Im Gespräch mit Paderborns Bürgermeister Heinz Paus
Breiter Dialog für Bericht
Am 21. März wird sich der Paderborner Rat mit dem Stadtentwicklungsbericht beschäftigen. Dem Gremium liegt dann erstmalig ein strategisches Programm bis zum Jahre 2010 vor. Von der Paderborner Stadtverwaltung im September 2000 als Entwurf auf den Tisch gelegt, wurde dieser Bericht in der Öffentlichkeit und den Ratsgremien beraten. Die März-Ratssitzung bildet jetzt den Abschluss dieses Prozesses. Welche Schwerpunkte setzt der Bericht? Wie war die Resonanz der Öffentlichkeit? Wie geht's weiter mit diesem Programm? Diese und weitere Fragen stellte das PADERBORN JOURNAL Bürgermeister Heinz Paus. P.J. Einen Stadtentwicklungsbericht hatte Paderborn bisher noch nie. Sie haben dafür die Initiative ergriffen. Warum? Für eine erfolgreiche Entwicklung braucht man Visionen. Wohin soll die Reise gehen, was wollen wir erreichen, wo setzen wir Schwerpunkte - das sind Fragen, die beantwortet werden müssen. Gerade in einer Zeit enormer finanzieller Belastungen der Kommunen, einem immer stärker werdenden Wettbewerb zwischen den Städten und grundsätzlicher gesellschaftliche Wandlungen ist ein realistisches Zukunftsprogramm unverzichtbar. P.J.: Die Stadtverwaltung hatte den Entwurf des Berichtes geliefert, der danach beraten wurde. Wie war hier die Resonanz? Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachausschüsse des Rates haben sich intensiv mit dem Stadtentwicklungsbericht beschäftigt. 550 Anregungen von Bürgern und Institutionen zum Verwaltungsentwurf sprechen eine deutliche Sprache. In den letzten Monaten befanden die Fachausschüsse darüber, ob und in welcher Form diese Anregungen in den Bericht einfließen. P.J.: Wohin soll denn nun in Paderborn die Reise gehen? Welche Visionen hat die Stadt? Angelehnt an die Beratungen der Standortkonferenz und der Lokalen Agenda für Paderborn präsentiert der Bericht ein Leitbild der Stadtentwicklung. Darin ist das Ziel für 2010 festgeschrieben: Paderborn soll ein innovativer, attraktiver Lebens- und Wirtschaftsstandort sein. In einer Reihe von Leitlinien wird dieses Leitbild weiter konkretisiert. P.J.: Wie sollen diese doch recht allgemeinen Ziele erreicht werden? Der Bericht gibt auch darauf Antwort. Denn neben der Analyse der momentanen Situation entwickelt er für die einzelnen Bausteine, wie Bildung, Kultur, Lebensraum, Wirtschaftsstandort, Mobilität, Sport und Freizeit, Soziales, Einkaufsstadt - Innenstadt - Stadtteile sowie Bürgerschaft - Rat - Verwaltung Handlungsprogramme und Maßnahmen. P.J.: Welche Maßnahmen zum Beispiel? Der Stadtentwicklungsbericht vollzieht eine klare Abkehr vom Kulturzentrum zugunsten von dezentralen Lösungen in der Innenstadt für Volkshochschule, Musikschule und Kinder- und Computerbibliothek. Für die Kammerspiele wird festgestellt, dass nur ein Neubau ein voll funktionsfähiges Theater gewährleistet. Im Bericht steht, dass die kulturellen Angebote im öffentlichen Raum zu verbessern sind. Der städtebauliche Wettbewerb für den Bereich Abdinghof könnte hier ein wichtiger Schritt sein. Die Struktur des Stadtmarketings- und der Fremdenverkehrsförderung soll optimiert werden. Die Verwaltung soll dem Rat dazu bis Ende des Jahres ein Konzept vorlegen. Zur Strategieentwicklung soll ein Gewerbeflächenbedarfsplan aufgestellt werden, der die Nachfrage der örtlichen Wirtschaft mit den Zielen einer verfeinerten Ansiedlungspolitik verknüpft. Bis Ende 2002 soll unter anderem ein Baulückenkataster erarbeitet werden als ein Mittel für die Baulandmobilisierung. Das alles sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass der Bericht kein Märchenbuch, sondern ein konkretes Handlungsprogramm ist. P.J.: Wie geht es mit dem Bericht weiter? Wenn der Rat über die ausformulierte Fassung in seiner März-Sitzung beschließt, müssen die einzelnen Maßnahmen noch zeitlich eingeordnet werden. Dabei muss der Rat angesichts der schwieriger werdenden finanziellen Situation der Stadt die Machbarkeit einzelner Investitionen abwägen. Vor der Sommerpause des Rates soll das Zukunftsprogramm der Stadt bis zum Jahr 2010 endgültig stehen und dann von der Verwaltung Schritt für Schritt umgesetzt werden. Alle zwei oder drei Jahre muss das Papier zur Nachjustierung erneut auf den Prüfstand kommen.