Jüppi Bröckling seit 45 Jahren Schausteller

Mit einem Kinderkarussell für 2.750 Mark fing alles an

Libori 2002. Hans-Josef „Jüppi“ Bröckling sitzt im Kassenhäuschen seines Kinderkarussells. Da kommt ein älteres Ehepaar zu ihm, das Enkelkind an der Hand, und fragt: „Gelten Ihre Karussellgutscheine nur für ein Jahr?“ Jüppi Bröckling: „Nein, die sind bei mir immer gültig.“ Da erhält der Schausteller fünf Gutscheine für eine Karussellfahrt im Gesamtwert von einer Mark. Jüppi Bröckling: „Das waren Fahrkarten aus dem Anfang der 60er Jahre, als eine Fahrt noch 25 Pfennig kostete.“ In diesem Jahr feiert der Paderborner Schausteller ein kleines Jubiläum: Vor 45 Jahren hat er sein erstes Kinderkarussell gekauft, seitdem hat er nicht nur Libori, sondern auch viele andere Kirmesveranstaltungen in der Region mit geprägt. Als kleines Dankeschön für sein Engagement für die Stadt Paderborn haben Bürgermeister Heinz Paus und der Vorsitzende des Ausschusses für Märkte, Dietrich Honervogt, ihm jetzt einen Blumenstrauß in den Stadtfarben überreicht. Selbstverständlich mussten sie dafür zum Paderborner Weihnachtsmarkt gehen, denn auch in diesem Jahr ist Jüppi Bröckling wieder dabei. 1957 hat Jüppi Bröckling das Schaustellerfieber gepackt. Für sein erstes Kinderkarussell mit Holzautos, Feuerwehr, Straßenbahn und Fahrrädern musste er 2.750 Mark bezahlen. Heute kostet ein Kinderfahrgeschäft mehr als eine Viertel Million Euro. Zum Karussell kam eine Kinderschiffsschaukel. Und schnell stellte sich heraus, dass er eine Marktlücke entdeckt hatte: Für Jahrmärkte und Schützenfeste gab es nicht genügend Angebote für Kinder. Jüppi Bröckling: „Im ersten Jahr hatte ich 83 Arbeitstage, inzwischen bin ich das ganze Jahr über im Einsatz.“ Nach zweieinhalb Jahren kaufte er das nächste Kinderkarussell. In jeder freien Minute arbeitete der Schausteller daran, veränderte die Autos, lackierte die Fahrräder neu und gab dem ganzen Karussell ein völlig neues Gesicht. „Bröckling’s Kinderparadies Paderborn“ wurde zum Schmückstück auf den Festplätzen. In den 45 Jahren hat er elf Kinderkarussells und zwei Autoscooter gekauft und wieder verkauft. Darunter war das über 100 Jahre alte Holzpferdchen-Karussell, das sich auch in diesem Jahr auf dem Paderborner Weihnachtsmarkt vor dem Dom dreht, und „Timmy’s Zeitreise“, ein behindertengerecht konzipiertes Karussell, das auf dem Lunapark 2000 Premiere hatte. Nicht nur als Schausteller, auch als Organisator und Ideenlieferant hat sich Jüppi Bröckling einen Namen gemacht. Die deutsche Kirmes auf der Rhine Army Summershow ist unter seiner Regie größer als die Liborikirmes geworden, der Bürener Oktobermarkt trägt seine Handschrift, unzählige Schützenfeste hat er mit geprägt. Auch die Geschichte der Paderborner Weihnachtsmärkte ist eng mit dem Namen Jüppi Bröckling verbunden. Den ersten zaghaften Versuch gab es im Jahr 1957. Jüppi Bröckling: „Am Westerntor teilte ich mir mit Broers Heinz eine 12 Meter lange Holzhütte. Heinz verkaufte Bratwürste, ich Christbaumschmuck und Spielwaren.“ Hierfür musste er sich extra einen „Erlaubnisschein für den Ortshausierhandel“ ausstellen lassen, der ihn berechtigte, „auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder ohne vorherige Bestellung von Haus zu Haus Waren feil zu bieten oder Waren bei anderen Personen als bei Kaufleuten oder solchen Personen, welche die Waren herstellen, oder an anderen Orten als den offenen Verkaufsstellen zum Wiederverkauf anzukaufen, oder Warenbestellungen bei Personen, in deren Gewerbebetriebe Waren der angebotenen Art keine Verwendung finden, aufzusuchen oder Gewerbliche, nicht landesgebräuchliche Leistungen anzubieten oder Bestellungen auf solche aufzusuchen“. 1967 gab es dann zum ersten Mal den Versuch eines Weihnachtsmarktes vor dem Dom. Bis 1971 wurde es immer wieder versucht, dann kam das Aus. Jüppi Bröckling: „Wir bekamen einfach nicht mehr als ein Dutzend Stände zusammen, das war einfach zu wenig für eine gemütliche Atmosphäre. Außerdem hatte ein Weihnachtsmarkt damals noch nicht den Stellenwert wie heute.“ 1972 dann der nächste Versuch, diesmal auf dem Gelände des Südrings. Nach zehn Tagen und Tageskassen von höchstens 30 Mark gab er hier auf, die restlichen zehn Tage durfte er zwischen Klingenthal und Kaufhof stehen. Das Publikum nahm dieses Angebot an, der Weihnachtsbraten war gerettet. Im nächsten Jahr gab es dann den ersten größeren Weihnachtsmarkt in der Westernstraße. Und bis heute hat Jüppi Bröckling auf keinem Paderborner Weihnachtsmarkt gefehlt. In diesem Jahr bietet er zu seinem kleinen Jubiläum Jubiläumspreise an: Eine Fahrt kostet einen Euro (statt, 1,30 Euro), acht Fahrscheine gibt er für fünf Euro ab. Wer das noch ausnutzen möchte, kann das noch bis 29. Dezember tun. Während der Weihnachtsmarkt auf dem Dom- und Marktplatz am 22. Dezember die Pforten schließt, geht es in der Westernstraße noch bis 29. Dezember weiter. Und hier steht Jüppi Bröckling mit seinem Kinderkarussell vor "Peek & Kloppenburg".