Intermezzo#4: Köpfe

19. August 2022 bis 15. Januar 2023

© Kalle Noltenhans

Menschliche Köpfe tauchen in der Kunst immer wieder auf. Sie sind bildliche Schnittstellen: Zwischen Anonymität und Porträt; zwischen Körper und Geist; zwischen Empathie und Abgrenzung.

In der Ausstellung werden unterschiedliche Positionen aus der Städtischen Kunst- und der Historischen Sammlung Paderborn gezeigt, welche diese Schnittstellen jeweils ausloten. Köpfe, Porträts, Gesichter, Schädel in unterschiedlichen Techniken, Deutlichkeiten und Stilrichtungen regen zum Nachdenken über diese künstlerischen Repräsentationen des Menschseins an.

Darunter finden sich prominente Köpfe bei Friedemann Hahn und Walter Schwiete, von der Nofrete bis zu Clark Gable. Während Hahns Protagonist*innen offensichtlich in Öl und als Radierungen widergegeben sind, kommen sie bei Schwiete in kreisförmigen Büsten aus Zement rätselhaft daher und lassen sich erst im Profil erkennen. Die grafischen Werke der Expressionisten, u.a. Otto Dix, Peter August Böckstiegel und Karl Schmidt-Rottluff, zeigen verrottende Totenköpfe, stoische Bauern oder verzerrte Frauengesichter.

Ergänzt werden diese Arbeiten durch eine Reihe Porträts. Eine Marienikone erinnert daran, dass die ersten westlichen „Porträts“ Heiligendarstellungen waren, gefolgt von Herrscher*innendarstellungen. Sie übernahmen Statthalterfunktionen, waren mehr als bloße Abbilder einer Person. Die Abwesenheit eines Menschen durch sein gemaltes Konterfei zu ersetzten, bildet nach Plinius dem Älteren sogar den Ursprung der Kunst in sich.

So finden sich auch in dieser Ausstellung Beispiele für diese Kategorie der „Kopfbilder“.  Die feinen historischen Stiche der Hofschauspielerin Sophie Schröder machen deutlich wie vieldeutig Porträts sein können. Die gebürtige Paderbornerin ist einmal im Kostüm in der Rolle der griechische Dichterin Sappho zu sehen, aber auch als sie selbst. In ähnlicher Weise zeigen sich Claus Böhmler, Eberhard Viegener und Richard Sehrbrock in ihren Selbstporträts zeitgleich in der Rolle des Künstlers und dem eigenen ich.  

Zu Gast

Maria-Margaretha Modlmayr

Die Paderborner Kunstpreisträgerin (2022) Modlmayr widmet sich immer wieder der Spannung zwischen Abbild und Abstraktion. Die Varianz ihres Stils verweist auf ihren einfühlsamen Prozess, den sie mit ihren Modellen eingeht. Diesen intimen Porträts stehen die Arbeiten des Paderborner Künstlers Gerhard Staufenbiel gegenüber.

© Maria-Margaretha ModlmayrRückblick V Nr. 4, À la recherche du temps perdu 2021, Öl auf Leinwand.

Gerhard Staufenbiel

Staufenbiels Zeichnungen kreisen immer wieder um das Thema des Schädels, mal inspiriert von Anatomiezeichnungen, mal als „Reaktion“ auf Musik oder Literatur. Behutsam und halbtransparent bewegen sich seine Köpfe auf der Linie zwischen Amorph und klinisch genau.

www.g-staufenbiel.de (Öffnet in einem neuen Tab)


Führungen

Mittwochs 16 Uhr: 14.09.22, 26.10.22, 07.12.22

Samstags: 27.08.22 18 und 22 Uhr

Sonntags 12 Uhr: 13.11.22, 15.01.23