„Fair kann mehr“
Junges Ensemble erobert die Bühne
Montag, 07. September 2026 | Stadt Paderborn - Unter dem Thema „Fair kann mehr“ haben Ende August elf junge Akteurinnen und Akteure im Alter von 8 bis 26 Jahren das selbstentwickelte, inklusive Musiktheaterstück „Willkommen in Fairlandia“ in der Kulturwerkstatt präsentiert. Bereits zum zweiten Mal entstand das Projekt in Kooperation zwischen der Lebenshilfe Paderborn e. V. und dem Kulturamt der Stadt Paderborn.
In nur vier Tagen entwickelten die jungen Spielerinnen und Spieler unter der Regie von Ann-Britta Dohle und Marius Meschede ein rund 35-minütiges Bühnenstück. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie ein gelingendes Miteinander aussehen kann – das Ensemble macht es auf der Bühne unmittelbar selbst vor: mit großer Spielfreude, Humor und einem bemerkenswerten Zusammenhalt. Schon zu Beginn ertönt am Seitenrand das Lied von der „Sicher-Sicher-Sicherheit“, begleitet von René Madrid am Akkordeon. Schnell wird deutlich, dass es in Fairlandia um mehr geht als um ein vermeintlich gerechtes Zusammenleben.
Wie fühlt es sich an, wenn andere über das eigene Leben bestimmen? Wenn eine Gesellschaft festlegt, was gut und was schlecht für den Einzelnen ist, ohne dessen persönliche Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen? In Fairlandia lautet die Antwort: Fairness-Punkte – und wer genügend davon sammelt, kann sich seine Wünsche erfüllen. Mit dem morgendlichen Appell der drei Präsidenten – gespielt von Tim Peitz, Tamia Garris und Isabell Freyer – wird das Publikum in die Welt von Fairlandia eingeführt: ein Land, in dem es sich vermeintlich auszahlt, fair miteinander umzugehen.
Doch das ausgeklügelte Belohnungssystem führt das eigentliche Ziel von Fairness zunehmend ad absurdum. Besonders eindrucksvoll zeigt dies die Figur der Punkte-Diebin, gespielt von Stella Beckmann, die mit sichtlicher Freude die Punkte ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger stiehlt. Dabei sind diese Punkte für alle überlebenswichtig, denn nur mit ihnen lassen sich die individuellen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen. Wie unterschiedlich diese Wünsche sein können, zeigen Lena Noeske und Zoe Gemeinhardt, die sich gegenseitig zu immer neuen Ideen anspornen. Mallorca oder doch lieber der Lippesee? Ein Hund oder gleich ein ganzer Zoo? Die Fantasie kennt keine Grenzen – solange das Punktekonto es zulässt. Völlig chancenlos bleibt dagegen das Mädchen ohne Punkte, gespielt von Negin Ghasemi. Von Beginn an wird sie ausgegrenzt und für die Konflikte im Land verantwortlich gemacht. Eine Situation, die unweigerlich Wut hervorruft – und die Frage aufwirft, wie fair eine Gesellschaft tatsächlich sein kann, in der Menschen nach einem scheinbar objektiven System bewertet und ausgegrenzt werden.
Die Bürger Fairlandias revoltieren am Ende gegen die unfairen Bestimmungen von oben, setzen ihre Präsidenten ab – und der großartige Zusammenhalt, der Humor und die Spielfreude eines Ensembles zeigen, wie das in der Realität gehen kann. Mit Humor, Musik und viel Spielfreude stellt das Ensemble zentrale Fragen: Was ist eigentlich fair? Wer entscheidet darüber? Und wann ist es wichtiger, eine Regel zu befolgen – und wann, einem anderen Menschen zu helfen? Begleitet von René Madrid am Akkordeon und unter der Leitung der Regie zeigen die jungen Darstellerinnen und Darsteller eindrucksvoll, dass ein inklusives Miteinander nicht nur ein Thema für die Bühne ist
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