Kalkmagerrasen

Kalkmagerrasen entstanden durch althergebrachten Landnutzungsformen wie Mahd oder Beweidung. Dadurch entstanden neue Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren, die es in der unberührten Naturlandschaft nicht gab.

Kalkmagerrasen verdanken ihre Entstehung unterschiedlichen, zum Teil althergebrachten Landnutzungsformen. Jahrhundertelange extensive Bewirtschaftung durch den Menschen – sei es durch Mahd oder Beweidung – ließen neue Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren entstehen, die es in der unberührten Naturlandschaft nicht gab.

© Stadt PaderbornKalkmagerrasen im Paderborner Stadtgebiet

Diese Kalkmagerrasenflächen sind in unseren Breiten auf steile Süd- und Südwestabhänge beschränkt, die sich überwiegend im Ellerbachtal, im Gottebachtal und im Krummen Grund befinden. Ursprünglich waren diese Flächen von wärmeliebenden Rotbuchenwäldern bedeckt.

Seit dem frühen Mittelalter trieb der Mensch Schweine, Schafe, Ziegen, später auch Rinder in diese Wälder. Das Weidevieh verbiss die aufkommenden Gehölze, der Mensch fällte Bäume als Brenn- und Bauholz. In den aufgelichteten Wäldern konnten sich im Laufe der Zeit licht- und wärmeliebende Pflanzen und Tiere ausbreiten. Manche von ihnen wanderten aus dem Mittelmeerraum und den Steppen Südosteuropas ein.                                                                                                                                                                        

© Stadt PaderbornStengellose Kratzdistel

An die Beweidung, insbesondere den Verbiss und Tritt der Weidetiere, sind viele Pflanzen der Kalkmagerrasen angepasst. Dornige, stachelige oder schlecht schmeckende Pflanzen sind oft stark vertreten. Sie werden nicht gern gefressen und haben somit gegenüber anderen Pflanzen einen Konkurrenzvorteil. Teilweise ging man später auch dazu über, die entstandenen offenen Rasenflächen zu mähen, um für die sich vergrößernden Viehherden Winterfutter zu gewinnen.

Trotz der regelmäßigen Nutzung wurden diese Weide- und Mähflächen nie gedüngt. Düngemittel waren knapp und kamen praktisch ausschließlich dem Acker- und Gartenland zu gute. Nach und nach verarmten daher manche Böden an Nährstoffen und brachten dann nur geringe Erträge.               

Wertvolle Lebensräume

© NZO-GmbHKalkmagerrasen inmitten einer gedüngten Fettweide

Der Begriff „Magerrasen“ deutet auf das im Vergleich zu den gedüngten Flächen geringere Pflanzenwachstum hin. Eine lockere, vielfach sogar lückige Vegetation aus Gräsern und niedrig wachsenden Kräutern sowie Zwergsträuchern hebt sich im Frühjahr und Sommer deutlich vom saftigen Grün der gedüngten Fettwiesen und -weiden ab. Oft beleben einzelne Gebüsche, Gebüschgruppen und Einzelbäume das Bild.        

Wegen der eingeschränkten Nutzbarkeit wurden die Magerrasen in der Vergangenheit als „Ödland“ oder gar als „Unland“ bezeichnet. Aus der Sicht des Naturschutzes stellen sie jedoch ökologisch bedeutsame Lebensräume dar.

© Stadt PaderbornSalbei-Glatthaferwiese

So entstanden je nach Nutzungsform (Mahd oder Beweidung) und Bodenfeuchte verschiedene Ausprägungen von Magerrasen auf Kalkboden, zum Beispiel im Bereich von Paderborn Salbei-Glatthaferwiesen (durch Mahd und geringe Düngung), Enzian-Schillergrasrasen (durch Beweidung ohne Düngung) und Trespen-Halbtrockenrasen (durch Mahd ohne Düngung).

Daneben existieren weitere Formen auf kalkfreien Böden.

Download Broschüre

Weitergehende Informationen über den Kalkmagerrasen finden Sie in folgender Broschüre: