Neubau / Sanierung der Stadtverwaltung

Mit den Stimmen von CDU, SPD und Linksfraktion stimmte der Paderborner Rat am Donnerstagabend, 15. November, dem Neubau und der Sanierung der Paderborner Stadtverwaltung zu.

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Paderborner Rat stimmte mit deutlicher Mehrheit zu

Mit den Stimmen von CDU, SPD und Linksfraktion stimmte der Paderborner Rat am Donnerstagabend,  15. November, dem Neubau und der Sanierung der Paderborner Stadtverwaltung zu. Zuvor wurde ein Ratsbürgerentscheid zu diesem Thema, den FBI, FDP, Für Paderborn und LKR beantragt hatten und der die Zustimmung von Bündnis 90/Die Grünen fand, abgelehnt.
Damit soll der Siegerentwurf des Hochbaulich-Freiraumplanerischen Wettbewerbs Abdinghof umgesetzt werden. Den mit 45.000 Euro dotierten 1. Preis erhielt die behet bondzio lin architekten GmbH & Co.KG aus Münster mit der Planergruppe GmbH Oberhausen. Die Architekten überzeugten das Preisgericht mit einem modernen und zukunftsfähigen Entwurf, der sich auf überzeugende Weise mit den hohen städtebaulichen, freiraumplanerischen, architektonischen und funktionalen Ansprüchen des Areals und des Gebäudekomplexes auseinandersetzt. Dieses Projekt beinhaltet den Abriss des Gebäudes über den Arkaden am Abdinghof sowie des Gebäudes zum Marienplatz hin, deren vollständige Neukonzeption inklusive eines umfangreichen Bürgerservice-Angebotes und inklusive der Neugestaltung der dazugehörigen Plätze (Marienplatz, Franz-Stock-Platz sowie des derzeitigen Parkplatzes Am Abdinghof). Daneben sollen die Gebäude oberhalb des derzeitigen Abdinghof-Parkplatzes sowie zur Abdinghofkirche hin saniert werden, diese Maßnahme war allerdings nicht Bestandteil des Wettbewerbs. Mit einer Fertigstellung des Komplexes im Herzen der Stadt wird im Jahre 2024 gerechnet.
„Wir wollen mit der Umsetzung dieser anspruchsvollen Planung den nächsten großen Schritt zur Entwicklung eines neuen Quartiers im Herzen der Stadt machen“, sieht Bürgermeister Michael Dreier große Chancen für eine deutliche Aufwertung dieses Bereiches. Der Standort der Stadtverwaltung sei durch seine Nähe zu prägnanten historischen Orten, wie dem westlichen Paderquellgebiet als Gartendenkmal, der Abdinghofkirche und dem Rathaus, eine spannende Herausforderung für den Städtebau. Zudem stelle das neue Quartier mit den Plätzen Marienplatz, Vorplatz Am Abdinghof und dem Franz-Stock-Platz als eingetragenes Denkmal einen Lückenschluss zu den neugestalteten Königsplätzen, dem Dom- und Marktplatz und dem Paderquellgebiet dar. „Wir werden der Innenstadt an dieser Stelle ein neues Gesicht geben“, ist sich Michael Dreier sicher.
Doch nicht nur außen soll die Planung überzeugen, sondern insbesondere auch durch die Nutzung als ein moderner Bürgerservice, der im Zeitalter der Digitalisierung Verwaltungsdienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger optimal zur Verfügung stellen soll. „Der Bürgerservice mit einem zentralen Eingang vom Marienplatz soll das Herz der neuen Verwaltung sein, in dem mehr als bisher vieles gebündelt wird, was wir anbieten, und in dem man so auf kurzem Wege gleich neben der Haupteinkaufsstraße problemlos in die Verwaltung findet“, so der Bürgermeister, der dadurch die Paderborner Stadtverwaltung noch bürgerfreundlicher und serviceorientierter machen möchte.
Die Bruttokosten für die Realisierung der gesamten Baumaßnahme werden nach jetzigem Stand insgesamt etwa 69,5 Millionen Euro betragen. Dabei entfallen unter anderem auf den Neubau des Bürgerservice 44,5 Millionen Euro, die Abrisskosten 1,1 Millionen Euro, die Sanierung der Gebäude oberhalb des derzeitigen Abdinghof-Parkplatzes und des Gebäudes zur Abdinghofkirche hin 13 Millionen sowie für die Umgestaltung des Marienplatzes 2,7 Millionen Euro, des Franz-Stock-Platzes 1,6 Millionen und des derzeitigen Parkplatzes Am Abdinghof 2,3 Millionen Euro.
Um für diese Baumaßnahmen entsprechende Förderungen vom Land zu bekommen, sind sie Hauptbestandteil des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Innenstadt (ISEK) mit oberster Priorität.
Der jetzige Entscheidung für den Neubau und die Sanierung der Stadtverwaltung Am Abdinghof hat eine lange Geschichte. Diskutiert worden war 2011 die Unterbringung der Stadtverwaltung an der Florianstraße. Diese Variante hat 79,5 Millionen Euro gekostet, eine Tiefgarage für 13 Millionen Euro eingerechnet. Wenn man Preissteigerungen von zwei Prozent pro Jahr seit 2011 unterstellt, kommt man heute auf Kosten von 92 Millionen. 2014 waren Standortalternativen in der Alanbrooke-Kaserne zusammen mit Teilen der Stadtverwaltung Am Abdinghof (Bereich zur Abdinghofkirche und zum Parkplatz) mit hochgerechneten Kosten von 86,5 Millionen Euro diskutiert worden. Die jetzt geplante Unterbringung der Paderborner Stadtverwaltung Am Abdinghof und am Hoppenhof würde insgesamt 87 Millionen Euro betragen. Das sind die zum Zeitpunkt der geplanten Fertigstellung im Jahre 2024 hochgerechneten Kosten.


Wettbewerb


Am Donnerstag, 19.04.2018, tagte das unabhängige Preisgericht zum Wettbewerb um den Rathausneubau der Stadt Paderborn. Aus den neun eingereichten Arbeiten der 2. Wettbewerbsphase wurden drei Preisträger und zwei Anerkennungen gekürt, welche sich sowohl aus regionalen Vertretern der Architekten/Landschaftsarchitekten (Paderborn, Soest, Münster) als auch weiter entfernten Büros (Berlin) zusammensetzen. Die Stadt Paderborn hat beschlossen, die Unterbringung der Stadtverwaltung neu zu organisieren. Neben einem Verwaltungsbereich „Am Hoppenhof“ soll ein Neubau „Am Abdinghof“ in Verbindung mit den dort vorhandenen Bestandsgebäuden das breite Angebot der Stadt aufnehmen. Um den besten Entwurf für die Unterbringung der 11.500 m² Geschossfläche zu finden, wurde ein offener Wettbewerb ausgelobt.

© behet bondzio lin architekten und Planergruppe Oberhausen1. Preis „behet bondzio lin architekten“ und „Planergruppe Oberhausen“

In einer ganztägigen Sitzung wählten Vertreter der Stadt Paderborn und der Politik mit der Unterstützung von insgesamt acht externen Architekten die prämierten Arbeiten aus. Die Preisgerichtssitzung bildete den krönenden Abschluss des bereits seit September 2017 laufenden Wettbewerbsverfahrens. Die fast einstimmige Entscheidung für den 1. Preis zeigt deutlich, wie sehr die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft aus dem Architekturbüro „behet bondzio lin architekten GmbH & Co.KG“ aus Münster gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten „Planergruppe GmbH Oberhausen“ aus Oberhausen überzeugen konnte.

So heißt es auch im Beurteilungstext: „Die Verfasser überraschen durch eine städtebaulich ungewöhnliche und geschickt Antwort: Höhenstaffelung sowie Vor- und Rücksprünge nehmen die angrenzenden Traufhöhen auf, betonen die Eingangssituation, lösen das Bauvolumen geschickt auf und stellen eine selbstbewusste Geste zum Marienplatz dar.“ Die Arbeit des 1. Preisträgers kann neben den städtebaulichen Aspekten vor allem auch durch ihre offene Innenraumgestaltung und die flexibel Nutzbaren Grundrissflächen überzeugen.

© behet bondzio lin architekten und Planergruppe Oberhausen1. Preis: Grundrisse

Der 2. Preis wurde an eine lokale Bürogemeinschaft vergeben: „Matern Architekten BDA mit Haug Schmidtler Architekten“ aus Paderborn mit dem Landschaftsarchitekten „helleckes landschaftsarchitektur“ aus Karlsruhe.

© Matern Architekten, Haug Schmidtler Architekten und helleckes landschaftsarchitektur2. Preis: "Matern Architekten", "Haug Schmidtler Architekten“ und „helleckes landschaftsarchitektur“

Die einstimmige Auszeichnung des Entwurfs durch das Preisgericht als 2. Preis wird im Beurteilungstext wie folgt begründet: „Der Entwurfsverfasser entwickelt einen klar strukturierten, großmaßstäblichen und städtischen Baukörper, der den Straßenraum klärend nachzeichnet und schließt. Eine rhythmisch gegliederte Lochfassade und das Mansarddach mit seinen strukturierenden Gauben geben dem Gebäude ein ansprechendes und ortstypisches Gesicht zum angrenzenden Stadtraum.“

Der 3. Preis zeigt, dass das Projekt durchaus auch im deutschlandweiten Raum auf Interesse gestoßen ist. Dieser wurde an den Architekten „BOLWIN / WULF Architekten Partnerschaft mbB“ mit dem Landschaftsarchitekten „POLA Landschaftsarchitekten“, beide aus Berlin, vergeben.

© BOLWIN/WULF Architekten Partnerschaft und POLA Landschaftsarchitekten3. Preis: „BOLWIN/WULF Architekten Partnerschaft“ und „POLA Landschaftsarchitekten“

Der Entwurf zeigt einen in der Höhe gestaffelten Baukörper, der in der Jury vor allem durch seine Aufnahme der historischen Grenze der Immunitätsmauer und die erfolgte Teilung des Baukörpers in zwei Abschnitte an eben dieser Stelle auf besonderes Interesse gestoßen ist.

Neben den drei Preisen wurden zwei Anerkennungen vergeben für Arbeiten, die sich in bestimmten Aspekten besonders auszeichnen: Die Büros „Grüttner Architekten“ mit dem Freiraumplaner „B.S.L. Landschaftsarchitekten“ aus Soest konnten genauso wie das Team aus „Ellertmann.Piehl.Schmitz Architekten“ aus Münster mit dem Landschaftsarchitekten Thomas Düllberg aus Werne in einzelnen Bereichen ihrer Entwürfe besonders überzeugen.

© Ellertmann.Piehl.Schmitz Architekten und Thomas DüllbergAnerkennung: „Ellertmann.Piehl.Schmitz Architekten“ und "Thomas Düllberg"

Bereits im September 2017 wurde der Wettbewerb im Amtsblatt der Europäischen Union bekanntgemacht und somit als Offener Wettbewerb für alle Interessierten Teams aus Architekten und Landschaftsarchitekten gestartet. Bis November 2017 gingen insgesamt elf Arbeiten ein, die in einer ersten Preisgerichtssitzung kurz vor Weihnachten bewertet wurden. Neun Teilnehmer wurden im Januar zur Teilnahme an der zweiten Wettbewerbsphase aufgefordert und reichten ihre Entwürfe bis März 2018 ein. Die Jurysitzung in der vergangenen Woche bildet jedoch noch nicht den Abschluss des Vergabeverfahrens. In einem sich nun anschließenden Verhandlungsverfahren werden die drei Preisträger aufgefordert, konkrete Angebote auch in Bezug auf Honorar und den Umgang mit Anforderungen an Kosten, Termine und Qualitäten abzugeben. Diese Angebote werden in einem Verhandlungstermin mit den Bietern diskutiert, um möglichst bis Ende Juni eine Entscheidung für einen Bestbieter und somit den zu beauftragenden Architekten und Landschaftsarchitekten zu fällen. Alle Wettbewerbsarbeiten werden noch bis zum 11. Mai 2018 im Einwohnermeldeamt der Stadt Paderborn präsentiert.

© Grüttner Architekten und B.S.L. LandschaftsarchitektenAnerkennung: „Grüttner Architekten“ und „B.S.L. Landschaftsarchitekten“