1. Preis

Den ersten Preis erhalten „behet bondzio lin architekten“ und die „Planergruppe Oberhausen“.

© behet bondzio lin architekten und Planergruppe Oberhausen1. Preis

Würdigung der Jury

Die Verfasser überraschen durch eine städtebaulich ungewöhnliche und geschickte Antwort: Höhenstaffelung sowie Vor- und Rücksprünge nehmen die angrenzenden Traufhöhen auf, betonen die Eingangssituation, lösen das Bauvolumen geschickt auf und stellen eine selbstbewusste Geste zum Marienplatz dar. Ob die symmetrische Höhenstaffelung richtig und die Höhe nicht zu gering ist, wird kontrovers diskutiert. Die Architektursprache und Materialität – klassisch-modern, aber nicht modernistisch – vermitteln Wertigkeit und Beständigkeit. Kontrastierend zur seriellen Fassadengestaltung überrascht die innenräumliche Qualität mit vielfältigen Blickbeziehungen über Geschosse hinweg, zweigeschossigen Nutzflächen, Lichthöfen und großzügigen Treppenanlagen als Zeichen einer transparenten, kommunikationsfördernden und bürgernahen Verwaltung. Die beiden Zugangsebenen präsentieren sich richtigerweise mit öffentlichen Nutzungen durchgängig nach außen zum Straßenraum. Die Grundrissfigur erleichtert die Orientierung für Besucher, wenngleich die vertikalen Erschließungen noch nicht ausreichend prägnant platziert erscheinen. Die Grundrissstrukturen der Regelgeschosse lassen hohe Arbeitsplatzqualitäten erwarten und sind sinnvoll an den Bestand angebunden. Im Hinblick auf sich verändernde Arbeitswelten erscheinen sie hoch flexibel. Die Arbeitsplatzqualität der Schalterhalle erscheint aufgrund der offenen Gestaltung und daraus resultierenden raumakustischen Problemen noch nicht nachgewiesen. Die wirtschaftlichen Kenndaten der Arbeit liegen im positiven Bereich und lassen eine wirtschaftliche Erstellung des Baukörpers erwarten. Die Verfasser haben bei der Gestaltung der Außenräume die besonderen Anforderungen des Ortes verstanden und in ein auf die Gegebenheiten abgestimmtes Konzept übersetzt. Der Platzraum am Abdinghof ist durch die neue Treppenrampe schlüssig an den Franz- Stock-Platz angebunden, der Platz selbst wird denkmalgerecht saniert. Die vorgeschlagene Topografie im Bereich des Marienplatzes transloziert die bedeutende Mariensäule leider auf eine neue mittlere Ebene. Vor dem mächtigen Rathaus bleibt leider eine unglücklich angeschnittene Treppe. Der Platz antwortet nicht angemessen auf das Rathaus. Die Gestaltung und Möblierung des Platzes selbst wird als zu viel angesehen und bedarf der Vereinfachung durch Reduktion. Insgesamt handelt es sich um eine Arbeit, die eine moderne und bürgernahe Stadtverwaltung hervorragend verkörpern kann.

© behet bondzio lin architekten und Planergruppe OberhausenPlandarstellung