2. Preis

Den zweiten Preis erhalten „Matern Architekten BDA mit Haug Schmidtler Architekten“ aus Paderborn mit dem Landschaftsarchitekten „helleckes landschaftsarchitektur“ aus Karlsruhe.

© Matern Architekten, Haug Schmidtler Architekten und helleckes landschaftsarchitektur2. Preis

Würdigung der Jury

Der Entwurfsverfasser entwickelt einen klar strukturierten, großmaßstäblichen und städtischen Baukörper, der den Straßenraum klärend nachzeichnet und schließt. Die Einbindung in das städtische Gefüge gelingt durch die Übernahme bestehender Trauflinien und Firsthöhen. Eine rhythmisch gegliederte Lochfassade und das oberhalb des ersten Dachgeschosses abgeflachte Satteldach mit seinen strukturierenden Gauben geben dem Gebäude ein ansprechendes und ortstypisches Gesicht zum angrenzenden Stadtraum. Der Umgang mit den Höhenentwicklungen gelingt leicht und scheinbar selbstverständlich. Der Haupteingang am Marienplatz wird nach Westen bzw. nach unten verlegt. Die Erschließungssituation an der Gebäudeecke zum Abdinghof wird entschärft. Es gelingt so eine durchgängige Ebene im Erdgeschoss vom Marienplatz bis zum Abdinghof zu entwickeln, welche dem Inneren und Äußeren des Hauses zu Gute kommt. Positiv bewertet die Jury die Platzierung des zweiten Haupteingangs in der Flanke des Baukörpers an der Straße Am Abdinghof. Der Neubau wird vom Verwaltungstrakt am Abdinghof abgelöst und zeigt dort eine selbstbewusste Präsenz und eigenständige Struktur. Die Belebung der Erdgeschosszone zur Straße Am Abdinghof durch Ausbildung eines Hochparterres wird positiv bewertet. Die innere Struktur des Baukörpers ist nicht mit der gleichen Qualität wie der Außenraum entwickelt. Auch wird die Fassadenausbildung in Erd- und Obergeschoss kritisch bewertet. Die Arbeit lässt aufgrund der angemessenen BGF und der Fassadenkonstruktion eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. Flächendefizite vor allem im Bereich des Bürgerservices werden im Bestandsgebäude ausgeglichen, sodass insgesamt eine Unterbringung des Raumprogramms zu erwarten ist. Durch die gewählte Höhenlage des Haupteingangs zum neuen Rathaus schaffen die Verfasser eine einladende und außerordentlich selbstverständliche Verbindung zwischen Gebäude und vorgelagertem Marienplatz. Die eigentliche Platzgestaltung geht angemessen und respektvoll mit historisch-spiritueller Bedeutung des Ortes um und entwickelt mit einer neuen Treppenanlage und einem lockerenBaumhain einen offenen, robusten Stadtraum mit vielen Nutzungsoptionen. Die bewahrende Bearbeitung des Franz-Stock-Platzes wird anerkannt, die Ausbildung des Abdinghofes als Stadtbalkon und als gebautes Entree für das tieferliegende Paderquellgebiet als richtig empfunden. In Verbindung mit den Gebäuden besteht hier die Chance auf Wiederbelebung des Freiraums. So sehr sich der klassisch anmutende Baukörper auch in den Stadtraum einfügt, so sehr wird der Mut zu zeitgenössischem architektonischem Ausdruck vermisst. Insgesamt handelt es sich um eine gelungene Arbeit.

© Matern Architekten, Haug Schmidtler Architekten und helleckes landschaftsarchitekturPlandarstellung