Richtet nicht!

Link zur Aufzeichnung des diesjährigen Adventsvortrag der vhs Paderborn mit dem Paderborner Tiefenpsychologen und Theologen Dr. Eugen Drewermann auf YouTube

© Stadt Paderborn

Die Aufzeichnung des Vortrags vom 5. Dezember 2021 in der Gesamtschule Elsen kann auf YouTube im Drewermann-Kanal entgeltfrei angesehen werden.

Die Freischaltung erfolgt
Donnerstag, 9. Dezember, um 20.00 Uhr.


© Stadt Paderborn

Die Einteilung in Gut und Böse schleppen wir mit aus alten Tagen und haben sie nie geändert. Das aber sollten wir, nicht nur im Sinne Jesu, sondern auch rein menschlich. Denn: Zum einen steht es uns, die wir selbst fehlbar sind, nicht zu, über die Fehler anderer zu Gericht zu sitzen. Zudem ist das Böse, das der andere tut, in aller Regel nur die Folge von dem, was wir ihm selber angetan haben. Die Täter sind und waren selbst Opfer und wir können sie nicht gut für das bestrafen, woran wir selbst Mitschuld tragen. Und dann bleibt zu bedenken, dass es nur eine Form wirklichen Umgangs mit dem Bösen gibt: es durch Verstehen aufzulösen und durch Zuwendung in Reifung der Persönlichkeit in der Vergangenheit als Fehler einzusehen und in die Zukunft hin zu erübrigen. Mit Abschreckung als Strafe, als Bedürfnis nach Vergeltung, drehen wir uns nur immer in demselben Teufelskreis.

Die Verlagsgruppe Patmos kündigt den 2. Band an mit den Worten: 

Eigentlich weiß es jeder: Fehlbare Menschen können nicht über die Fehler anderer zu Gericht sitzen. Ist wenigstens Gott gerecht? Gott sei Dank nicht! Der Kern der Botschaft Jesu lautet vielmehr: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern«. Wie gewinnen wir diese Einsicht im Rahmen unseres Strafsystems zurück?

Dazu untersucht Eugen Drewermann in diesem Band Vorstellungen des Strafrechts im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Im Mittelalter haben Papst und Kaiser aus »Gott« ein Mittel ihres Machterhalts gemacht, und beide scheiterten. Das Reich zerfiel in Fürstentümer und Nationalstaaten; die Kirche versuchte die Herrschaft über ihre Gläubigen durch Angst zu erhalten. Die Inquisition nötigte zu Denunziation, Folterverhör und Ketzerverbrennung; die Hexenfurcht, geboren aus der Angst vor Gott, dem Teufel und der eigenen Seele, hielt das Strafrecht auch der Staaten fest im Griff. Erst die Befreiung des Politischen aus den Händen der Kirche ermöglichte eine gewisse Humanisierung des Strafens.

Doch auch die Gerechtigkeit der staatlichen Gesetze wird uns Menschen nicht gerecht. Nur wenn wir die Gesetzlichkeit durch Güte überwinden, finden wir zu uns selbst zurück.