„Ein Wirken, das weit über ihre Zeit hinaus reichte.“
Feierliche Einweihung des FrauenOrts NRW für Fanny Nathan
Dienstag, 08. September 2026 | Stadt Paderborn - „Sie zeichnete sich in besonderer Weise durch ihr eigenständiges und weitsichtiges Handeln aus. Sie ging die Herausforderungen ihrer Zeit mutig und beherzt an. Ihre außerordentliche Arbeit mündet in einem Wirken, das weit über ihre Zeit hinaus reichte“, beschrieb Bürgermeister Stefan-Oliver Strate am vergangenen Freitag die Paderbornerin Fanny Nathan. Ihr zu Ehren wurde auf die Initiative des Soroptimist Clubs Paderborn der erste Frauenort NRW in Paderborn feierlich eingeweiht. Am Domplatz 14 – dort, wo einst das Wohnhaus Fanny Nathans stand und in welchem sie den ersten Waisenkindern ein Zuhause gab.
Ein Blick zurück: Am 2. April 1803 wurde sie als Viette Nathan in Paderborn geboren. Erst später nannte sie sich Fanny Nathan. Nachdem ihr Vater noch vor ihrem fünften Lebensjahr starb, lebte Fanny mit ihren drei Schwestern und ihrer Mutter in materieller Not. Sie besuchte die Elementarschule und war später als Erzieherin in Frankfurt am Main tätig. Um 1830 kehrte sie nach Paderborn zurück und entschloss sich, mit zunehmender Massenarmut infolge der Industrialisierung der 1850er Jahre, ein Waisenhaus für arme, elternlose Kinder zu stiften. Die ersten Kinder nahm sie in ihrem Wohnhaus auf, aufgrund der großen Nachfragte schaffte sie es mithilfe von Spenden, welche sie auf „Bettelreisen“ eingesammelt hatte, ein größeres Gebäude in der Leostraße errichten zu lassen.
1863 konnte Fanny Nathan mit 21 Waisen das neue Gebäude beziehen, das sie bis zu ihrem Tod leitete – mit einem ganzheitlichen Erziehungsansatz. Ihre Nachfolge traten Familienmitglieder an. 1942 ermordeten die Nationalsozialisten die letzten Waisenkinder. „Wir sind heute hier, um eine außergewöhnliche Frau sichtbar zu machen. Und wir freuen uns, dass Sie sich alle gemeinsam mit uns an Fanny Nathan erinnern“, begrüßte Julia Ures, Präsidentin des Soroptimist Clubs Paderborn, die zahlreiche erschienen Gäste im Rathaus. „Ich bin dankbar, dass der Sopotimist Club es geschafft hat, Fanny Nathan einen festen Platz für eine Erinnerungskultur einzuräumen“, ergänzte der Bürgermeister. „Dieser sichtbare Platz soll neugierig machen für Geschichte“, betonte Strate.
Im Anschluss an die Grußworte von dem Bürgermeister und Julia Ures erläuterte Prof. Dr. Petia Genkova, stellvertretende Vorsitzendes des Frauenrats NRW e. V., etwas zur Projektidee der Frauenorte NRW. Sie berichtete von der Mühe zahlreicher Frauen, die es gebraucht hat, um für ihre Rechte zu kämpfen und einzustehen. Der 54. Frauenort, der nun Fanny Nathan gewidmet ist, sei ein prägendes Beispiel für die Beharrlichkeit und Ausdauer von starken Frauen.
Den Festvortrag hielt Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen vom Soroptimist Club Paderborn. Sie gehört gemeinsam mit Dr. Dorothee Kronlage, Maria Kuhlenkamp und Helga Voß zu dem clubinternen Arbeitskreis, der für das Projekt von der Bewerbung vor zwei Jahren bis zur Einweihung des FrauenOrts in Paderborn verantwortlich gewesen ist. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung im Rathaus von der Cellistin Jana Telgenbüscher. Im Anschluss gingen die Teilnehmer*innen zusammen zum Domplatz 14, um die Gedenktafel des Frauenorts NRW in Paderborn feierlich zu enthüllen.
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