Lage am Ausbildungsmarkt als strukturelles Problem für die Gesellschaft

Arbeitnehmerempfang im Rathaus dreht sich um das Ausbildungsangebot in der Region

© Stadt PaderbornBeleuchteten von unterschiedlichen Seiten das Thema Ausbildung: (v. l.) Sabine Kramm (2. stv. Bürgermeisterin), Anne Birkelbach (2. stv. Landrätin Kreis Paderborn), Carla Ponert (Jugendbildungsreferentin, DGB Region OWL) Alexander Jan (Auszubildendenvertreter IG Metall Jugend), Martina Bee (Geschäftsführerin IG Metall Bielefeld), Clea Stille (Regionsgeschäftsführerin DGB Region OWL), Martina Schu (Bezirksgeschäftsführerin Ver.di), Patrick Mc Laughlin (EVG Jugend) sowie Paderborns Bürgermeister Stefan-Oliver Strate.

Donnerstag, 07. Mai 2026 | Stadt Paderborn - Am Vorabend zum „Tag der Arbeit“ am ersten Mai fand traditionell der Arbeitnehmerempfang im Historischen Rathaus in Paderborn statt. In diesem Jahr hieß Bürgermeister Stefan-Oliver Strate etwa 70 Teilnehmende von unterschiedlichen Arbeitnehmerverbänden und Gewerkschaften sowie aus der Politik willkommen. „Ausbildung sichern – Zukunft gestalten: Wege aus der Krise am Ausbildungsmarkt“ lautete das Thema des Abends. Gemeinsam mit Bürgermeister Strate waren Alexander Jan von der IG Metall Jugend und Patrick Mc Laughlin von der EVG Jugend als Vertreter der Auszubildenden aus der Region vors Mikrofon getreten und gaben in ihren Reden Denkanstöße rund um den kritischen Zustand der vorhandenen Ausbildungsangebote. In der anschließenden offenen Diskussion mit den Gästen vor Ort wurden reichlich verschiedene Perspektiven und neue Anregungen zum Thema geteilt.

Zu Beginn seiner Eröffnungsrede bezog sich Bürgermeister Strate auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Paderborn aus dem Jahr 2025: „Demnach fehlen in Ostwestfalen-Lippe rund 1.600 Ausbildungsplätze“, sagte er. Auf etwa 14.000 Bewerbende kämen etwa 12.400 Ausbildungsstellen. Strate betonte, dass „wir erkennen müssen, dass die Lage am Ausbildungsmarkt zunehmend kritischer wird“.

In Ostwestfalen-Lippe hätten zuletzt mehr als 2.800 Bewerbende keinen Ausbildungsplatz gefunden. Dies sei der höchste Wert seit 2019, informierte Strate. Ein Grund sei, dass Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassten. Des Weiteren spielten wohnortnahe Ausbildungsstellen im Hinblick auf die Chancengleichheit eine wichtige Rolle. Es sei von zentraler Bedeutung, bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen. Dies werde in Paderborn beispielsweise durch den Bau zweier Wohnheime für Studierende und Auszubildende im Alanbrooke-Quartier gefördert. „Das ist ein richtiger und wichtiger Schritt, doch es braucht weitere“, sagte der Bürgermeister. Ebenfalls würden erste Gedanken und Ideen zum betreuten Wohnen für minderjährige Auszubildene diskutiert, um zusätzliche Angebote schaffen zu können. Abschließend betonte Strate, dass eine gute Ausbildung kein Gegensatz zu solider Finanzpolitik und wirtschaftlicher Freiheit sei: „Sie sollte ihre Voraussetzung sein.“

Martina Bee, Geschäftsführerin der IG Metall Bielefeld, hob hervor, wie sehr es sie freue, dass junge Menschen sich über das Thema Ausbildung austauschten. Der Dialog sei vor allem in Zeiten wichtig, in denen viele Dinge passierten, „die uns von außen und von innen beeinflussen“.

In ihrem Diskussionsbeitrag benannten Alexander Jan und Patrick Mc Laughlin die Krise am Ausbildungsmarkt als „strukturelles Problem für unsere Gesellschaft“ und dass diese „diesem Problem entgegenwirken“ müsse. Dabei sei es eine gemeinsame Aufgabe, die Ausbildung zu stärken und in den Mittelpunkt von Gesellschaft, Institutionen und Wirtschaft zu bringen.

Im Wechsel stellten Jan und Mc Laughlin, stellvertretend für die Auszubildenen in der Region, explizite Forderungen, die die derzeitige Krise am Ausbildungsmarkt in Zukunft verbessern könnten. So war die Ausbildungsumlage ein wichtiges Thema: Jan und Mc Laughlin forderten eine Erhöhung der Mindestausbildungsvergütung auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung. Es brauche ein Entgegenkommen der Arbeitgeberseite, um gute Arbeitsplätze und gute Bezahlung zu garantieren. Ein weiteres wichtiges Thema war die Wohnsituation der Auszubildenden: Neben attraktiven Ausbildungsplätzen forderten die beiden Redner bezahlbare Wohnstätten. Azubiwohnheime würden es nicht nur Pendelnden aus dem Umland leichter machen, einer Ausbildung in der Region nachzugehen, sondern vor allem die Ausbildungszufriedenheit steigern, ein positives Stimmungsbild schaffen und bessere Lerngegebenheiten ermöglichen. Das durch Wohnheime geschaffene Zusammenleben und der dadurch geförderte Dialog mit- und untereinander fördere das Menschsein, sagte Jan. Diesen sozialen Aspekt brauche es vor allem, um die Demokratie zu schützen und zu verbessern.

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