Historisches Museum im Marstall
Historisches Museum im Marstall

Älteste profane astronomische Uhr Westfalens jetzt im Marstall

23.6.2006

Die älteste profane Uhr, die in Westfalen hergestellt wurde ist nun seit einigen Tagen Im Historischen Museum im Marstall ausgestellt. Wegen der Sanierungsarbeiten im Franziskanerkloster in Paderborn wird für ein Jahr eine der bedeutendsten Standuhren des 17. Jahrhunderts im Marstall gezeigt. Es handelt sich um die erste profane astronomische Großuhr in Westfalen mit einem "ewigen Kalender" von Jacob Lang aus Münster.

Das Uhrwerk ist ausgestattet mit drei Schlagwerken, Mondphase, Anzeige der vergangenen Neumondzeit, silbernes Hauptzifferblatt mit äußerem Minutenring, 24 Stundenanzeige; Sonnenstand- und Sternzeichenanzeige, Abstandanzeige der Sonne zur Erde, Stundenzeiger auf unterem kleineren Zifferblatt mit einstellbarer Innenscheibe für einen Wecker, Wochentag- und Monatsanzeige. Das besondere an dieser kostbaren Uhr ist, dass sie auch noch funktionsfähig ist. In nächster Zeit wird es Vorführungen im Marstall geben, die noch angekündigt werden. Dr. Norbert Börste, Kurator des Museums, wird   zusammen mit einem Spezialisten, der zur Zeit Uhrrestaurierungen für das Deutsche Historischen Museum in Berlin durchführt, diese Uhr vorführen. Dieser  komplizierte Zeitmesser ist für die Region umso interessanter, da er einen hervorragenden Einblick gibt in die Kultur- und Technikgeschichte der Barockzeit, die bekanntlich in der Residenz Neuhaus noch heute sehr sichtbare Spuren hinterließ: u.a. Barockgarten, Schlossumbau und Errichtung des Marstalls. Aus dieser Zeit ist auch noch ein Sonnenuhrstein aus dem 18. Jahrhundert erhalten, der ebenfalls im Marstallmuseum ausgestellt ist.

In den Räumen der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz  Schloß Neuhaus gab es eine größere Anzahl von kostbaren  Großuhren, wie die Inventare der Fürstbischöfe bezeugen.

Diese Standuhr von Jacob Lang aus Münster vermittelt daher einen Eindruck höchster internationaler Uhrmacherkunst an einem fürstbischöflichen Hof in Westfalen. Die Uhr entstand nämlich in Münster am Hof des Fürstbischofs Bernhard von Galen und zur Zeit der Regentschaft des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg (1661-1683). Bereits am 19.7.1667 wurde Ferdinand zum Koadjutor des Münsteraner Bischofs Christoph Bernhard von Galen gewählt und ab 1678 regierte er auch das Bistum Münster. Christoph Bernhard von Galen weilte auch des Öfteren in Schloss Neuhaus bei Ferdinand.

Nach den älteren Nachrichten zu urteilen, war Jacob Lang als Uhrmacher und Schlosser am Hof des Fürstbischofs Bernhard von Galen  in Münster beschäftigt: im Jahre 1670 führte er an der astronomischen Domuhr Reparaturarbeiten aus. Von seinem Auftraggeber für die kleine astronomische Uhr aber, laut Inschrift ein gewisser Michael Martinus, ist bisher kaum etwas bekannt. Nach den spärlichen Unterlagen hat die Uhr den II. Weltkrieg im Franziskanerkloster in Münster überlebt, das vor einigen Jahren auch aufgegeben wurde und gehört seit dem zum Inventar des Franziskanerklosters in Paderborn , das von Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg gestiftet wurde. Ferdinand von Fürstenberg starb am 26.6. 1683 nach einem längeren Steinleiden und wurde in der Paderborner Franziskanerkirche, begraben. Dankenswerterweise hat sich der Konvent der Paderborner Franziskaner entschlossen, das gute Stück in die sichere Obhut des Historischen Museums im Marstall zu übergeben, denn die wertvolle Uhr hat schon eine aufregende Geschichte hinter sich: als vor etlichen Jahren ein Dieb die Uhr in Münster stehlen wollte, schreckte die Weckerglocke die Eigentümer aus dem Schlaf, gerade als der Dieb die Uhr über eine Einfriedung heben wollte. Erschreckt ließ er sie fallen. Die erlittene Beschädigung ließ sich aber beheben.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Franziskanerkloster kehrte die Uhr an ihren alten Standort zurück.


Weitergehende Information siehe:
Norbert Börste, Die älteste profane Großuhr in Westfalen (1662) - die astronomische Uhr von Jacob Lang im Franziskanerkloster Paderborn. In: Westfälische Zeitschrift, Band 157, 2007,   S. 321 - 329