Lichtkunst/Kunstlicht

28. November 2021 bis 2. Februar 2022

© Stadt Paderborn, Francois Morellet, Pi-Rococo neonly, 2011. VG Bild-Kunst, Bonn 2021, www.bildkunst.dePlakat Lichtkunst/Kunstlicht

Von der kühlen Geraden bis zum bewegten Schattenspiel zeigt die Ausstellung „Lichtkunst/Kunstlicht“ die Möglichkeiten luminarer Inszenierungen. Kalkül und Präzision verbinden sich darin mit sinnlicher Ausstrahlung.

Seit beinahe einhundert Jahren setzen sich Künstler*innen mit dem immateriellen Medium in Form von Glühbirnen, Neonröhren, glimmenden LEDs oder leistungsstarken Scheinwerfern auseinander. Die Kunst hat sich von der illusionären Repräsentation des natürlichen Lichts immer mehr dem realen Einsatz des künstlichen Lichts zugewandt.

Die Ausstellung betrachtet die atmosphärische und farbliche Wirkung elektrischen Lichts von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Die Werkauswahl, die die unterschiedlichen Nutzungsstrategien des Kunstlichts andeuten möchte, reicht von Klassikern des Genres wie Dan Flavin und François Morellet bis zu neueren Positionen zwischen Raumzeichnung und Kinetik.


In seiner Arbeit aus dem Jahr 1968 verwendet Dan Flavin (1933-1996) industriell hergestellte Leuchtstoffröhren in genormten Farben und standardisierten Maßen – ein vorgefundenes konventionelles Produkt, dessen ursprüngliche triviale Funktionalität er neu deutet, ohne die physische Beschaffenheit zu ändern. In einem geradlinigen Wandobjekt zeigt auch Christoph Dahlhausen die intensive Leuchtkraft einer Leuchtstoffröhre. Diese illusionistische Kraft des künstlichen Lichts scheint den plastischen Charakter der Leuchtstoffröhren aufzuheben. In einem geometrisch-mathematischen Zugriff werden geformte Neonröhren zur Zeichnung. François Morellet zerlegt einen Kreis und entrollt ihn auf der Wand. Antje Blumenstein zeichnet mit Neon skulptural in den Raum. Bei Ulrich Möckel werden Lichtkonturen zur „Pflaumenallee“. Die Röhrenkränze wirken wie immaterielle Erscheinungen im Raum. Jan van Munster zeichnet mit einer „Brainwave“ die Kurve von Gehirnströmen, Gedanken, Emotionen rot erhitzt nach. In der Neon-Schreibschrift von Brent Birnbaum erscheint neben der Gender-Thematik ein Gegensatzpaar: dem der Unpersönlichkeit und Anonymität im industriellen Material Neonröhre einerseits, auf der anderen Seite die individuelle, unverwechselbare Handschrift als Ausdruck der Persönlichkeit. Fokussiert auf das Wortpaar „If - Then“ und ihre kausale Beziehung ist Bosse Sudenburg.

Eine intensive Farb- und Strahlkraft hat die hinterleuchtete Malerei von Christian Hage. Einen illusionären Raum schafft Chul Hyun Ahn in seiner Installation „Tunnel“. Einfache Gegenstände des Alltags, Technik und kinetische Eigenschaften nutzt Martina Muck für ihre meditativ-poetischen Projektionen. Im Außenraum lassen Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov mit einem LED-beleuchteten Windspiel einen Kindertraum aufleben.


© VG Bild-Kunst, Bonn, 2021. www.bildkunst.deDan Falvin. 4' red, red, green fluorescent light, 1968
© VG Bild-Kunst, Bonn, 2021. www.bildkunst.deBrent Birnbaum. That's what (s)he said

Mit Arbeiten von

Chul Hyun Ahn, Brent Birnbaum, Antje Blumenstein, Christoph Dahlhausen, Dan Flavin, Christian Hage, Katerina Kuznetcowa & Alexander Edisherov, Ulrich Möckel, François Morellet, Martina Muck, Jan van Munster, Bosse Sudenburg

Für die Leihgaben gilt der Dank
Sammlung Viehof
Stiftung Konzeptuelle Kunst
Ulrike Siebenhaar-Hage