GWK-Förderpreis Kunst - Gewinnerinnenausstellung

Irene Strese - Halt und Hürde
10.Oktober 2021 - 9. Januar 2022

© Stadt PaderbornPlakat GWK-Förderpreis 2021 Kunst

GWK-Förderpreis

Kulturarbeit ist wertvoll! Die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit e.V., kurz GWK, macht genau das in der Region. 1956/57 gründete sich unter der Führung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe eine Fördergesellschaft. Förderpriorität genossen zunächst das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie die übrigen westfälischen Kunst- und Heimatmuseen, außerdem die zeitgenössische Kunst, wobei schon damals Nachwuchstalente besondere Berücksichtigung fanden, sowie die westfälische Literatur und die Musik.

Heute fördert, konzipiert und initiiert die GWK unterschiedliche Kulturprojekte in Westfalen-Lippe. Ein Schwerpunkt ist nach wie vor die Nachwuchsförderung. Die GWK-Förderpreise werden jungen Künstler*innen, Musikern*innen und Schriftsteller*innen zugesprochen, die außergewöhnliche Leistungen erbracht haben und für die Zukunft Herausragendes erwarten lassen. Um die GWK-Förderpreise bewerben sich Künstlerinnen und Künstler selbst. Bewerberinnen und Bewerber müssen in Westfalen-Lippe geboren sein, dort seit mindestens zwei Jahren leben oder ihren Hochschulabschluss in der Region erworben haben.

Seit fast 30 Jahren vergibt die GWK nun die Förderpreise, um die Besten zu fördern. Am 10. Oktober 2021 fand die Verleihung der Förderpreise erstmals in Paderborn statt. Der Förderpreis Kunst ist mit einer Ausstellung verbunden, die vom 10. Oktober 2021 bis zum 9. Januar 2022 in der Städtischen Galerie in der Reithalle gezeigt wird.

Halt und Hürde - Irene Strese

© Felix HüffelmannIrene Strese

Den GWK-Förderpreis Kunst 2021 erhält die Künstlerin Irene Strese, die 1986 in Iwanowka, Kirgisistan geboren und in Willebadessen aufgewachsen ist. Sie machte einen Bachelor in Erziehungswissenschaft und Kunst an der Universität Hildesheim, sodann ein Auslandssemester am Dickinson Collage, Pennsylvania/USA, in der Klasse von Ward L. Devenny. An der Universität Bremen studierte sie Kunst- und Kulturvermittlung (M.A.), an der Hochschule für Kunst Bremen freie Kunst. Hier war sie Meisterschülerin bei Prof. André Korpys und Prof. Markus Löffler. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Bremen.

Das Ausstellungskonzept nimmt eindeutige Bezüge zur Architektur des Gebäudes und seiner Nutzung auf. Auf dem weitläufigen Gelände von Schloß Neuhaus wurde 1825, neben dem barocken Marstallgebäude, eine „bedeckte Reitbahn“ für die dort ansässige preußische Garnison errichtet. Nach 1945 diente der zweigeschossige Bau dem englischen Militär als Reit- und Lagerhalle.

Die zentrale Arbeit im Untergeschoss besteht aus Reithürden. Die Hürden sind aus Holz und bereits stark abgenutzt. Die Abnutzung verweist auf ihren früheren Gebrauch als Hindernis, aber auch als Übungsgerät. Die vormals farbigen Balken haben ihre ursprüngliche Funktion verloren, sind geweißt und werden durch keramische Skulpturen gestützt. Die Installation steht auf vermeintlich fragilen Füßen. Als aufwändige Handarbeit bilden diese Fundstücke des Imaginären mit der Balkenkonstruktion eine modulare Landschaft. 

In einer Art Herde sind Hocker zusammengestellt. Sie tragen kleine keramische Skulpturen und mit ihren vier Beinen implizieren sie auch etwas Tierisches. Das Potenzial des Werkstoffes Keramik liegt im Haptischen, das das Material ausstrahlt und es damit zum Gegenentwurf unseres digitalisierten Alltags macht. In ihren Keramiken spürt man den Willen zur Formentfesselung, die das Vertrauen in eine intuitive Gestaltungskraft lenkt. Im Dialog dazu stehen auf Textil gedruckte Grafiken, die Bewegungsplanungen bzw. die Psychomotorik des Pferdes wiedergeben. 

Rosshaarmatratzen, Haarflechtungen, Zöpfe - Haare spielen in der Ausstellung eine wichtige Rolle. Irene Strese verwendet natürliches Haar und Kunsthaar, thematisiert den Gegensatz von Natur und synthetischem Material und dekodiert Assoziationen und Hierarchien, die den Materialien eingeschrieben sind.

Ein weiterer ortspezifischer Aspekt in der Ausstellung: Im Obergeschoss sind die Holzträger architektonisch markant. Sie geben dem Raum Struktur und Halt. In der Kunst von Irene Strese erscheinen sie als keramische Reproduktion in unterschiedlichen Formaten, als skulpturales Wandobjekt, beiläufig auf dem Boden gestellt oder als Chiffren.


Die Kunst von Irene Strese hat einen hohen spielerischen Anteil. So hat sie das Schattenspiel am oberen Fenster mit Teppichresten nachgestellt. Dazu leuchtet eine kleine Lampe von der Bank aus und simuliert die Sonne.

Kleinteilige Keramikobjekte, raumgreifende Elemente, konzeptuelle Gedanken, ironisch-humoristische Gesten und bewusste Leerstellen bilden im Raum der ehemaligen Reithalle ein zusammenhängendes skulpturales Ensemble und Narrativ.

Künstlerinnengespräch 21.November 14:00 Uhr

Irene Strese wird vor Ort in der Reithalle sein und sich in einem Gespräch mit Frau Dr. Andrea Brockmann (Leitung der Städtischen Museen und Galerien) über ihre Ausstellung austauschen.

Es gelten die aktuellen Corona-Reglungen

© Felix HüffelmannIrgendwas mit Pferd auf Barhockern
© Felix HüffelmannIrgendwas mit Südseeperle und Träger