Erstaunlicher Fund bei Sanierung im Paderborner Ratskeller

Archäologie entdeckt Gewölberaum aus dem Mittelalter

© Stadt PaderbornArbeiten Hand in Hand im Ratskeller unter dem historischen Rathaus: die Paderborner Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai, Katharina Grawe, Bauleiterin beim Gebäudemanagement Paderborn, Grabungsleiter Robert Gündchen sowie der Leiter des Gebäudemanagement Paderborn Sören Lühr (v.r.n.l.).

Freitag, 09. Januar 2026 | Stadt Paderborn - Seit einigen Monaten wird der Paderborner Ratskeller von der Stadt Paderborn saniert, um das gesamte historische Rathaus energetisch zukunftsfähig zu gestalten. Bei den Rückbauarbeiten im Kreuzkellergebäude hat die Stadtarchäologie Paderborn jetzt einen erstaunlichen Fund gemacht: Ein versteckter Schacht führt in einen längst vergessenen Gewölberaum unter dem Ratskeller.

Der Paderborner Ratskeller unter dem historischen Rathaus, der im 17. Jahrhundert erbaut wurde, wird aktuell von der Stadt Paderborn saniert. Im Vordergrund steht dabei das gesamte historische Rathaus inklusive Ratskeller energetisch zukunftsfähig und CO2 neutral aufzustellen. Neben einer neuen Wärmeversorgung durch eine Wärmepumpe stehen dabei auch neue Lüftungskanäle und eine moderne Stromversorgung im Mittelpunkt. Dabei müssen natürlich stets die geltenden Bestimmungen des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Mittlerweile wurde der Gastraum im Kreuzkellergebäude bis auf die historische Bausubstanz freigelegt. Als dafür der Boden rausgenommen und Schutt weggetragen wurde, haben die Bauarbeitenden einen erstaunlichen Fund gemacht:

Beim Abtragen des Bauschutts wurde ein Metalldeckel gefunden, der sich auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückdatieren lässt. Mithilfe einer Teleskopkamera konnte daraufhin festgestellt werden, dass sich unter dem Deckel ein Gewölberaum, vermutlich in den Steinbruch des 11. Jahrhunderts gebaut, befindet. Es handelt sich dabei nicht nur um einen Kriechkeller, sondern um einen Raum, in dem eine ausgewachsene Person aufrecht stehen kann. „Dieser Fund hat uns alle überrascht“, berichtet Dr. Svea Gai, die als Stadtarchäologin beim LWL beschäftigt ist.

Nachdem die Archäologen die Luft des mittelalterlichen Gewölbes überprüft haben, konnten sie durch einen schmalen Schacht in den Keller steigen. Insgesamt ist der Raum ungefähr neun bis zehn Meter lang und wurde bereits schon einmal aufgebrochen und ausgebessert, was neben dem Metalldeckel auch an den Ziegeln, mit denen ein Teil des Schachtes versiegelt wurde, erkennbar ist. Diese sind nämlich handgefertigt noch im alten Reichsformat. Dabei zurückgelassen wurden unter anderem Eierschalen und einige Bierflaschen, die jetzt von den Archäologen gefunden wurden und wohl aus der Mitte des 20. Jahrhunderts stammen.

Am Ende des Gewölberaums befindet sich ein weiterer Schacht mit einem Durchmesser von drei Metern. Wie tief dieser Schacht ist und welche Funktion er hatte, ist aktuell noch unbekannt. Es wird vermutet, dass es sich dabei entweder um einen Brunnen, eine Latrine oder ein Verlies gehandelt haben könnte. Fest steht auf jeden Fall, dass die Räumlichkeiten unter dem Rathaus, wie viele andere alten Gebäude in der Innenstadt über einem alten Steinbruch aus dem 11. Jahrhundert gebaut wurde, der bis zur Neuzeit verfüllt und überbaut wurde. Vermutlich gehörte der Keller zu einem Vorgängerbau des Rathauses.

Um der Funktion des Schachts auf den Grund zu gehen, sind Bohrungen in bis zu drei Meter Tiefe geplant. Auf diese Weise möchte die Archäologie herausfinden, ob der Schacht konisch wie in Brunnen in die Tiefe geht oder ob er sich eventuell sogar in der Tiefe glockenförmig aufweitet. Eine Aufweitung könnte der Hinweis auf eine mögliche Nutzung als Verlies sein.

Unabhängig davon, welche Nutzung der gefundene Kellerraum einst innehatte, überlegt das GMP derzeit, wie man den gefundenen Raum in die jetzige Planung einarbeiten kann. Möglicherweise gelingt es die Öffnung zu vergrößern, so dass man in Zukunft bei einem Besuch des Ratskellers in den vergessenen Gewölberaum hinunterschauen kann.

Bis dahin wird es allerdings noch etwas dauern, denn in diesem Jahr wird das GMP zunächst die energetische Sanierung des Rathauses sowie den Rohbau des Ratskellers zu Ende führen. Dabei wird selbstverständlich Rücksicht auf den laufenden Betrieb im Rathaus, wie zum Beispiel Trauungen, Ratssitzungen sowie Veranstaltungen genommen. Ende des Jahres soll der Ratskeller dann an die zukünftigen Pächter übergeben, 2P Media aus Bielefeld, die dort dann ihre Gastronomie einrichten werden. Geplant ist, dass der Gastraum mit einer kleinen Bühne, Sitzplätzen, einer Theke und einem Barbereich im ehemaligen „Tönnchen“ ausgestattet wird. Auch der Eingangsbereich wird von ehemals im Schildern auf die Seite gegenüber der Gastronomie Barcelona verlegt, von dort gelangt man über Treppen, durch den Barbereich im „Tönnchen“ in den Ratskeller.

Stadt Paderborn

Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing