Social Media für die Gefahrenabwehr nutzen

Die INSPIRE.app unterstützt die Feuerwehr Paderborn

© Stadt Paderborn

Die Paderbornerinnen und Paderborner können sich noch allzu gut an die Tornado Katastrophe im Mai erinnern. Der Tornado zog auf einer Breite von 300 Metern quer durch die Stadt und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Wie man sich in Zukunft bestmöglich gegen Gefahren wie diese wappnen kann, zeigt die INSPIRE.app von der safety innovation center gGmbH. Im Oktober 2022 fand nach drei Jahren Projektlaufzeit des INSPIRE-Projektes die Präsentation der Projektergebnisse statt. Die INSPIRE.app ist seitdem bei der Feuerwehr der Stadt Paderborn täglich im Einsatz.

Die INSPIRE.app begleitet die Feuerwehr Paderborn mittlerweile über den ganzen Tag. Sie wird seit September 2022 im realen Einsatzdienst genutzt und hat bereits positives Feedback von Seiten der Führungskräfte erhalten. Bis jetzt wurde die Digitale Depesche und die Fahrzeugzustandsübersicht ausgerollt. Weitere Module wie Social Media oder auch anonymisierte Personenstrommessung, Drohnen und Smart Home sind in Planung. In einer Testumgebung wurden ca. 1.600.000 Datensätze zum Modul Personenstrommessung, ca. 2.400.000 Datensätze zum Modul SmartHome, ca. 100.000 Datensätze zum Modul Drohnen und ca. 1.100.000 Social Media Posts im INSPIRE.hub ausgewertet. Der INSPIRE.hub führt als Plattform die Social-Media-Auswertungen durch.

Anhand dieser Auswertungen konnte beispielsweise bei dem Tornado in Paderborn über Social Media festgestellt werden, dass bereits kurz vor dem ersten Einsatz der Feuerwehr erste Hinweise zum Stichwort Tornado auf Social Media vorlagen. In den Daten wurde ein auffälliger Anstieg des Contents unter dem Hashtag Tornado und Paderborn in diesem Zeitraum erfasst. Der INSPIRE.hub ermöglicht damit, solche sich häufenden Meldungen und Schlagwörter zu überwachen, um frühzeitig Krisensituationen zu erkennen und einsatztaktisch darauf reagieren zu können. Der INSPIRE.hub bietet außerdem die Möglichkeit, Bilder aus Social Media zu aggregieren, auszuwerten und in einer Karte darzustellen, um einen schnelleren Lageüberblick zu erhalten, da die Bilder mit einer Verortung durch Metadaten und GPS dargestellt werden können.

Wenn INSPIRE bei dem Tornado bereits gelaufen wäre und Bilder den Ernst der Lage so frühzeitig übermittelt hätten, wäre die Feuerwehr der Stadt Paderborn sehr froh gewesen und hätte eine schnellere und zugleich umfassendere Lageeinschätzung vornehmen können, so Sebastian Winter, zuständig für Vorbeugende Gefahrenabwehr bei der Feuerwehr Paderborn. Damals lief der INSPIRE.hub lediglich im Testbetrieb. So wurde im Nachgang ein Lagebild aus den im Hintergrund gesammelten Daten aus dem Probebetrieb erstellt. Hier sieht man in jedem Fall, wozu Social Media am Ende fähig ist und wie man es zur Gefahrenabwehr nutzen kann. Die INSPIRE.app und der im Hintergrund agierende INSPIRE.hub können der Feuerwehr somit helfen, Krisensituationen besser zu steuern. Ein automatisiertes 24/7 Social Media Monitoring und eine automatisierte Steuerung kann jedoch aufgrund der Komplexität der jeweiligen Herausforderungen auch mit INSPIRE nicht erreicht werden. Letztendlich muss immer noch ein Mensch die Daten interpretieren und Entscheidungen treffen.

Kompatibilität und Übertragbarkeit über offene Schnittstellen und Nutzung freier Software sowie Standards sind bei dem Projekt INSPIRE sehr wichtig. Nach Abschluss des Projektes wird das Modul als Open Source auch für andere Gefahrenabwehrorganisationen im Land bereitgestellt.

Die Integrierte Sicherheits-Pilot-Region ist ein Projekt, welches im Rahmen der Digitalen Modellregion entstanden ist und durch das safety innovation center in Paderborn koordiniert wird. Das safety innovation center Paderborn ist eine gGmbH und wurde aus der Uni Paderborn ausgegründet, wobei sich Wissenschaftler und Interessierte der Gefahrenabwehr zusammengefunden haben, um Sicherheitsforschung zu betreiben. Projektpartner sind der Kreis Paderborn, die Digitale Heimat PB, die Universität Paderborn, die Firma Symcon aus Lübeck, die Firma RTB aus Bad Lippspringe sowie die Firma Multicopter & Drones mit Stammsitz in Essen im Verbund mit der Germandrones GmbH aus Berlin und die Feuerwehr der Stadt Paderborn sowie das Ordnungsamt des Kreises Paderborn als Anwender dieser Lösungen.

Das Projekt wird vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen (MHKBD NRW) über einen Zeitraum von 4 Jahren bis Juni 2023 mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert.