Spektakulärer archäologischer Fund im Ratskeller
Archäologen finden Rathaus-Grundstein aus dem Jahre 1613 bei Sanierungsarbeiten
Mittwoch, 09. September 2026 | Stadt Paderborn - Bei den aktuell laufenden Sanierungsarbeiten im Ratskeller unter dem historischen Rathaus in Paderborn ist den Archäologen ein weiterer spektakulärer Fund gelungen und das eher zufällig. Beim Rückbau einer massiven Mauer im Kreuzgewölbe des Ratskellers fanden die Archäologen einen großen Sandstein mit Kreuzsymbol im Abraummaterial - bei genauerer Betrachtung, Teil eines Grundsteins. „Daraufhin haben wir uns das Abraummaterial genauer angeschaut und auch noch eine Bleiplatte und den zweiten Teil des Grundsteins sowie eine Silbermünze gefunden“, erklärt Robert Gündchen, Archäologe bei Eggenstein Exca, zuständig für die archäologische Überwachung der Arbeiten im Ratskeller. Sofort wurde die Stadtarchäologie Paderborn der LWL-Archäologie für Westfalen dazu geholt und das verbliebene Abraummaterial gesichert. Dieses wurde jetzt nachträglich mit Metalldetektoren untersucht und weitere 26 Münzen gefunden.
Der gefundene Grundstein besteht aus zwei Teilen und ist wie eine Art Steinschatulle aufgebaut. Im unteren Teil des Grundsteins lag eine Bleiplatte auf dem Boden, mit einer Inschrift und dem Datum 10. Juli 1613 versehen sowie Abdrücken von einigen der Münzen, die man damals bei der Grundsteinlegung beilegte. Der Deckel ist an der oberen Seite mit einem sogenannten Tatzenkreuz versehen, ein Kreuz, dessen Balken sich nach außen hin verbreitern. Unter den gefundenen Münzen finden sich Silbermünzen, aber auch Kupfermünzen, sie alle stammen aus dem Zeitraum 1569 bis 1611. Es sind nicht nur Münzen, die der Stadt Paderborn oder dem Fürstbischof zuzuordnen sind, sondern auch Münzen aus Sachsen und Thüringen. Inzwischen wurden die Münzen in der Restaurierung der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster gereinigt und bearbeitet, so dass die Prägung teilweise wieder gut zu erkennen ist.
„Für uns handelt es sich hier um einen einzigartigen Fund“, erklärt die Paderborner Stadtarchäologin der LWL-Archäologie für Westfalen Dr. Sveva Gai. „Etwas Vergleichbares habe ich selber bisher nicht gefunden und auch bei einer ersten Recherche bin ich auf nichts Vergleichbares gestoßen“, so Gai weiter. “Vor allem die Verwendung von einer so großen und schweren Sandsteinschatulle, der Stein besteht aus zwei aufeinander gestülpten Teilen, die die Gesamtgröße von 45 mal 38 mal 40 Zentimeter ergeben, ist ungewöhnlich. Es zeigt den Aufwand, der für eine frühe Art von Zeitkapseln, die die Grundsteinlegungen belegen sollten, betrieben wurde. Meistens wurden dafür früher kleine, schmucklose Bleikästchen verwendet“, erzählt Gai.
Aufgrund des Fundes können die Archäologen wichtige Rückschlüsse ziehen, besonders durch die Münzen. So gehen sie davon aus, dass die kleinen Paderborner Kupfermünzen aus den Jahren ab 1605 ein Beleg dafür sind, dass der Stadt Paderborn nach der Okkupation Paderborns 1604 durch Fürstbischof Dietrich (Theodor) von Fürstenberg und den Verlust der Eigenständigkeit, im Jahre 1605 wieder das Recht zugestanden wurde, kleine Münzen, bis zu einem Wert von zwölf Pfennig, selber zu prägen. Vermutlich auch, da der Fürstbischof die Kosten seines Feldzuges wieder reinholen musste. Ebenfalls vermutet wird, dass der Fürstbischof damals auf den Neubau des Rathauses drängte, da er wohl einen hohen Herrschaftsanspruch hatte. Dies zeigt auch die Inschrift einiger fürstbischöflicher Silbermünzen, die sich mit „Geschenk von Theodor“ übersetzen lässt. Ähnlich, wie man es auch heute noch bei Neubauten macht, haben Bischof, Bürgermeister und Stadtrat Münzen bei der Grundsteinlegung in den Grundstein gelegt.
Dass man den Grundstein überhaupt gefunden hat, ist ein ganz glücklicher Zufall gewesen, denn eigentlich hätte man bei der Sanierung des Ratskellers die massive Mauer, unter der der Grundstein gefunden wurde, gar nicht abgebrochen. Doch auf Wunsch des neuen Pächters hat man sich entschlossen, die Mauer für einen freieren Blick doch zurückzubauen. Auch haben sich die Archäologen nicht wirklich auf den anfallenden Bauschutt fokussiert, sondern eher auf die freigelegten Wände, um eventuell noch nicht bekannte historische Um- oder Anbaumaßnahmen sowie mögliche Einritzungen in den Wänden im Ratskeller zu finden. Umso überraschter war man von dem Fund. Da passt es auch, dass der Grundstein bereits am 10. Juli gefunden wurde, also auf den Tag genau 413 Jahre nach der Grundsteinlegung.
Für die verbleibenden Sanierungsarbeiten im Rathaus werden nun keine weiteren großen Funde mehr erwartet. Derzeit laufen die Sanierung der Gewölbedecken im Ratskeller und der Innenausbau, so dass die Räume voraussichtlich im Januar an den neuen Pächter übergeben werden können, der dann seine Inneneinrichtung einbauen wird.
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