VW und Ford weiten Allianz auf E-Mobilität und autonomes Fahren aus

12.07.2019 Autobauer setzen auf Synergieeffekte in Zukunftsbereichen

© John MACDOUGALL, AFPVolkswagen und der US-Autobauer Ford weiten ihre Kooperation auf die Zukunftsbereiche Elektromobilität und autonomes Fahren aus. Damit wollen die beiden Autobauer Synergieeffekte nutzen.
Volkswagen und der US-Autobauer Ford weiten ihre Kooperation auf die Zukunftsbereiche Elektromobilität und autonomes Fahren aus. VW werde dazu insgesamt 2,6 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) in die Ford-Technologieplattform Argo AI investieren, teilten die Autobauer am Freitag in New York mit. Ford wird demnach außerdem die von VW entwickelte Plattform MEB zur Herstellung von Elektroautos nutzen.
Die beiden Bereiche Elektromobilität und selbstfahrende Autos gelten als Schlüsseltechnologien für die Zukunft der Branche, sind zugleich aber mit hohen Entwicklungskosten für die Konzerne verbunden. Mit der Ausweitung der Kooperation, die sich seit Anfang des Jahres bereits auf die gemeinsame Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen wie Pickups erstreckt, wollen die beiden Autobauer nun Synergieffekte erreichen.
Mit der Investition von Volkswagen steigt der Wert von Argo AI nach Angaben der beiden Autobauer auf mehr als sieben Milliarden Dollar. Argo AI ist auf Softwareplattformen für autonomes Fahren spezialisiert. Ford und Volkswagen sehen in Geschäftsfeldern rund um selbstfahrende Autos "erhebliches Potenzial für profitables Wachstum."
Zugleich sehen sich die klassischen Autobauer bei Roboterautos großer Konkurrenz gegenüber. Denn hierbei mischen auch US-Technologieunternehmen wie die Google-Schwester Waymo oder Uber mit. Die beiden Tech-Firmen wollen keine Autos bauen, sondern Betriebssysteme für selbstfahrende Autos liefern - laut Branchenexperten ein entscheidender Teil künftiger Mobilität.
Bei Elektromobilität hat Volkswagen die Plattform MEB entwickelt, mit der das Unternehmen den Standard für E-Autos setzen will. Künftig will Ford den Antriebsbaukasten für ein eigenes, rein batteriebetriebenes E-Auto nutzen. Ab 2023 soll das im deutschen Ford-Entwicklungszentrum in Köln entwickelte Fahrzeug auf den Markt kommen. Ford rechnet mit mehr als 600.000 verkauften Fahrzeugen innerhalb von sechs Jahren in Europa.
Die Zusammenarbeit der Autobauer sieht keine Kapitalverflechtung vor. Gesteuert werden soll die Allianz über ein gemeinsames Leitungsgremium, das von den beiden Konzernchefs Herbert Diess und Jim Hackett geleitet wird.
"Unsere Allianz mit Ford entwickelt sich immer vielversprechender", erklärte VW-Chef Diess. In Zukunft würden nun "immer mehr Kunden und auch die Umwelt von der wegweisenden E-Fahrzeug-Architektur" des VW-Konzerns profitieren.
Der modulare E-Antriebsbaukasten MEB "senkt die Entwicklungskosten für emissionsfreie Fahrzeuge und sie erlaubt uns eine noch umfangreichere und schnellere weltweite Verbreitung von E-Autos", erklärte Diess. "Das verbessert die Positionierung beider Unternehmen durch eine bessere Kapitaleffizienz, weiteres Wachstum und gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit."
VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch betonte die große Bedeutung der Kooperation. "So lassen sich die hohen Kosten für die Zukunftsthemen leichter stemmen", sagte er der "Braunschweiger Zeitung". Mit Blick auf die MEB- Plattform betonte er, durch die Öffnung für Dritte habe diese das Potenzial, "zum Industriestandard zu werden".
Die Zusammenarbeit mit dem US-Autobauer ist laut Pötsch nicht von der Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump getrieben, der mit Autozöllen droht. "Wir haben uns hier ausschließlich von der Sinnhaftigkeit der Kooperation leiten lassen", sagte er der Zeitung. Es gehe ausschließlich darum, bestimmte Märkte optimal zu bedienen.
Die beiden Autobauer folgen besonders im Bereich der Zukunftstechnologien einem Trend zur Zusammenarbeit. So kooperiert etwa Daimler bereits seit 2017 mit dem Zulieferer Bosch beim autonomen Fahren und neuerdings auch mit BMW. BMW wiederum arbeitet mit dem Chiphersteller Intel sowie mit dem Autobauer Fiat Chrysler zusammen, und US-Konkurrent General Motors hat sich mit dem japanischen Autokonzern Honda zusammengetan.

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