Ein Haus für die Sommerboten

© Egon Wiest, www.schwalbenschutz.de

Wenn ab Mitte April die Mehlschwalben aus ihren Winterquartieren zurückkommen, wird der Sommeranfang durch ihr geschwätziges Zwitschern angekündigt. Diese Tatsache ist für viele Menschen nicht mehr wegzudenken und gehört zu ihrem Alltag.

Die Mehlschwalbe ist ein sogenannter Kulturfolger und hat sich an die Lebensbedingungen in Dorf und Stadt angepasst. Sie baut ihre typischen kugelförmigen Lehmnester an Gebäuden, ernährt sich von Insekten und lebt in einer Kolonie. Zudem ist die Mehlschwalbe nicht nur orts-, sondern sogar brutplatztreu und kommt jährlich zu ihrem erbauten Nest zurück. 
Doch die Mehlschwalbe ist bedroht: es gibt immer weniger Platz für geeignete Nistmöglichkeiten und auch das Nahrungsangebot nimmt immer weiter ab. Gründe hierfür sind beispielsweise Sanierungsarbeiten an Gebäuden, das bewusste Beseiten von Nestern oder auch der allgemein bekannte Artenrückgang. Die Mehlschwalben sind eine nach Bundesnaturschutzgesetz geschützte Art, deren Vorkommen es zu fördern und die Nester zu erhalten gilt. Eine Beseitigung von Nestern ist somit strafbar oder es müssen Ersatznisthilfen angebracht werden.

Auf dem ehemaligen Kasernengelände Alanbrooke an der Elsener Straße in Paderborn sowie angrenzend in den Wohnsiedlungen lebt eine Mehlschwalben-Kolonie. Es sind mehrere Nester vorhanden und im Sommer jagen sie zwitschernd den Insekten im raschen Flug hinterher. Aufgrund der Neugestaltung des Alanbrooke-Quartiers wurden jedoch die alten Militärgebäude abgerissen, an denen sich auch Mehlschwalbennester befunden haben. Dafür müssen nun Ersatznisthilfen geschaffen werden, damit die im April zurückkommenden Mehlschwalben auch wieder Nester zum Brüten vorfinden. Hier hat sich die Stadt Paderborn für ein zentrales, großes Schwalbenhaus entschieden, um die Population der Mehlschwalben an diesem Standort durch eine noch größere Anzahl an Nisthilfen stärker zu fördern. Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Schwalbenhaus, sondern eher um ein "Mehlschwalben-Mehrfamilienhaus". Das Schwalbenhaus wird im Dezember 2020 aufgestellt werden - ein Schwalbenhaus mit einem Durchmesser von 2,5 Metern auf einem 5 Meter hohen Stahlmast mit 28 bereits vorhandenen künstlichen Nisthilfen und Platz für bis zu 14 weitere natürliche Nester. Perfekte Bedingungen, um dem Koloniebrüter Mehlschwalbe viel Raum zum Leben und Brüten zu bieten.

Die Idee zu der Errichtung eines Schwalbenhauses kam an einem anderen Standort in Gesprächen mit engagierten Vereinen auf. Gemeinsam verständigte man sich auf die Errichtung an einem geeigneten Standort und auch auf mögliche weitere Schwalbenhäuser. Im Anschluss an diese Gespräche ist das Alanbrooke-Quartier vonseiten der Stadt Paderborn als geeigneter Standort ausgesucht und mit den Maßnahmen für Ersatznisthilfen sinnvoll verbunden worden.

Über die Aufstellung des großen "Mehlschwalben-Mehrfamilienhaus" und auch der dortigen Entwicklung werden wir an dieser Stelle weiter berichten und Sie auf dem Laufenden halten.