Lebenserinnerungen eines 98-Jährigen im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Kurt Zenker stellt sein Andenken für die dauerhafte Aufbewahrung und Nutzbarmachung bereit

© Stadt- und Kreisarchiv PaderbornKurt Zenker hat seine Lebenserinnerungen offiziell dem Stadt- und Kreicharchiv für die dauerhafte Aufbewahrung und Nutzbarmachung für zukünftige Generationen zur Verfügung gestellt - mit dabei seine Ehefrau Helene Zenker.

Donnerstag, 27. August 2026 | Stadt Paderborn - In einem Jahrhundert, das so voller Ereignisse war wie das 20. Jahrhundert, liefern persönliche Erinnerungen einen ganz besonderen Blick auf die Entwicklungen und Vorkommnisse, die die nüchterne Geschichtsschreibung um ganz spezielle Facetten und Interpretationen bereichern können. Archive haben die Aufgabe, die sie umgebende Gesellschaft und Lebenswirklichkeit abzubilden, wofür neben dem amtlichen Schriftgut Materialien von Privatpersonen unerlässlich sind. Das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn freut sich daher sehr, dass der 98-jährige Borchener Kurt Zenker sich bereit erklärt hat, seine Lebenserinnerungen für die dauerhafte Aufbewahrung und Nutzbarmachung für zukünftige Generationen zur Verfügung zu stellen.

Das langjährige DGB-Mitglied Zenker, seit 1958 gehört er dem Deutschen Gewerkschaftsbund an, hat sich sowohl in seinem Heimatort als auch darüber hinaus im Kreisgebiet sowohl für den DGB und als auch die Friedensbewegung jahrzehntelang verdient gemacht. So gehörte Zenker ab 1973 für den DGB des Kreises Paderborn-Höxter über 20 Jahre dem Angestelltenausschuss an. Von 1977 bis 2005 war er Vorstandsmitglied. In den Jahren von 1979 bis 1999 gehörte er dem Präsidium der ständigen Personal- und Betriebsrätekonferenz auf DGB-Kreisebene an. Nach dem Eintritt in den Ruhestand engagiert sich Zenker seit 1992 im DGB-Seniorenrat Paderborn/Höxter, dem er von 2002 bis 2014 auch als Vorsitzender vorstand.

Für dieses Engagement erhielt er unter anderem neben der Hans-Böckler-Medaille 2009, der höchsten Auszeichnung der Gewerkschaften in Deutschland, auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die dazugehörigen Urkunden und Medaillen sind ebenso Teil des Nachlasses wie die Laudatio vom damaligen Landrat Manfred Müller bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2019. Den Hauptschwerpunkt des Schriftguts, das dem Stadt- und Kreisarchiv Paderborn übergeben wurde, bilden allerdings Zenkers persönliche Erinnerungen und von ihm verfasste Texte. Nach eigener Aussage motivierte ihn die Frage „Kann ich stolz darauf sein, Deutscher zu sein?“, die ihn aufgrund der rassistisch motivierten Überfälle auf Ausländer, Flüchtlinge und Asylanten in Mecklenburg-Vorpommern in den frühen 1990er Jahren beschäftigte, sich kritisch mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzen.

So begann er ab 1993 damit, seine Kindheit und Jugend in Schlesien als auch den Einsatz als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Kriegsgefangenschaft schriftlich ebenso zu reflektieren wie seinen persönlichen Neustart mit allen Freuden und Sorgen in Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus sind Geschichten und Essays zu gesellschaftlichen Themen der vergangenen Jahrzehnte Bestandteil seines schriftlichen Nachlasses.

Das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn ist sehr glücklich über diesen Neuzugang in seinen Beständen und wird ihn so schnell wie möglich archivfachlich bearbeiten, damit die Lebenserinnerungen von Kurt Zenker alsbald der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

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