Paderborner Literaturtage 2020

Umfangreiches Programm vom 6. bis 15. März

© Felix WarmuthBas Böttcher, einer der Stars der Literaturtage: Der Bremer Wortkünstler tritt am 15. März im Audienzsaal im Residenzmuseum auf. Er ist der erste Poetry Slammer, dessen Texte schon in Schulbüchern stehen! Er repräsentiert die deutsche Gegenwartssprache und -literatur in Paris, San Francisco, Warschau, Peking und beim Bundespräsidenten, lehrt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, bekommt Aufträge von Pergamon Museum, DFB, Goethe Institut, Deutschlandradio und anderen. In Schloß Neuhaus probiert er mit dem renommierten Kuss Quartett aus, wie vertrackte Streichquartett-Sätze von Beethoven und modernen Komponisten mit gesprochener Wortkunst zusammen gehen.

Mittwoch, 26. Februar 2020 | Stadt Paderborn - Man darf schon sagen: Wer bei den Paderborner Literaturtagen 2020 (6. bis 15. März mit einem kleinen Vorspiel am 5. März) nichts findet, dem ist mit Literatur womöglich nicht zu dienen. Die unterschiedlichsten Veranstaltungsformate, Orte und Literaturgenres kommen vor. Das umfangreiche Gesamtprogramm mit nicht weniger als 30 Veranstaltungen in 11 Tagen findet sich in einer Broschüre, die an vielen Stellen der Stadt ausliegt, und im Internet unter www.paderborn.de/literaturtage.

Die Paderborner Literaturtage sind wieder ein Gemeinschaftswerk vieler Veranstalter: Die örtlichen Buchhandlungen sind dabei, rollende und ortsfeste Bibliotheken, das Stadt- und Kreisarchiv und die städtische Gleichstellungsstelle, große und kleine Theater, ein Kino, das Literaturbüro OWL in Kooperation mit dem AStA der Uni, der Freundeskreis Paderborn-Mantua, der Heimatschutzverein Neuenbeken in Zusammenarbeit mit dem Grundschulverbund Benhausen-Neuenbeken, die Kultur-Kneipe „Sputnik“ und last, but not least, das Kulturamt der Stadt Paderborn, unter anderem mit den Städtischen Museen.

Viele bekannte Leser*innen und Autor*innen aus Paderborn präsentieren Texte, darunter Erwin Grosche, Heiko Grosche, Max Rohland, Christina Seck, die Kneipenleser, Jann Wattjes, Sarah Lau, August Klar, Alex Paul, Ann-Britta Dohle-Madrid, Karsten Strack, Heike Haase, Charis Goer, Andreas Schwengel, der Paderborner Historiker und Domvikar Hans Jürgen Rade, die Ohrenspitzerbande und die Autorengruppe Zeilensprung sowie der Multi-Könner Gero Friedrich/Erich Rentrow. Sowohl das Kuss Quartett als auch Uli Lettermann, Jana Telgenbüscher, Eddi Kleinschnittger und andere steuern Musik bei. Und als Exot tanzt der Paderborner TanzBau durch die Literaturtage. Aus der Nachbarschaft kommen Albrecht Simons von Bockum Dolffs (Künstlerischer Leiter des Literatur- und Musikfests „Wege durch das Land“), einige Schauspieler vom Bielefelder Theater, das Lippekrimi-Duo Jürgen Reitemeier und Wolfgang Tewes, das Hövelhof-Duo Klaus H. Sindern und Werner Pfeil sowie die „Mama-Bloggerin“ Tina Ruthe aus Bielefeld. Natürlich kommen auch Gäste aus der Ferne, darunter die Autorin Isabelle Lehn (Leipzig), die Kinderbuchautorin Antje Szillat, der Bestsellerautor Peter Prange, die jung gebliebene Hamburgerin Greta Silver, der Tagesschau-Sprecher und Triathlet Thorsten Schröder und mit Andrea Schwarz aus dem Emsland eine der meistgelesenen christlichen Schriftstellerinnen unserer Zeit. Bei der Literaturparty im Stadtcampus sind Rike Scheffler (Berlin), Theresa Luise Gindlstrasser (Wien), Dominik Busch (Zürich) zu Gast. Nicht unbekannt in Paderborn ist die Hamburger Schauspielerin Sonja Szylowicki.

Stargast ist Bas Böttcher. Der Bremer Wortkünstler ist fast schon ein Klassiker. Seine Texte sind längst in Schulbüchern gelandet und er wird auch als deutscher Sprachbotschafter herumgereicht von der Nationalbibliothek Paris und der Berkeley University (Kalifornien) über den Kulturpalast Warschau und die Buchmesse Peking, das Goethe Institut und das Deutschlandradio bis zum bundespräsidialen Schloss Bellevue. Er lehrt am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und bekommt Aufträge von so unterschiedlichen Auftraggebern wie dem Pergamon Museum und dem DFB. Im Residenzmuseum probiert er mit dem renommierten Kuss Quartett aus, wie vertrackte Streichquartett-Sätze von Beethoven und anderen (Adès, Kurtág, Lachenmann, und Carter) mit gesprochener Wortkunst als Verbindung von Klang, Rhythmus, Zeit und Sinn zusammengehen.

Wer nicht nach Schloß Neuhaus möchte, hat eine multimediale Alternative in Paderborn: Mit Violoncello, Perkussion, Saxophon und Sprecher wird im Deelenhaus Erich Rentrows Bearbeitung des Sonnengesangs von Franz von Assisi performt. Das bleibt nicht der einzige italienische Akzent der Literaturtage: „Il Gattopardo“ (Der Leopard) von Giuseppe Tomasi di Lampedusa steht im Residenzmuseum auf dem Programm mit Literatur, Wein und Köstlichkeiten aus Sizilien des Freundeskreis Paderborn-Mantua. Dort ist übrigens der Kreis Paderborn Mitveranstalter, weil er eine Partnerschaft zur Provinz Mantua pflegt. Ganz allein betreibt der Kreis den Bücherbus und der hält am Kreishaus, wo es neben Poetry Slam und Beatboxing auch eine berührende Erzählung vom Verschwinden einer bäuerlich-ländlichen Welt zu hören gibt.

Das reichhaltigste Programm an einem Abend an einem Ort ist das im Stadtmuseum. Hier dreht sich alles um die Stadt und ihr Museum mit Texten über Objekte, mit einer tänzerischen Erkundung der Räume des Museums, mit unterhaltsamen historischen Texten, die gar kein gutes Bild von Paderborn zeichnen, vor allem aber mit einer Lesung von Texten von Jenny Aloni: „Meine Beziehungen zu Paderborn sind kompliziert“ ist der Titel der Lesung, die das Leben der in Paderborn geborenen und kurz vor dem Holocaust emigrierten Schriftstellerin nachzeichnet. Gewidmet ist die Lesung dem vor kurzem verstorbenen Literaturwissenschaftler Hartmut Steinecke. Der unermüdliche Sachwalter des Vermächtnisses von Jenny Aloni hätte im März 2020 seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Der Hofmohr des Fürstbischofs wird nicht im Stadtmuseum, sondern im Residenzmuseum thematisiert. Es gab ihn wirklich, er wurde als Kind von Südamerika nach Neuhaus verschleppt, wo er 1798 starb. Er stammte vermutlich ursprünglich aus Westafrika, wurde dem Fürstbischof verkauft oder geschenkt, diente ihm und lebte in Neuhaus, wo er heiratete und eine außereheliche Tochter hatte. Vorgestellt wird er von Hans Jürgen Rade (Paderborn), der über ihn geforscht hat und von der Schriftstellerin Isabelle Lehn (Leipzig), die eine Erzählung über ihn geschrieben hat.

Texte der Vergangenheit sind auch im Stadt- und Kreisarchiv zu hören: Dort zelebriert Max Rohland in der ihm eigenen Weise „Die Freuden des Lesens“ im Archiv. Lacher sind garantiert, aber auch viel Information bei den Archiv-Führungen und dem kleinen Entzifferungsrätsel im Lesesaal.

Schon fast Kult-Status hat der Bücherstreit im Sputnik, wo sich fünf Expert*innen streiten, dass die Fetzen fliegen. Etwas gediegener geht es auf Gut Ringelsbruch zu, wo von der Buchhandlung Nicolibri zu edlen Weinen literarische Neuerscheinungen vorgestellt werden. Gleich zwei Partys stehen auf dem Programm: Die „Silent Reading Party“ in der Kinderbibliothek und die Literaturparty „Schöne neue Welt“ im AStA Stadtcampus. Bei der einen wird es sehr still, bei der anderen kann es auch laut und wild zugehen, denn die anwesenden Autor*innen dichten sich die Finger wund und jeder Text endet auf einen tanzbaren Lieblingssong, der natürlich sofort gespielt und getanzt wird.

Ganz verschiedenen und doch verwandten Themen widmen sich Greta Silver, die behauptet, das Alter sei die Zeit, um jung zu sein, und Thorsten Schröder, der sich nach einer Wirbelsäulen-Operation zum Ironman-Triathleten kämpfte.

Lesungen aus Bestsellern bringen die Buchhandlungen Bonifatius, Thalia und Literafee. Schräger ist wie immer die Lesung des Kneipenlesungsteams, diesmal in der Schlossbibliothek in Schloß Neuhaus, präsentiert in Zusammenarbeit mit der Schlosseulen Initiative. Die vom Theater angekündigte Lesung muss leider entfallen.

Dreimal stehen Kinder im Mittelpunkt: Beim Kinder-Lese-Tag in Neuenbeken, bei der „Flätscher“-Lesung im Pollux-Kino und in ganz anderer Weise in der Stadtbibliothek beim Mama-Blog „Wahnsinn! Mein erstes Jahr als Mama!“

Schade ist, dass eine Veranstaltung nicht ganz am Ende steht, sondern schon in der Mitte der Literaturtage, denn das Sputnik verspricht Spiele, Topfschlagen und gebastelte Soundwände unter dem verheißungsvollen Titel „Lesen OhNe Aufräumen“.

Lautmalerisch wird das Live-Hörspiel „Der Unsichtbare“, denn Antje und Emilia Tarampouskas, Timo Wiesemann, Stefan Bunte und Tobias Zenker von der „Ohrenspitzerbande“ lesen nicht nur, sondern sie knistern, pfeifen, klimpern, hauchen, fauchen und lachen.

Wer übrigens nach so viel Hören und Lesen von Texten lieber selbst schreiben möchte, findet ebenfalls ein Angebot bei den Literaturtagen, nämlich in der Schreibwerkstatt zur Ausstellung „Das stille Licht der Stadt“ im Stadtmuseum.

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