Historisches Museum im Marstall
Ökumene im Dritten Reich
Max Josef Metzger
Dass evangelische und katholische Christen gleichermaßen durch das Nazi-Regime bedrängt wurden (teils im verborgenen, teils in offenem Kampf), führte zu einer bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannten Solidarisierung und wurde zum Katalysator für eine Annäherung auf verschiedenen Ebenen. Nach 1933 kam es zu zahlreichen ökumenischen Initiativen, angefangen von interkonfessionellen Konferenzen (den ersten seit dem 16. Jh.) über theologische Veröffentlichungen bis hin zu Gesprächskreisen in vielen Gemeinden. Im Widerstand gegen Hitler, etwa im Kreisauer Kreis, wirkten evangelische und katholische Christen bewusst zusammen und entwarfen die Grundrisse einer neuen Gesellschaftsordnung. Von der Geheimpolizei wurde die Ökumene daher als Versuch der Kirchen aufgefasst, eine »gemeinsame Abwehrfront« gegen den Nationalsozialismus zu bilden.
