Königstraße 10
Kunstwerk und Entstehung
Ein Stadtentwicklungsplaner bezeichnete die Königsplätze in einem Vortrag vor einigen Jahren mal als eine der „schlimmsten Bausünden Europas“. Und der hatte damals schon viel gesehen wie beispielsweis die Banlieue von Paris. Seitdem hat sich an diesen so adelig klingenden Plätzen im Zentrum Paderborns viel getan. Rückbauten von Brücken, Abrissarbeiten von Kaufhäusern und die Errichtung exklusiver Sitzbänke, die es 2018 sogar in die Satire-Sendung Extra 3 geschafft haben. Ein Aufstieg wie Phoenix aus der Asche sozusagen.
Diese Metapher des Aufstiegs aus dem Feuer der Hölle in den Himmel greift Sero hier an der Treppenempore zum Köngisbalkon künstlerisch auf. Fans von Stranger Things wird diese Dualität der Darstellung an das sogenannte Upside Down erinnern, einer Art gespiegelte Unterwelt. Hier mit dem Totenkopf unten und der engelsgleichen Figur oben. Es ist beeindruckend, mit welcher Detailverliebtheit Sero seine Figuren frei Hand mit der Sprühdose auf die Wand bringt. Besonders gut gelungen sind die Lichteffekte, mit denen er die doppelköpfige Fantasy-Figur gekonnt in Szene setzt. Bereits seit vielen arbeitet SERO mit Edwin Bormann zusammen, der wenige Meter entfernt eine weitere Fläche umgestaltet. Der freischaffende Künstler greift in seiner Arbeit das Thema Fußgängerzone durch die Darstellung einer Radfahrerin auf. In der rechten Bildhälfte verlässt Bormann seine gewohnten Pfade. Die fragementierte Darstellung des Gesichts ist weniger realistisch, sondern weist Parallelen zum Expressionismus auf. Durch ausdrucksstarke Farben erzeugt das Bild eine emotionale Intensität durch bewusste Verformung.
Auch wenn die Arbeiten der beiden Sprayer im Detail sehr verschiede sind, ist es durch ein gemeinsames Farbkonzept gelungen, eine harmonische Gesamtwirkung zu erzeugen. Die Gestaltung fügt sich sehr stimmig in die offene Treppenlandschaft ein und gibt der Köngistraße endlich ihren verdient adeligen Anstrich. Die Umgestaltung ist ein Kooperationsprojekt des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb Paderborn (ASP) und dem Kulturamt.
