Pflegekindern ein neues Zuhause geben

Die Hand genommen und festgehalten

"Am Anfang war der Weg, auf dem Jan und Julian (Namen geändert) waren, sehr steinig. Oft sind sie gestolpert, manchmal auch hingefallen. Wenn sie nicht allein wieder aufstehen konnten, halfen wir. Sie haben dann vertrauensvoll unsere Hand genommen und festgehalten, um mit unserer Hilfe wieder aufzustehen". Die Zeilen schrieb eine Pflegefamilie an das Jugendamt der Stadt Paderborn. Sie schildert in dem mehrseitigen Bericht die schwierige aber erfolgreiche Entwicklung ihres Adoptivkindes Jan und des Pflegekindes Julian. Es mache sie sehr glücklich, zu erleben, dass die beiden Kinder nach Jahren in ihrer Familie Liebe und Nähe annehmen können und auch fähig sind, Liebe zu erwidern, so die Familie. "Gemeinsam haben wir viel erreicht. Mit Stolz und Zufriedenheit können wir zurückblicken", zieht sie ihr Fazit. Diese Pflegefamilie ist eine von etwa 80, die durch das Jugendamt der Stadt Paderborn betreut wird. So wie Jan und Julian werden fast 100 Kinder in solchen Familien betreut. Und der Bedarf an Pflegefamilien steigt. Deshalb sucht der Pflegekinderdienst der Stadt Paderborn Personen, die sich diese verantwortungsvolle Aufgabe zutrauen. Derzeit werden gerade für 10 bis 17jährige Kinder und Jugendliche Pflegepersonen und -familien gesucht. Ruth Rustemeyer vom Pflegekinderdienst der Stadt: "Da es hier an geeigneten Pflegefamilien fehlt, mussten diese Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit häufig in Heimen untergebracht werden." Gesucht werden aktuell auch sogenannte Bereitschaftspflegefamilien bzw. -personen. Sie nehmen Kinder zeitlich befristet auf, die in ihren Familien in eine Notsituation geraten sind. Aufgrund des besonderen Betreuungsbedarfs der Kinder, sollte neben der Freude am Umgang mit den Kindern, Belastbarkeit und das Zutrauen vorhanden sein, einfühlsam auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Wichtig: Die Bereitschaftspflegefamilien bzw. -personen sollten über eine sozialpädagogische Ausbildung verfügen. Im Allgemeinen müssen Pflegefamilien und -personen keine pädagogische Berufsausbildung mitbringen. Grundsätzlich können verheiratete, nicht verheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare, aber auch Einzelpersonen mit oder ohne eigene Kinder die Pflege der Kinder übernehmen. Die Erfahrungen des Pflegekinderdienstes der Stadt Paderborn zeigen, dass es günstig ist, wenn das Pflegekind in der Geschwisterreihe das jüngste Kind ist. Ruth Rustemeyer: "Besonders wichtig aber ist die Freude am Zusammenleben mit Kindern und die Fähigkeit, Liebe entgegenzubringen. Auch erzieherische Fähigkeiten, Geduld, Zeit und Belastbarkeit sind gefragt. Tatkräftig unterstützt werden die Pflegefamilien vom Pflegekinderdienst der Stadt. Vier Sozialarbeiterinnen kümmern sich beim Jugendamt der Stadt um den Kontakt zu den Pflegefamilien und Adoptiveltern, stehen bei Erziehungsproblemen mit Rat und Tat zur Seite. "Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes haben wir wichtige Entscheidungen, die Jan und Julian betrafen, gemeinsam besprochen und entschieden", lobte die Pflegefamilie die verlässliche Partnerschaft. Der Pflegekinderdienst der Stadt ist unter der Rufnummer 05251/88-1664 erreichbar. Informationen zum Pflegekinderdienst sowie ein ausführlicher Erfahrungsbericht von Pflegeeltern sind im Internet unter "paderborn.de" nachzulesen.