„Gemeinsam für christliche Werte, Menschenwürde und Freiheit einsetzen“
Pressemeldung des Bonifatiuswerks: Nordeuropäische Bischöfe tragen sich ins Goldene Buch ein
Mittwoch, 23. September 2026 | Stadt Paderborn - Austausch, Partnerschaft und gelebte Solidarität mit Nordeuropa: Die katholischen Bischöfe der nordeuropäischen Länder sind in dieser Woche auf Einladung des Erzbistums und des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken in Paderborn zu Gast, um hier ihre Herbstvollversammlung abzuhalten. Am Mittwoch trugen sie sich ins Goldene Buch der Stadt ein.
Bürgermeister Stefan-Oliver Strate begrüßte die Bischöfe aus Island, Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland, den Apostolischen Nuntius in den Ländern Skandinaviens, Erzbischof Julio Murat, und die Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz, Sr. Anna Mirijam Kaschner CP, herzlich im großen Saal des Historischen Rathauses. Er dankte ihnen für ihren Besuch und die partnerschaftliche Verbundenheit mit der Stadt. „Es ist uns eine große Ehre, dass Sie sich heute in das Goldene Buch der Stadt Paderborn eintragen. Paderborn ist eine Stadt mit einer mehr als 1.200-jährigen Geschichte. Sie gehört zu den Orten in Deutschland, die eng mit der europäischen Geschichte verbunden sind“, sagte der Bürgermeister. Paderborn pflege enge und vertrauensvolle Beziehungen zur katholischen Kirche ebenso wie zu vielen anderen Religionsgemeinschaften. Das sei eine große Bereicherung für die Stadt. Strate: „Wir sind stolz auf diese Tradition des Dialogs, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenlebens.“
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen betonte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den nordeuropäischen Bischöfen. „Wir sind hier in einem sehr guten Dialog. Wir haben darüber diskutiert, was Ziel und Auftrag einer Kirche in einer immer mehr säkularisierten Welt ist. Aber auch über die aktuelle politische Lage in Deutschland haben wir gesprochen, die sehr genau in Nordeuropa wahrgenommen wird. Denn gerade in den nordischen Ländern ist die katholische Kirche als Weltkirche sehr international und von Migranten geprägt. Und es geht um die Frage, wie wir uns gemeinsam für christliche Werte, Menschenwürde und Freiheit einsetzen können“, sagte Monsignore Austen.
Gesprochen wurde auch über das neue Austauschprogramm „Spirit Exposure“ des Bonifatiuswerkes. Die 28 Teilnehmenden aus Deutschland und den Fördergebieten des Hilfswerks werden sich in den kommenden Monaten in Zweier-Tandems für jeweils eine Woche begegnen und pastorale Arbeitsfelder sowie die Situation katholischer Gemeinden in der Diaspora kennenlernen. Die Erfahrungen werden beim 105. Katholikentag im Mai 2028 in Paderborn vorgestellt. „Das Interesse an dem Programm hat uns selbst überrascht“, sagte Monsignore Austen. „Insgesamt gab es mehr als 100 Bewerbungen. Die starke Nachfrage zeigt, was wir im Bonifatiuswerk immer wieder feststellen: Diaspora-Hilfe ist keine Einbahnstraße. Die Solidarität mit den Schwestern und Brüdern im Norden lebt vom Austausch und dem gemeinsamen Stärken im Glauben und Gebet.“ Bei dem Programm gehe es ebenso wie bei dem Treffen mit den nordeuropäischen Bischöfen um zentrale Fragen kirchlicher Zukunftsgestaltung. „Wir als Bonifatiuswerk wollen diese Erfahrungen sicht- und erlebbar machen – über Ländergrenzen hinweg. Die Frage ist, was Kirche als Weltkirche heute von- und miteinander lernen kann. Wie können wir heute in den Umbrüchen dieser Zeit unser Christsein leben? Wichtig dafür sind der Respekt voreinander und der Dialog miteinander.“
Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller ging in seinem Grußwort auf die „uralte europäische Verbindung zwischen Paderborn und Le Mans“ ein und lobte Paderborn als „weltoffene und sehr europäische Stadt“. Er verwies auf die seit mehr als 50 Jahren bestehende enge Verbindung nach Nordeuropa und die Hilfe aus Deutschland für die katholischen Christinnen und Christen, die in skandinavischen Ländern in einer extremen Minderheitensituation ihren Glauben leben. Eine besondere Stütze dieser Beziehung bilde der internationale Jugendfreiwilligendienst des Bonifatiuswerkes, das „Praktikum im Norden“, bei dem 25 junge Menschen aus ganz Deutschland jährlich für mehrere Monate nach Nordeuropa und ins Baltikum gehen, um sich dort in katholischen Einrichtungen sozial zu engagieren. „Diese jungen Menschen kommen in der Regel beseelt zurück und haben eine Kirche im Norden erlebt, die trotz ausgeprägter Diaspora voller Leben, voller Kreativität und Spiritualität ist. Diese jungen Menschen sind wertvolle Botschafter und Impulsgeber für uns hier in Deutschland“, sagte Müller.
Der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Bischof Erik Varden OSCO (Prälatur Trondheim), bedankte sich für die Wertschätzung und die Unterstützung aus Deutschland für die katholischen Christinnen und Christen in Nordeuropa. „Durch das großzügige und immer konstruktive Wirken des Bonifatiuswerkes haben wir eine enge Verbindung zur Stadt Paderborn. So dürfen wir uns hier ein bisschen beheimatet fühlen. Wir danken Ihnen, dass wir uns in das Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen. Wir danken Ihnen für dieses Zeichen der Verbundenheit“, sagte Bischof Varden, der in seinem Grußwort auf den während des Dreißigjährigen Krieges in Kopenhagen geborenen Niels Stensen einging. Stensen war Arzt und Wissenschaftler. Später wurde er Priester und Weihbischof für Münster und Paderborn. 1988 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
„Europa war damals tief gespalten, tief verletzt. Zur selben Zeit öffneten Fortschritte in der Wissenschaft neue Perspektiven. Die Zeitgenossen nahmen davon Kenntnis, teilweise mit Begeisterung, teilweise mit Angst.“ Stensens Wirken und Leben zeige, dass kein Widerspruch zwischen empirischer Forschung und einer herzlichen kirchentreuen Frömmigkeit bestehe. „Schön ist es und inspirierend, dass ein in Paderborn wirkender Skandinavier zurzeit von Newton ein Ideal der intellektuellen Redlichkeit verkörperte“, sagte er. Stensen erinnere uns daran, dass christlicher Glaube, Katholizismus und Wahrheitssuche verbindende Elemente in einem von vielen Sorgen geprägten Europa gewesen seien. Bischof Varden: „Möge das auch in unseren Tagen so sein.“
Die Verbindung zwischen den Bischöfen der Nordischen Bischofskonferenz und dem Bonifatiuswerk reicht mehrere Jahrzehnte zurück. 1974 wurde das Gebiet der Nordischen Bischofskonferenz – Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden – als Förderregion in die Satzung des Bonifatiuswerkes aufgenommen. Seitdem unterstützt das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität die katholische Kirche in Nordeuropa – unter anderem beim Bau und bei der Restaurierung von Kirchen und Klöstern sowie bei der Erstellung katechetischer Materialien. Eine weitere wichtige Verbindung besteht zum Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe. Seit mehr als 50 Jahren unterstützt das Hilfswerk von Priestern für Priester die Diaspora-Gebiete in Nordeuropa. Aufgrund fehlender Eigenmittel und mangelnder staatlicher Unterstützung können viele nordeuropäische Bistümer beispielsweise Priestergehälter, bauliche Maßnahmen und Fahrzeuge nicht allein finanzieren und sind deshalb auf diese solidarische Hilfe aus Deutschland angewiesen.
Am Mittwochnachmittag reisen die Bischöfe auf Einladung von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und dem Bonifatiuswerk weiter nach Herne. Dort arbeitet der Erzbischof derzeit im Rahmen des Dialog- und Begegnungsformats „Amtssitzwechsel“. Für 18 Uhr steht in der Herner Kirche St. Bonifatius ein Gottesdienst mit der Gemeinde auf dem Programm. Im Anschluss findet im Pfarrzentrum ein Podiumsgespräch zum Thema „Kirche in säkularer Gesellschaft“ statt. Erzbischof Bentz und Bischof Varden diskutieren mit Vertreterinnen und Vertretern aus Pastoral und Ehrenamt über geistliche Aufbrüche, missionarische Erfahrungen und die Frage, was Christen in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen trägt.
Die Nordische Bischofskonferenz (NBK) ist das Arbeitsorgan der katholischen Bischöfe in den nordischen Ländern Europas. Das sind Dänemark, Finnland, Norwegen, Island und Schweden. Aktuell leben dort etwa 407.000 registrierte Katholikinnen und Katholiken bei einer Bevölkerung von insgesamt mehr als 28 Millionen. Das entspricht im Schnitt einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von weniger als 1,5 Prozent – eine extreme Minderheitensituation. Generalsekretärin ist seit 2009 Sr. Anna Mirijam Kaschner, die im westfälischen Werl geboren wurde und 1997 in die Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut eintrat.
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