Aktuelle Ausstellung

Im Rahmen des Projektes "Get dressed! Das Kleid in Geschichte, Kunst und Natur"

16.08. - 08.11.2020: anziehend. Kunst-Kleider und textile Objekte

© Guda Koster, Rood met witte stippen, 2011

Textilien begleiten Menschen in allen Phasen ihres Lebens, von der Geburt
bis zum Tod. „Menschsein heißt Leben mit Stoff“, sagt die Textilforscherin
Beverly Gordon. Hergestellt aus tierischen, pflanzlichen oder synthetischen Fasern sind sie nicht nur als wärmende und schützende Kleidungsstücke unentbehrlich, sie finden ebenso in unzähligen alltäglichen Vorgängen Verwendung oder dienen der Dekoration von privaten und öffentlichen Räumen.

Jahrhundertelang blieb die künstlerische Nutzung textiler Materialien im
Wesentlichen auf die Verwendung von Stoffen als Bildträger in der Malerei
oder aber auf den Bereich der Tapisserien, Bildteppiche und Gobelins
beschränkt.
Die Etablierung von Textilien als autonome, künstlerische Werkstoffe
begann erst in den 1950er Jahren und erfuhr seit 1960 im Kontext des
allgemeinen revolutionären Aufbruchs der Künste, der Erweiterung des
Kunstbegriffs und des neuen Interesses an veränderlichen, instabilen und
amorphen Materialien einen ungeahnten Aufschwung. Seither sind Materialien
wie Filz, Stoffe oder Garne selbstverständliche Gestaltungselemente
in der internationalen Gegenwartskunst.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Textilen und der experimentell-avantgardistische Umgang mit Kleiderformen zeigt die Ausstellung „anziehend“ in einer Konstellation von historischen und aktuellen Arbeiten, die den wechselseitigen Einfluss zwischen Textilien und zeitgenössischer Kunst reflektieren. Die Ausstellung geht der Frage nach, wie Textilien aufgrund ihres Formenvokabulars, ihrer Materialität und Kulturgeschichte sowohl historisch als auch aktuell eine künstlerische Sprache und Forschung mit geformt haben. Außerdem wird gefragt, wie Textilien und „Textilkunst“ in einer engen Beziehung zu formalen und konzeptuellen Fragestellungen in der Bildenden Kunst stehen und sich entlang dieser entwickelten.

Die Ausstellung präsentiert Objekte, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken sowie
Fotografien aus verschiedenen Sammlungen und als Leihgaben der beteiligten
Künstlerinnen und Künstler. So wird das vergängliche, bewegte, absurde und soziale Kleid zum Thema, auch mit dem Blick auf nachhaltige, interkulturelle und politische Aspekte.

Mit Werken von Joseph Beuys, Susanne von Bülow, Sylvie Hauptvogel, Jan
Henderikse, Ulrike Kessl, Mela Köhler, Aleksandra Koneva, Guda Koster,
Axel Lieber, Anja Luithle, Mouchy, Pablo Picasso, Ulla Reiss, Dieter Roth,
Ansgar Skiba, Rosemarie Trockel, Tim Walker, Markus Willeke, Roshanak
Zangeneh

© Sylvie Hauptvogel, Zu Guter Jetzt, 2016