Lieblingsobjekte

An einige Ausstellungen erinnern wir uns besonders gern und alle Mitarbeiter*innen des Museums haben Objekte, die ihnen besonders am Herzen liegen. Lesen Sie hier ihre Geschichten und lernen Sie das Team der Städtischen Museen und Galerien kennen.

Wo Eulen und Käuze sich gute Nacht sagen...

© Sven MeckeUhu
© Sven MeckeSteinkauz

Unsere Eulen blicken momentan einsam in ein besucherleeres Naturkundemuseum.

Eulen sind die Lieblingsvögel von Dr. Sven Mecke, dem Leiter des Museums. Am frühen Abend kann man aber auch – mit etwas Glück – Käuze im Schlosspark nahe des Naturkundemuseums beobachten oder zumindest ihren Rufen lauschen. Der Uhu, der bei uns im Paderborner Land ausgerottet worden war, ist durch die Auswilderung von Tieren erfreulicherweise wieder auf dem Vormarsch. Schauen Sie sich mal die orange leuchtenden Augen unseres Uhus an!

Dr. Andrea Brockmann über das Bild "Verschlungener Weg zu Häusern" von Elfriede Lohse-Wächtler

© Stadt PaderbornAbb.: Elfriede Lohse-Wächtler: Verschlungener Weg zu Häusern, 1920, Lithografie, Blattmaß: 20,5 x 22 cm; Bildmaß: 15,5 x 17,5 cm, Inventarnummer G 1989-257

Im ersten Beitrag der Lieblingsobjekte stellt uns die Leiterin der Städtischen Museen und Galerien Paderborn Dr. Andrea Brockmann ein Werk aus unserer Sammlung vor, das ihr besonders am Herzen liegt.

Es handelt sich um die Lithografie „Verschlungener Weg zu Häusern“ aus dem Jahr 1920 von Elfriede Lohse-Wächtler :

„In dieser kleinen Grafik scheint die Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler ihr Leben und ihr Schicksal vorausgesehen zu haben: ein geschwungener Weg, hohe, wehrhafte Häuser im Abseits, das Th...ema Tod. Die Betrachtung erschüttert, wenn man ihre Geschichte kennt.

1899 geboren studierte sie an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Eine akademische Ausbildung zur Malerin war ihr als Frau verwehrt. Ihr künstlerisches Schaffen wurde in ihren frühen Jahren durch ihre Verbindung zur „Dresdner Sezession 1919“ um Otto Dix, Conrad Felixmüller und Pol Cassel geprägt. 1921 heiratete sie den Opernsänger Kurt Lohse. 1926 kam es zur Trennung. Danach lebte Elfriede Lohse-Wächtler unter ärmlichen Bedingungen, bis sie einen Nervenzusammenbruch erlitt und in die Staatskrankenanstalt Hamburg-Friedrichsberg eingewiesen wurde. Dort schuf sie die Porträt-Reihe der „Friedrichsberger Köpfe“, die eindrucksvoll im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ das Leben und den Alltag einer psychiatrischen Klinik festhielten. Die Blätter wurden 1929 in erfolgreichen Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen von der Kunstkritik enthusiastisch gefeiert.

Zurück in Dresden wurde sie 1932 zur psychiatrischen Behandlung in die Landesanstalt Arnsdorf eingewiesen und 1935 zwangssterilisiert. Als arbeitsunfähige und chronisch kranke Patientin fiel sie in das Raster der 1940 einsetzenden zentralen Krankenmorde, der so genannten "Aktion T4". Die Klinik in Arnsdorf war im Sommer 1940 zur Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein geworden. Am 31. Juli erfolgte der vierte Transport von Patienten aus Arnsdorf nach Pirna. Unter den 33 Männern und 53 Frauen befand sich auch Elfriede Lohse-Wächtler. Vermutlich noch am selben Tag wurde sie dort in der Gaskammer ermordet.

Für mich ist das Schicksal dieser Künstlerin eine bewegende Aufforderung, das Leben und Schaffen von Künstlerinnen zu entdecken, zu erforschen, zu vermitteln, als Kuratorin in Ausstellungen bekannt zu machen und in den öffentlichen Diskurs zu bringen.“

Saskia Holsträter über ”The Garden in Istanbul” von Seet van Hout

© Stadt PaderbornAbb.: Seet van Hout: ”The Garden in Istanbul”, 2012, Acrylic and embroidery on canvas, 100cm x 300 cm, Foto: Seet van Hout, http://www.seetvanhout.com/

Zu dem Bild „The Garden in Istanbul” der niederländischen Künstlerin Seet van Hout habe ich eine besondere Beziehung, da „Building the Garden“ im Jahr 2019 die erste Ausstellung war, die ich in der Städtischen Galerie in der Reithalle gesehen habe. Zudem war dies, nach der Renovierung, die erste Präsentation einer zeitgenössischen Künstlerin an diesem ...Ort. Fast schon bin ich geneigt, die Ausstellung als gutes Omen für mich zu betrachten – einerseits weil ich die Niederlande und die niederländische Sprache schon immer sehr geliebt habe und andererseits, weil sich seitdem in meinem Leben viele neue Begegnungen und glückliche Fügungen ereignet haben, die nun dazu geführt haben, dass ich ab April mit Beginn des Volontariats wieder einen ganz neuen Lebensabschnitt betrete, für den ich sehr dankbar bin und auf den ich mich sehr freue.Das Bild symbolisiert für mich demnach einen Neuanfang. Im Garten verbinden sich Neuanfänge und Abschiede, Wachstum und Vergehen. Ein Garten zeigt alle Gegensätze des Lebens und gleichzeitig die erst dadurch erreichbare Vollständigkeit des Naturkreislaufs.
Auf den ersten Blick erscheint das Gemälde „The Garden of Istanbul“ zweigeteilt: filigrane, naturalistische Linien auf der einen und üppige, alles überfließende Farbflächen auf der anderen Seite. Dunkle Bereiche wechseln sich ab mit hellen „Durchblicken“. Hier verschwindet etwas und dort entsteht bereits etwas Neues. Gegensätze finden sich auch in den eingesetzten Komplementärkontrasten Rot-Grün, Gelb-Violett, Blau-Orange. Eine Rasterstruktur im Hintergrund hält alle Elemente als verbindendes, grafisches Element zusammen und verweist damit möglicherweise wiederum auf den Gegensatz des von Menschenhand angelegten, strukturierten Gartens und der ungeordnet und unkontrollierbar wuchernden Natur.
Seet van Hout arbeitet mit diesem Wechselspiel aus Kontrolle und Zufall, Abstraktion und Gegenständlichkeit in ihren Motiven und ebenso in ihrer Technik. Linien und Flächen, gemalt, gezeichnet und gestickt, fügen sich in vielen Schichten zu einem Bildraum, der uns eintauchen lässt in Erinnerungen und Eindrücke der Künstlerin, die sie auf Reisen oder in ihrem eigenen Garten gesammelt hat. Ihr Werk zeigt das Nebeneinander von Erinnerung und Gegenwart, von Melancholie und Freude, Abschied und Begrüßung.

Roland Knirr über "Eisenbahnbrücke bei Nacht. Norwegische Erzverladestation" von Adolf Odenthal

© Stadt PaderbornAdolf Odenthal, Eisenbahnbrücke bei Nacht. Norwegische Erzverladestation im Winter, 1936

Das Gemälde „Norwegische Erzverladestation“ von Adolf Odenthal zeigt ein Szenario industrieller Betriebsamkeit selbst bei Nacht.
Personen dirigieren Güterzüge am Bahngleis, von dem aus der Bodenschatz, das Erz der Berge, verladen wird. Ein großes Frachtschiff wartet auf seine Beladung, während sich Arbeiter an der Konstruktion der Eisenbahnbrücke mit Schweißgeräten betätigen.
Dieses geschäftige Treiben wird überstrahlt von dem einzigen natürlichen Licht, dem des Mondes. Es schimmert hinter Wolken hervor, die sich hinter dem unerreichbar scheinenden Felsgebirge auftürmen, so dass eine mystisch-romantische Sphäre die von dem Menschen geprägte, nüchtern-reale Ebene überlagert.
Die Naturkräfte wirken allmächtig, so dass des Menschen Handwerk in Anbetracht der gewaltigen Natur relativiert, ja marginalisiert erscheint.Der Maler Adolf Odenthal war in den 30er Jahren Meisterschüler von Franz Radziwill an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die ästhetischen Vorlieben seines Lehrers versteht es Odenthal in seine ihm eigene Bildsprache umzusetzen. Mit stilistischen Mitteln der Neuen Sachlichkeit arbeitet Odenthal, um eine Atmosphäre zu schaffen, die die magische Dimension im Realen heraushebt und Realität als nicht allein durch den Menschen beherrschbar erscheinen lässt.

Auf der Rückseite des auf Holz gemalten Gemäldes notierte der Künstler: "Bestimmt für die Ausstellung `Kunst und Technik´ 1936“ und könnte speziell für die Weltausstellung in Paris 1937 gemalt gewesen sein, die eine Sonderausstellung „Kunst und Technik im modernen Leben“ zeigte.

Das Thema der Spannung zwischen Kräften der Natur und der des Menschen, der mit seiner Technik für eine industrielle Ausbeutung der Natur sorgt, hat heute an Aktualität nichts eingebüßt.

Adolf Odenthal hat auch einen Bezug zur Region: von 1975 bis zu seinem Tod 1985 lebte er in Paderborn. 1988 widmete ihm der Kunstverein Paderborn posthum eine Einzelschau, die viele Facetten seines Oeuvres präsentierte. Seine Gemälde sind es wert, wieder entdeckt zu werden.