Obstwiesen - Natur aus Menschenhand

Seit Jahrhunderten gehören Obstwiesen zu den prägenden Elementen unserer Kulturlandschaft

Seit Jahrhunderten gehören Obstwiesen zu den prägenden Elementen unserer Kulturlandschaft und sind Teil des Landschaftsbildes. Über lange Zeit diente der Erhalt der Obstbäume der Selbstversorgung. Heute wird vor allem die ökologische Bedeutung und damit die Schutzwürdigkeit von Obstwiesen erkannt. 

Durch landwirtschaftlichen  Strukturwandel, Expansion von Städten und Gemeinden und den Ausbau von Verkehrswegen hat der Obstbaumbestand in unserem Land so stark abgenommen.

Die Obstwiese

Bemessen am erzielten Ertrag hat der herkömmliche Obstbau jegliche wirtschaftliche Bedeutung verloren. Wer jedoch alle, nicht in Geld zu erfassende Werte der Obstwiesen berücksichtigt, erkennt, dass sich ihr Erhalt lohnt.

© Stadt PaderbornObstwiese als Kulturlandschaft

Landschaftsbild

Obstbaumgürtel binden Siedlungen harmonisch in die Landschaft ein und besitzen einen ausgleichenden Einfluss auf das örtliche Klima. Die vom Schatten der Bäume ausgehende „Wohlfahrtswirkung“ ist besonders an heißen Sommertagen spürbar.

Gesundheit

Mit dem Anbau und der Vermarktung ungespritzten Obstes wird ein wichtiger Beitrag zur gesunden Ernährung geleistet. Für die Produktion von hochwertigen Obstsäften sind die Früchte der Obstwiesen besonders gut geeignet. Besonders Wichtig hierfür ist die Sortenvielfalt des geernteten Obstes.

© Rolf BehlertSchmetterling (großer Admiral) werden durch das Fallobst angelockt

Ökologische Bedeutung

Der stockwerkartig Obstbaum bietet Lebensstätten für bis zu 3000 verschiedene Lebewesen. Die Baumhöhlen alter Obstwiesen bieten Vogelarten wie Steinkauz oder Grünspecht und Säugetieren wie Gartenschläfer oder Fledermaus Raum zum nisten oder überwintern. Das reichhaltige Blütenangebot dient als Bienenweide. Andererseits die Bestäubung der Blüten durch Bienen eine wesentliche Voraussetzung für eine reiche Ernte.          

Ein Biotop auf der Roten Liste

Mit fortschreitender Modernisierung im Obstbau in Form von Obstplantagen mit Zwergbäumen oder Buschobst begann der endgültige Niedergang der Ostwiesen. 

© Stadt PaderbornFällung der Bäume für Bebauungsfläche

Durch den fehlenden wirtschaftlichen Anreiz bleiben Pflege- und Erhaltungsschnitte an den Bäumen häufig aus. Nachpflanzungen werden nicht mehr durchgeführt. Zusätzlich gehen viele Obstwiesen in Ortsrandlage durch die Ausweitung von Bebauungsflächen verloren.

Als Folge daraus wurde dieser Lebensraum in die „Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen in Nordrhein-Westfalen“ aufgenommen.

Zum Schutz dieser Biotope werden vom Land NRW die Pflege und Unterhaltung bestehender Obstbaumbestände, sowie die Neupflanzung finanziell gefördert. Auch Städte, Gemeinden, Naturschutz- und Heimatvereine, Biologische Stationen sowie Verbände von Landwirtschaft und Gartenbau setzen sich für den Schutz der Obstwiesen ein. Die Stadt Paderborn z.B. legte Obstwiesen in Siedlungsnähe im Rahmen von gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen für bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft neu an.

Erhalt und Anlage einer Obstwiese

© Stadt PaderbornNeu gepflanzte Obstbäume auf einem Acker

Bei einem Obstbaum handelt es sich um eine Kulturpflanze. Er entwickelt sich als züchterisch bearbeitete, veredelte Sorte auf einer geeigneten Unterlage. Typisch für schutzwürdige Obstwiesen sind starkwüchsige, robuste Sorten auf Hochstämmen die ein Alter von 80 bis 120 Jahren erreichen können. Birnbäume werden sogar bis zu 300 Jahre alt.

Wichtig für einen gesunden und langlebigen Wuchs der Bäume ist die Sortenwahl. Entsprechend der Beschaffenheit des Standortes sollten bei Ersatzpflanzungen oder Neuanlage von Obstwiesen anspruchslose, robuste Obstarten bevorzugt werden. Sie sind besonders widerstandsfähig gegen Krankheiten und verlangen nur einen relativ geringen Pflegeaufwand.                            

Sortenvielfalt

© Stadt Paderbornfrisch geerntete Äpfel der Sorte Jakob Lebel

Bei der Auswahl der Sorten helfen die Erfahrungen älterer Generationen. Gerade alte Lokalsorten kommen mit den örtlichen Boden- und Klimaverhältnissen am besten zurecht. Leider geht dieses Wissen mit dem Rückgang der Obstwiesen zunehmend verloren.

Neben dem Naturschutzgedanken, haben Obstbaumbestände mit alten, lokalen Sorten auch eine kulturhistorische Bedeutung. Mittlerweile führen auch viele Baumschulen alte, z. T. lokale Apfel- und Birnensorten wieder in ihrem Sortiment.

Alte bewährte Obstsorten

Zu den fast vergessenen Lokalsorten im Raum Paderborn, gehören u. a. folgende Apfelsorten:
Bürener Zitronenapfel, Wünnenberger Zuckerapfel, Schöner von Oesdorf, Schöner aus Buke, Geseker Klosterapfel und Schöner aus Wiedenbrück.

Zu den bewährten, alten Obstsorten, die auch für Pflanzungen in Höhenlagen geeignet sind, gehören:

Äpfel: Jakob Lebel, Rote Sternrenette, Geflammter Kardinal, Boskoop, Jakob Fischer, Dülmener Rosenapfel, Luxemburger Renette.

Birnen: Gute Luise, Gellerts Butterbirne, Conference, Neue Poiteau, Gute Graue, Speckbirne.

Zwetschen: Hauszwetsche, Wangenheims Frühzwetsche.

Kirschen: Hedelfinger Riesenkirsche, Schneiders Späte Knorpelkirsche.

Was Paderborn tut...

Die Stadt Paderborn legt seit 1992 vermehrt Obstwiesen neu an. In Ausnahmefällen werden auch bestehende Obstwiesen angekauft und durch Ergänzungs- und Nachpflanzungen erhalten. Hinzu kommen Neu- und Nachpflanzungen an Wirtschaftswegen. Das reife Obst wird den Bürgerinnen und Bürgern alljährlich zur Ernte freigegeben.

Diese Maßnahmen allein reichen jedoch nicht aus. Ein Großteil der bestehenden Obstwiesen befindet sich in Privathand. Beim Erhalt der Obstwiesen kommt es daher insbesondere auf das Bürger-Engagement und die Mithilfe der Grundeigentümer an.

Jeder einzelne kann:

  • durch sein Verbraucherverhalten zur Aufwertung von Obstwiesen beitragen, indem er ökologisch angebautes Obst und Obstprodukte aus der Region bevorzugt und z. B. Apfelsaft von Streuobstwiesen kauft,
  • als Grundeigentümer oder Pächter Obstwiesen durch Pflege und Nutzung zur Selbstversorgung oder zur Direktvermarktung erhalten,
  • in seinem eigenen Garten, sofern genügend Fläche zur Verfügung steht, einen Hochstamm-Obstbaum pflanzen und die Vielseitigkeit des Obstes, kennenlernen.

Ansprechpartner und Kontakt

Amt für Umweltschutz und Grünflächen

Pontanusstraße 55
33102 Paderborn

Herr Moritz
Biologe
Tel: 05251 - 88 1863
g.moritzPaderbornde

Download Broschüre

Weitergehende Informationen über Streuobstwiesen finden Sie in folgender Broschüre: