Gemeinsam für ein starkes Netz
Jugendamt der Stadt Paderborn stärkt Prävention und Kinderschutz mit neuer Fachstelle
Mittwoch, 29. Juli 2026 | Stadt Paderborn - Seit Anfang Mai hat sich eine neue Fachstelle im Jugendamt der Stadt Paderborn formiert: 16 Mitarbeiter*innen arbeiten eng zum Thema „Prävention und Kinderschutz“ zusammen. „Wir möchten durch die Verzahnung unserer Arbeitsbereiche innerhalb der neuen Fachstelle einen Grundstein im Bereich des Kinderschutzes legen, der auf Vertrauen fußt“, erklärt Jugendamtsleiterin Anne Teubert. So könne man fachliche Kompetenzen bündeln und Ressourcen schaffen, die für Kinder und Eltern grundlegend sind, so Teubert weiter.
Dabei wird das Vertrauen von (werdenden) Eltern bereits in der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt der Kinder aufgebaut: So berät und unterstützt das Team der Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern Mütter und Väter kostenfrei und vertraulich, auf Wunsch auch gerne bei einem Hausbesuch. Darüber hinaus bietet die Fachstelle im Rahmen der Frühen Hilfen die „Frühstückstreffs Baby & Ko“ sowie die „Kindercafés Kind & Ko“ an. Die Treffs werden wöchentlich in den Stadtteilen Auf der Lieth, Schloß Neuhaus und in der Kernstadt angeboten. „Dabei wird das Angebot von einem multiprofessionellen Team aus sozialpädagogischen Fachkräften, Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern begleitet, die für alle Fragen der Eltern rund um den Familienalltag zur Verfügung stehen“, erklärt Julia Gref, Mitarbeiterin der Fachstelle. „Wir möchten ein niederschwelliges und kostenfreies Angebot für alle Familien bieten“, hebt Anne Teubert hervor. Einige Familien kontaktieren noch bis zum Grundschulalter der Kinder die Fachstelle, um nach Rat und Hilfe zu suchen. „Diese Lotsenfunktion möchten wir weiter ausbauen“, so Teubert weiter.
Doch nicht nur Eltern und Familien können sich an die Fachstelle wenden, auch „Geheimnisträger“ wie Ärzt*innen, Hebammen, Lehrer*innen, Psycholog*innen etc. sowie Personen, die im beruflichen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen stehen. Die Beratung erfolgt kostenfrei, telefonisch, vertraulich und anonymisiert. Denn laut Bundeskinderschutzgesetz sind diese Personen angehalten, Handlungsschritte im Kinderschutz umzusetzen. Sie haben durch die Verpflichtung im Kinderschutz den Anspruch auf eine anonyme Beratung bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung und zum weiteren Vorgehen. „Genau hier setzen wir an und erarbeiten mit den Geheimnisträgern weitere Schritte und Vorgehensweisen rund um eine mögliche Kindeswohlgefährdung“, legt Madita Burchardt aus der Fachstelle dar. Dazu schult das Team auch präventiv Fachkräfte von Kitas und Schulen zum Thema Kinderschutz. „Somit können wir mit den Fachkräften verstärkt für das Kindeswohl zusammenarbeiten und Synergien besser nutzen, indem wir informieren und Sicherheit schaffen“, unterstreicht Anne Teubert.
Eine weitere wichtige Grundlage im Bereich Kinderschutz stellt das Netzwerk Kinderschutz der Stadt Paderborn dar, welches sich derzeit im Aufbau befindet. Das Netzwerk versteht sich als Verantwortungsgemeinschaft, in der alle Mitglieder ihre jeweilige Expertise aktiv miteinbringen. „Ziel und Auftrag des Netzwerkes ist es, Strukturen, Rahmenbedingungen und Fortbildungs- beziehungsweise Qualifizierungsangebote zu schaffen, um in Fällen von möglichen Kindeswohlgefährdungen schnell, sicher und effektiv handeln zu können“, ergänzt Alina Ernesti, die das Netzwerk mitaufbaut.
Aber auch der erzieherische Kinder- und Jugendschutz fällt in die Verantwortung der Fachstelle: Dazu gehören Jugendschutzkontrollen und –beratung, die Beratung zum Jugendarbeitsschutz sowie die Vermittlung von Medienkompetenz, darunter fällt auch die Cybermobbing-Schulung für Mädchen und Jungen vom dritten bis sechsten Schuljahr. „Die Netzwerkarbeit stellt einen großen Teil unserer Arbeit dar. In diesem Rahmen werden mit mehreren Fachkräften aus verschiedenen Bereichen der Jugendarbeit in Paderborn Projekte erarbeitet, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen sollen“, legt Annkatrin Domann, Jugendhilfeplanerin, dar. Zum Beispiel werden Methodenkoffer für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet und angeboten. Hinzufügend werden Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Jungen angeboten sowie ein Projekt zum Thema Selbstbestimmung und Grenzen im Rolandsbad während der Sommerferien. „Mit all diesen Angeboten möchten wir entlang aller Lebensphasen der Kinder präsent und ansprechbar sein, um uns präventiv für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einzusetzen“, fügt Domann hinzu. Zusätzlich werden für Grundschulen Projekte zum Thema „Kinderrechte“ umgesetzt sowie quartiersgerechte mobile Spielangebote durch das Spielmobil.
Aber auch die Jugendlichen werden von der Fachstelle unterstützt: Denn diese übernimmt die pädagogische Begleitung des Stadtjugendrates, dessen Einrichtung 2011 durch die Stadt Paderborn beschlossen wurde. Wählbar ist der Jugendrat aus Schüler*innen zwischen 14 und 20 Jahren, die eine weiterführende Schule oder ein Berufskolleg im Stadtgebiet besuchen und sich zum Ziel gesetzt haben, die Interessen aller Paderborner Jugendlichen zu vertreten und öffentlich zu machen. „Uns ist es wichtig, dass den Kindern und Jugendlichen auch eine Stimme in der Politik gegeben wird. Denn sie stellen einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft dar, an welcher sie aktiv teilnehmen sollen“, so Anne Teubert.
Viele Angebote werden im sogenannten „Familien-Navigator“ gebündelt, ein Online-Portal, das Familien, Kindern und jungen Menschen einen zentralen Zugang zu Angeboten und Ansprechpersonen von der Schwangerschaft bis zum Übergang Schule – Beruf bietet. Hierbei wir das vielfältige Angebot zu Beratung, Unterstützungsleistungen, Kinderbetreuung, Bildungsangeboten oder Freizeitaktivitäten aufgezeigt. Der Familien-Navigator ist kostenfrei für Nutzer und auch für die Institutionen, die ihre Angebote veröffentlichen möchten. „Wir freuen uns, wenn die Sichtbarkeit der Angebote immer weiter ausgebaut wird“, so Kerstin Liggesmeier, Sachgebietsleitung der Fachstelle. Zu finden ist der Familien-Navigator über den folgenden Link: www.paderborn.de/familien-navigator.
„Mit unserer Fachstelle führen wir die langjährige Netzwerkarbeit von der Schwangerschaft bis zum Übergang Schule – Beruf weiter, welche die Präventionskette ausbaut, die das Kindeswohl als Grundlage hat. Damit sich jeder und jede für sich und andere verantwortlich fühlt. Unsere Angebote fußen auf einer freiwilligen, niederschwelligen und kostenfreien Basis“, resümiert die Jugendamtsleiterin. „So können wir Barrieren abbauen und die Gesellschaft für das Thema Kinderschutz sensibilisieren.“
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