlage ausgebaut. Im weiteren Verlauf entwickelte sich die Garnison zu einem bedeutenden Faktor für Wirtschaft und Gesellschaft in Neuhaus und der gesamten Region des Hochstifts Paderborn. Restaurants, Hotels und Tanzlokale schossen wie Pilze aus dem Boden. Kleine Wirtschaftsbetriebe und Landwirte erhielten Aufträge vom Militär und mussten daraufhin mehr Mitarbeiter anstellen und schließlich wurde 1892 der Truppenübungsplatz Senne angelegt, der heute noch eine äußerst wichtige militärische und wirtschaftliche Rolle für die gesamte Region Ostwestfalen spielt.
Ab 1889 war Zar Nikolaus II. von Russland Chef des Regiments nach den bayerischen Königen Maximilian II. und Ludwig II., woran zu erkennen ist, dass die 8. Husaren zu den Eliteregimentern der preußischen Armee gehörten. Die Husaren nannten sich daher seit 1894 Husarenregiment Kaiser Nikolaus II von Russland, führten ab 1896 im Wappen den gekrönten Namenszug des Zaren und trugen die Initialen auf den Schulterstücken. Außerdem war das Zarenemblem auf der Standarte und den Soldbüchern zu finden. Im Historischen Museum im Marstall hängt heute noch ein Porträt von Zar Nikolaus, das in seinem Auftrag in St. Petersburg von Ernst Friedrich von Liphart um 1890 gemalt und dem 8. Husarenregiment geschenkt wurde. Es zierte anschließend bis 1974 das Offizierskasino von Schloß Neuhaus. [mehr]
Diese zeitgeschichtliche Epoche der 8. Husaren ist bestens durch Sammlungsbestände aus dem Depot des Historischen Museums und dem Paderborner Stadtarchiv überliefert. Daher ließ sich aus diesem Fundus, ergänzt mit weiteren Leihgaben aus anderen Museen und Institutionen, eine entsprechend interessante Sonderausstellung für den Zeitraum vom 17.2.2001 bis 20. Mai 2001 gestalten, die mit einer Begleitschrift/Katalog dokumentiert wurde und in der Bevölkerung auf großes Interesse stieß, da nicht nur die Erinnerungen an diese Husarenzeit in vielen Familien noch lebendig ist, sondern die Auseinandersetzung mit der preußischen Epoche auch noch zahlreiche andere Facetten liefert. [mehr]
Ausstellung und Begleitdokumentation wurden gefördert durch den Förderkreis Historisches Museum im Marstall von Paderborn-Schloß Neuhaus. [mehr]