Abschlussbericht Bombenfund Leostraße

Bombenfund erfordert weitreichende Evakuierungsmaßnahmen: Rd. 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und Stadt im Einsatz.

15:56 Uhr: Leostraße, Bombenfund

Zum og. Zeitpunkt wurde die Feuerwehr über das Ordnungsamt der Stadt Paderborn informiert, dass bei Bauarbeiten an der Leostraße eine Fünf-Zentner-Bombe freigelegt worden ist. In Absprache zwischen dem Kampfmittelräumdienst, dem Ordnungsamt, der Polizei und der Feuerwehr wurde ein Koordinierungsstab gebildet, der die notwendigen Maßnahmen zur Vorbereitung der Bombenentschärfung festlegte. Der Koordinierungsstab verständigte sich auf eine Entschärfung der Bombe noch am gleichen Abend.

Im inneren Absperrbereich, der komplett von Personen geräumt werden musste, befanden sich auch drei Einrichtungen mit Pflege- und Betreuungseinrichtungen. In diesen drei Einrichtungen befanden sich am gestrigen Nachmittag 72 zu betreuende Personen und 19 Pflegekräfte. Rd. 500 weitere Personen hatten ihre Wohnungen im inneren Absperrbereich. Die Bewohner des äußeren Absperrbereiches durften sich während der Entschärfungsmaßnahmen nur innerhalb von Gebäuden aufhalten.

Vorbereitende Schwerpunktmaßnahmen des Koordinierungsstabes waren:

  • Unterbringung der 72 zu betreuenden Personen
  • Bereitstellung der entsprechenden Transportmittel
  • Anforderung entsprechender Einsatzkräfte und notwendiger Ausstattung für unterstützende Maßnahmen
  • Information der Bevölkerung innerhalb und außerhalb des Gefahrenbereichs
  • Durchführung von Warndurchsagen
  • Absperrung des unmittelbaren Gefahrenbereichs
  • Bereitstellung von Räumlichkeiten für Personen, die den Gefahrenbereich für die Dauer der Bombenentschärfung verlassen mussten
  • Koordination mit dem Notfallmanager der Bahn/mit der Luftraumüberwachung
  • Versorgung der Einsatzkräfte
  • Unterstützung des Kampfmittelräumdienstes
  •  Rückführung der zu betreuende Personen nach der Bombenentschärfung
© Feuerwehr Paderborn - Marc KöppelmannIm inneren Absperrbereich, der komplett von Personen geräumt werden musste, befanden sich auch drei Einrichtungen mit Pflege- und Betreuungseinrichtungen.

Unterbringung der 72 zu betreuenden Personen

Aus drei Einrichtungen mussten insgesamt 72 zu betreuende Personen in angrenzende Krankenhäuser und andere Pflegeeinrichtungen außerhalb des inneren Absperrbereiches untergebracht werden. Hierfür galt es auch die logistischen Voraussetzungen durch Bereitstellung von Rettungswagen, Krankentransportwagen und Spezialfahrzeuge für den Behindertentransport einschließlich Unterstützungspersonal bereitzustellen. Diese Aufgabe wurde durch Einrichtung eines „Einsatzabschnittes Rettungsdienst“ von der Feuerwehr übernommen.

Bereitstellung der entsprechenden Transportmittel

Für den Transport der zu betreuenden Personen wurden Mannschaftstransportwagen, Rettungswagen, Krankentransportwagen und Spezialfahrzeuge für den Behindertentransport aus dem gesamten Kreisgebiet (Hilfsorganisationen und Feuerwehr) angefordert. Für die koordinierte Fahrzeugzuweisung wurde ein „Einsatzabschnitt Bereitstellungsraum“ an der Leostraße eingerichtet. Hierfür musste die Leostraße zwischen Husener Straße und Karlstraße für den Verkehr ab 20:30 Uhr vollständig gesperrt werden. Durch diese Maßnahme konnten gezielt die benötigten Spezialfahrzeuge aus dem Bereitstellungsraum zum Transport der betroffenen Personen abgerufen werden.

Anforderung von Einsatzkräften und notwendiger Ausstattung für unterstützende Maßnahmen

Diese Aufgabe wurde vom Lagedienstführer der Einsatzzentrale auf der Feuerwache Süd übernommen. Hierzu wurden mehrere Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Paderborn alarmiert und anschließend eingesetzt.

Information der Bevölkerung innerhalb und außerhalb des Gefahrenbereichs

Gleichzeitig galt es die im inneren Absperrbereich wohnenden Personen zu informieren und zu warnen. Die notwendigen Festlegungen erfolgten für diesen Bereich durch das Ordnungsamt der Stadt Paderborn in Zusammenarbeit mit der Polizei. Hierzu wurden vorbereitete Handzettel mit entsprechenden Hinweisen an die betroffenen Haushalte im Absperrbereich durch das Ordnungsamt und die Polizei verteilt.

Durchführung von Warndurchsagen

Diese Aufgabe wurde dem Warnzug des Kreises Paderborn übertragen, der sich aus Feuerwehrfahrzeugen des gesamten Kreises Paderborn zusammensetzt. In Absprache mit der Zugführung des Warnzuges wurden vom Koordinierungsstab der Text der Lautsprecherdurchsagen und die zu befahrenden Straßen für die Bevölkerungswarnung festgelegt. Gleichzeitig wurden die Radiosender gebeten, die Bevölkerung ent-sprechend zu informieren bzw. zu warnen.

Absperrung des unmittelbaren Gefahrenbereichs

Um ein Einfahren und/oder einen Personenaufenthalt im festgelegten Gefahrenbereich zu verhindern, waren zahlreiche Absperrmaßnahmen erforderlich. An insgesamt 26 vorher festgelegten Punkten wurde Absperrstellen durch Einsatzkräfte der Polizei, des BOSS-Büros (Ordnungsamt) und der Feuerwehr eingerichtet. Die Koordination dieser Maßnahme erfolgter unter Federführung der Polizei. Da kurz vor dem Termin der geplanten Bombenentschärfung die Kinovorstellung in der Liborigalerie endete, wurde die Sperrung Liborigalerie/Kasseler Tor zum Schluss eingerichtet, damit der Verkehr aus diesem Bereich noch abfließen konnte.

Bereitstellung von Räumlichkeiten für die vorübergehende Unterbringung von Personen

Da der innere Absperrbereich vollständig geräumt werden musste, waren auch Personen vorübergehend unterzubringen, die keiner besonderen Betreuung bedurften. Diese Aufgabe wurde vom Deutschen Roten Kreuz, Ortsverband Paderborn übernommen. In den Räumen an der Reumontstraße in Paderborn wurden rd. 30 Personen während der Entschärfungsmaßnahmen versorgt.

Koordination mit dem Notfallmanager der Bahn/mit der Luftraumüberwachung

Da im Bereich der äußeren Absperrung die Bahnstrecke verläuft, wurde auch der Notfallmanager der Bahn angefordert, der für den unmittelbaren Entschärfungszeitraum die Bahnstrecke sperren ließ. Auch der Luftraum über der Fundstelle der Bombe musste von der Luftüberwachung für den Zeitraum der Entschärfung gesperrt werden. Günstig erwies sich hier der späte Entschärfungstermin, so dass die planmäßigen Landungen auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt  ohne Umleitung noch möglich waren.  

Versorgung der Einsatzkräfte

Die rd. 180 Einsatzkräfte von Polizei, Ordnungsamt, Kampfmittelräumdienst, Hilfsorganisationen und Feuerwehr wurden vom Verpflegungszug der Freiwilligen Feuerwehr Einheit Elsen mit Speisen und Getränken versorgt.

© Feuerwehr Paderborn - Marc KöppelmannAufgrund des einsetzenden Regens und der Dunkelheit wurde für den Kampfmittelräumdienst ein Pavillon über der Bombe als Regenschutz aufgestellt und der Arbeitsbereich mit Flutlichtscheinwerfern ausgeleuchtet.

Unterstützung des Kampfmittelräumdienstes

Aufgrund des einsetzenden Regens und der Dunkelheit wurde für den Kampfmittelräumdienst ein Pavillon über der Bombe als Regenschutz aufgestellt und der Arbeitsbereich mit Flutlichtscheinwerfern ausgeleuchtet. Die Einsatzmittel wurden durch den Abrollbehälter Rüst der Feuerwehr Paderborn bereitgestellt.

Rückführung der zu betreuende Personen nach der Bombenentschärfung

Unmittelbar nach der Entschärfung gegen 23:30 Uhr wurden die Absperrmaßnahmen aufgehoben und mit dem Rücktransport der zu betreuenden Personen begonnen. Bis auf eine Gruppe von neun Personen aus dem LWL-Internat, die bereits am Ort der vorübergehenden Unterbringung fest schliefen, konnten bis 00:30 Uhr alle anderen Betroffenen Personen in ihre gewohnten Bereiche zurückgebracht werden. Die noch verbliebene Wohngruppe aus dem LWL-Internat kehrte am Morgen eigenständig zum Internat zurück. Die noch erforderliche Rückführung der Betten und Matratzen, die für diese Personengruppe gebraucht wurde, erfolgte am heutigen Vormittag durch die Feuerwehr.

Insgesamt sechs Personen aus einem Seniorenheim und eine nicht gehfähige Person aus dem inneren Absperrbereich wurden mit Krankentransportwagen und Rettungswagen vorübergehend in Paderborner Krankenhäuser und in zwei weiteren Pflegeeinrichtungen untergebracht. Rund 20 Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen konnten in einer nahegelegenen Pflegeeinrichtung für die Dauer der Bombenentschärfung unterkommen.

Der Einsatz der Feuerwehr konnte nach rd. neun Stunden gegen 01:00 Uhr heute Morgen beendet werden.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass der Einsatz einen nicht unerheblichen Koordinierungsaufwand verursacht hat. Durch das professionelle und abgestimmte Vorgehen ist es jedoch allen Beteiligten gelungen für einen reibungslosen Ablauf des Einsatzes zu sorgen.

Unser Dank gilt allen am Einsatz Beteiligten und den Einrichtungen, die die vorübergehende Unterbringung der betroffenen Menschen problemlos ermöglicht haben.

Einsatzleitung

Leitender Branddirektor Ralf Schmitz - A-Dienst

Brandrat Richard Kühling - C-Dienst