"Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher"

LWL-Wanderausstellung über Natur und Landschaft vor 100 Jahren. Bilder und Filme von Dr. Hermann Reichling (1890–1948).
04.08. - 03.10.2017.

© LWL-MuseumsamtHermann Reichling mit dem Krammetsvogelfänger Heinrich Stille, 1914 in einer Heide bei Kattenvenne im nördlichen Münsterland

Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher

Menschen, Natur und Landschaft in Nordwestdeutschland vor 100 Jahren.
Auf den Spuren des Naturfotografen und Pionier des Naturschutzes Dr. Hermann Reichling (1890-1948).

Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes in Zusammenarbeit mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen, dem LWL-Museum für Naturkunde und dem Westfälischen Heimatbund.

Eröffnung am Freitag 04.08.2017 um 19.00 Uhr (siehe unten).

© Hermann Reichlingstrickender Schäfer mit Hund und Herde, 1938

Vor etwas mehr als 100 Jahren begann der westfälische Zoologe Dr. Hermann Reichling die Landschaften Nordwestdeutschlands zu fotografieren und später auch zu filmen, um ihre Besonderheiten und Vergänglichkeit im Bild festzuhalten.

Reichling gilt als einer der wichtigsten Pioniere des Naturschutzes in Nordwestdeutschland und als einer der ersten Naturfotografen der Region. Der damalige Direktor des heutigen LWL-Museums für Naturkunde hat ein einzigartiges Archiv hinterlassen, welches die Landschaften und die dort arbeitenden Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert.

Seine Glasplattennegative aus dem Privatbesitz der Familie Reichling - sowie aus den Beständen des LWL-Museums für Naturkunde - wurden in einem vom Westfälischen Heimatbund und vom Westfälischen Naturwissenschaftlichen Verein angeregten und von der NRW-Stiftung geförderten Projekt digitalisiert.
Über das Bildarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen wurden inzwischen mehr als 5.000 dieser Fotografien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (www.reichling-fotosammlung.lwl.org)

Die Wanderausstellung des LWL-Museumsamts zeigt einen umfassenden Querschnitt aus der fotografischen Arbeit Dr. Hermann Reichlings.

Menschen, Natur und Landschaft haben sich in den vergangenen 100 Jahren stark verändert. Manche Berufe aus damaliger Zeit gibt es heute nicht mehr und viele naturnahe Landschaften sind heute nur noch in kleinen Restbeständen zu finden oder sie sind stark verändert. Dementsprechend sind auch viele Tier- und Pflanzenarten, die vor 100 Jahren noch häufig in Westfalen vorkamen, inzwischen selten geworden oder sogar ganz verschwunden.

© LWL-MuseumsamtHermann Reichling mit seiner Plattenkamera in einem Baum bei Aufnahmen an einem Greifvogelhorst


Anmerkung zum Titel der Ausstellung:


Vogelfänger:
Noch bis 1904 durfte jedermann durchziehenden Vogelarten ohne eine besondere Erlaubnis nachstellen, später war dies nur den Jagdpächtern gestattet. Insbesondere das Fleisch der Wacholderdrosseln (Krammetsvögel) galt als beliebter Leckerbissen.

Venntüten:
In Westfalen bezeichnete man den Großen Brachvogel gerne auch wegen seines markanten Rufs als Venntüte. Vor allem im Venn, d.h. in den Moorgebieten, war er zu Hause.

Plaggenstecher:
Plaggenstecher trugen vor allem in Heidegebieten die oberste humose Bodenschicht, die Plaggen, ab. Diese wurden als Stalleinstreu genutzt und später – angereichert mit dem Kot des Viehs – auf den Feldern als Dünger eingesetzt.
Das Plaggenstechen war Schwerstarbeit, weshalb der Begriff "Plackerei" bzw. "sich abplacken" bis heute in der Umgangssprache für sehr mühsame Arbeiten verwendet wird.



Rallyebogen

Für Kinder und Jugendliche hat das Naturkundemuseum im Marstall wieder einen Rallyebogen erstellt, mit dem die Ausstellung erkundet werden kann. Er ist bei der Museumsaufsicht kostenlos erhältlich (Schreibunterlagen und Stifte können ausgeliehen werden).

Er kann hier auch als pdf-Datei eingesehen werden:


Eröffnung am Freitag 04.08.2017 um 19.00 Uhr