Ehemaliges Pumpenhaus im Paderquellgebiet
Eine Pressemitteilung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe
Freitag, 05. Juni 2026 | Stadt Paderborn - Im Zuge der Neugestaltung des Paderquellgebietes in Paderborn bot sich Archäologie-Fachleuten die Möglichkeit, einen Blick unter die Oberfläche auf neue Funde zu werfen. Größtenteils gehören die freigelegten Mauern mit ehemaligem Pumpenhaus und Ozonwerk zur Wasserversorgung des vorigen Jahrhunderts. Allerdings führen weitere Strukturen zurück zum Gelände des Abdinghofklosters und eventuell bis ins 14. Jahrhundert.
„Schon bei dem Abtrag der obersten Erdschichten stießen wir wenige Zentimeter unter der Oberfläche auf viele Mauerreste“, so die Stadtarchäologin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Sveva Gai. „In Zusammenarbeit mit einer archäologischen Fachfirma konnten wir zwischen der Grundschule St. Michael und der Börnepader direkt unter dem Spielplatzbelag zahlreiche Mauern - die Überreste des ehemaligen Pumpenhauses - freilegen. Dieses Pumpenhaus diente der städtischen Wasserversorgung und wurde später für das Ozonwerk genutzt“, fügt Gai hinzu.
Das Ozonwerk sorgte ab 1902 für die Trinkwasserreinigung. Diese technische und weltweit beachtete Anlage wurde aus Kostengründen 1937 zusammen mit dem Pumpenhaus abgerissen, um Platz für eine Freilichtbühne zu machen. Teile des Ozonwerkes und des Pumpenhauses wurden als Kulissenbauten weitergenutzt. „Im Bereich des Pumpenhauses, von dem keine Pläne bekannt sind, kamen komplexe Mauerstrukturen zutage. Man kann mindestens sechs Bauphasen voneinander trennen. Die älteste Phase, die aber nicht zur Wasserversorgung gehört, ist eine Grenzmauer vom Gelände des Abdinghofklosters, vielleicht aus dem 14. Jahrhundert“, äußert sich Grabungsleiter Robert Gündchen.
Hintergrund: Von einstiger Bebauung zum 3D-Modell
Mit der Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels 2025 ist die Stadt Paderborn für ihre einzigartige urbane Flusslandschaft im Rahmen des Projektes „Stadt-Mensch-Fluss - Die Pader für Europa“ ausgezeichnet worden. Eine Neugestaltung des gesamten Naherholungsgebiets, besonders notwendig auch nach den Zerstörungen des Tornados 2022, begann Ende 2025 unter der Federführung des Amtes für Umweltschutz und Grünflächen der Stadt Paderborn. Die Neugestaltung des Paderquellgebietes stellte sich aber aufgrund archäologischer Belange aufwändiger dar als gedacht.
Bis in der 1940er Jahre war das Gebiet südlich der Bachstraße bis zum Quellbecken der Börnepader und der Dammpader komplett bebaut. Nach 1945 wurden alle Gebäude abgerissen und Anfang der 1950er Jahre ein Erholungsgebiet mit Rasenflächen, Bäumen und Spielplatz angelegt.
Anhand des Urkatasters von 1831, späterer Stadtkatasterpläne bis ins Jahr 1945 und mit Bildquellen erstellte die Universität Paderborn im Rahmen des Projektes „Stadt-Mensch-Fluss“ ab 2021 ein 3D-Modell, das die Kubaturen (den umbauten Raum) der Gebäude des 19. und 20. Jahrhunderts wiedergibt. So bietet sich die Möglichkeit, die Gebäudekomplexe in ihrem Umfang auf dem Areal zu lokalisieren.
Es stand wenig Bildmaterial zur Verfügung, um das tatsächliche Aussehen der Gebäude und der Einrichtungen zu rekonstruieren. Viele der Gebäude wurden außerdem auf Vorgängerbauten errichtet, die bis in die Barockzeit, sogar ins Spätmittelalter zurückreichten und von denen keine genauen Pläne existierten. Das Gesamtbild ist im Detail also viel komplexer.
Wie es weitergeht
„Die Befunde sollen für die Vermessung und für die Herstellung einer 3D-Aufnahme des Pumpenwerkbereichs freigelegt werden - und das wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, meint Archäologe Phillip Robinson. Geplant ist aber nicht nur ein flächiger Bodenabtrag. „Es müssen noch acht Bäume gepflanzt werden, und das bedeutet tiefe Bodeneingriffe: etwa drei mal drei Meter große und bis zu 1,40 Meter tiefe Baumpflanzgruben, hinzu kommt noch eine Wegetrasse“, so Robinson weiter. „Diese notwendigen Bodeneingriffe liegen in Bereichen, in denen wir Bauüberreste der hochmittelalterlichen Bebauung des Geländes vermuten. Wir erhoffen uns Einblicke in den Grundriss von Gebäuden. Womöglich sind auch noch innere Aufteilungen und Fußböden erhalten“, fügt Gündchen hinzu.
„Die archäologischen Arbeiten laufen Hand in Hand mit einer Garten- und Landschaftsbaufirma, die das Naherholungsgebiet gestaltet“, so Gai. Zudem gibt es regelmäßige Absprachen und einen Austausch mit dem Amt für Umweltschutz und Grünflächen der Stadt Paderborn, „sodass bisher keine Engpässe entstanden sind“, sagt Gai.
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