Ein Fest zwischen Trauer und Freude

Libori 2002 lockte 1,4 Millionen Menschen nach Paderborn

Die Libori-Festwoche 2002 hat 1,4 Millionen Menschen nach Paderborn gelockt, 100.000 mehr als im Vorjahr. Dies ist die erste Schätzung von Stadt und Polizei, die Bürgermeister Heinz Paus jetzt bekannt gegeben hat. Ursachen für die Steigerung dürften das sonnige Wetter und der Strom der Gläubigen, die Abschied von Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt genommen haben, sein. Der Tod des Erzbischofs hat das diesjährige Libori-Fest überschattet. Er war am 25. Juli, zwei Tage vor der Libori-Eröffnung, gestorben und am letzten Libori-Samstag im Hohen Dom beigesetzt worden. Während der ganzen Woche gab es lange Schlangen vor der Bartholomäuskapelle, in der der Verstorbene aufgebahrt war. Mit den Zehntausenden von Gläubigen waren auch zahlreiche kirchliche Würdenträger aus aller Welt nach Paderborn gekommen. So nahmen allein an der Eröffnung 15 Bischöfe teil, zur Beisetzung waren sogar 60 gekommen. Die Libori-Festwoche, die am Sonntag mit einem großen Feuerwerk endete, stand am zweiten Wochenende ganz im Zeichen Europas. Gruppen aus Bulgarien, Frankreich, Griechenland und Italien präsentierten vor dem Rathaus ein internationales Folklore- und Kleinkunstprogramm, als besondere Attraktionen kamen Gruppen aus Brasilien und Taiwan dazu. Die Schausteller waren mit der Libori-Festwoche zufrieden. Sie klagten zwar über Umsatzeinbußen von durchschnittlich zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die auf die große Hitze am Tage zurückzuführen sind, dennoch hat sie Libori nach einer bisher katastrophalen Saison wieder aus dem Tief herausgerissen. Durch die hohen Temperaturen am Tage verlagerten sich die Aktivitäten in die Abend- und Nachtstunden. Die gesamte Fußgängerzone wurde dabei zur vermutlich längsten Theke Europas. Eine halbe Million Menschen nutzten das Libori-Ticket, um mit dem Bus in die Stadt zu kommen. Und in den Nachtbussen, die im Schnitt mit 100 Personen pro Fahrt besetzt waren, setzte sich die Partystimmung fort. Auch die Sonderbusse aus und in die Region sowie die Libori-Sonderzüge verzeichneten Fahrgaststeigerungen von zehn Prozent. Eine erfreuliche Bilanz zog auch die Polizei. Das Paderborner Libori-Fest hat den Charakter eines Festes, zu dem die ganze Familie ohne Angst gehen kann, behalten. Eingreifen musste die Polizei während der neun Tage lediglich bei vier Körperverletzungen, sieben Taschendiebstählen, drei Einbrüchen bei Schaustellern sowie zwei Fahrraddiebstählen, wobei ein Dieb sofort gefasst wurde. Neben hochkarätigen Kunstausstellungen, Theater für Kinder und Erwachsene, Stanis Libori-Nachtkabarett, den Shows im Capitol-Musiktheater und im Residenz-Gesellschaftshaus standen die abendlichen Open-Air-Konzerte auf dem Franz-Stock-Platz im Mittelpunkt des Kulturprogramms. 20.000 Besucher kamen zu den sechs Konzerten, mehr als 4.000 feierten enthusiastisch die zweieinhalb-stündige Show des „Meisters“ Guildo Horn. Der war von der Libori-Stimmung so begeistert, dass er spontan versprochen hat, im nächsten Jahr mit seinen „Orthopädischen Strümpfen“ wiederzukommen. Das Paderborner Liborifest hat einen religiösen Ursprung. Kirche und Stadt feiern damit die Ankunft der Gebeine des Hl. Liborius, des Schutzpatrons des Domes, des Bistums und der Stadt im Jahre 836. Dieses Ereignis war Grundstein für den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen Paderborn und Le Mans, woraus die wahrscheinlich älteste Städtepartnerschaft der Welt zwischen Paderborn und Le Mans hervorgegangen ist. Für die faszinierende Atmosphäre des neuntägigen Festes sorgt die einmalige Mischung aus kirchlichen Feierlichkeiten und weltlichem Fest. Beeindruckende Zeremonien und Prozessionen lassen Geschichte lebendig werden und ein buntes Markt- und Kirmestreiben mit vielen kulturellen Höhepunkten lädt neun Tage zum Feiern ein. Mit der Eröffnung der Konzerte auf dem Franz-Stock-Platz wurde deutlich gemacht, dass die Partyzeit in Paderborn auch nach Libori weiter geht. Der Auftritt der DDR-Musiklegende Lutz Heinrich mit seiner Kultband Eisenheinrich stand unter dem Motto „Honky Tonk meets Libori“ und gab einen Vorgeschmack darauf, was beim ersten Paderborner Honky Tonk Kneipenfestival am 28. September zu erwarten ist. Dieses Festival gehört zum Projekt „1, 2, 3 … Ab in die Mitte!“. Schwerpunkte sind drei Großveranstaltungen: „Königliche Museumsnächte“ vom 23. bis 25. August, „Viva Italia“ vom 6. bis 8. September zur Eröffnung der Italienischen Kulturtage mit der Aktion „Paderborn kulinarisch“ sowie der „Powerwoche“ vom 28. September bis 5. Oktober mit dem Honky Tonk Kneipenfestival zum Auftakt und dem City-Spektakel zum Abschluss.