Im Gespräch mit Bürgermeister Heinz Paus
Für Fortschritte auf der Schiene
Paderborns Verkehrsanbindung gilt im Allgemeinen als recht gut. Ob der hervorragende Anschluss über die Autobahn und die Bundesstraßen oder über den Flughafen Paderborn/Lippstadt - es bleiben keine Wünsche offen. Im Vergleich dazu muss auf der Schiene noch einiges geschehen, um eine vergleichbare Qualität aufzuweisen. Deshalb auch hat Bürgermeister Heinz Paus gerade auf diesem Gebiet die Initiative ergriffen. Das PADERBORN JOURNAL sprach mit ihm darüber. PJ: Sie haben jüngst eine Initiative mit anderen Städten gestartet. Warum? Gemeinsames Handeln verschafft Gehör und bereitet den Weg für Fortschritte, die wir auf der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung dringend benötigen. Dabei ist es mir gelungen, die Städte Bielefeld, Hamm, Kassel, Lippstadt, Soest, Warburg und Altenbeken für eine erneute gemeinsame Stellungnahme zum Gesamtkonzept für die Mitte-Deutschland-Verbindung zu gewinnen. Dieses Konzept war von der Länderarbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen erarbeitet worden. Die Stellungnahme der Städte ist inzwischen an die zuständigen Minister der jeweiligen Landesregierungen geschickt worden. PJ: Post bekommen die Minister bestimmt sehr viel. Glauben Sie, dass diese Stellungnahme etwas bringt? Mit Sicherheit. In der Vergangenheit hatte ich die Städte bereits eingeladen und dabei eine erste Resolution mit ihnen abgestimmt. Darin sprachen wir uns gegen die Reduzierung und für eine Ausweitung des Angebots auf dieser Strecke aus. Ein Großteil unserer Forderungen wurde in dem jetzt vorgelegten Gesamtkonzept für die Mitte-Deutschland-Verbindung umgesetzt. Das macht mich optimistisch. PJ: Worum geht es in der jetzigen Stellungnahme? Darin begrüßen die Städte das innovative Gesamtkonzept für die Mitte-Deutschland-Verbindung. Dieses Gesamtkonzept entspricht der zentralen Forderung unserer Resolution vom Dezember des letzten Jahres, dass der Schienenverkehr zwischen Düsseldorf und Erfurt verbessert werden muss und die Strecke Dortmund-Kassel-Erfurt-Dresden weiter ausgebaut werden soll. Das Gesamtkonzept für die Mitte-Deutschland-Verbindung sieht vor, die heutigen Leistungen der „IR-Linie 20“ mit Nahverkehrsleistungen zu einem Zugangebot zu kombinieren. Das heißt, vom derzeitigen Zwei-Stunden-Takt auf der Strecke soll zum Ein-Stunden-Takt übergegangen werden. Dieses Konzept soll in zwei Zeitstufen umgesetzt werden. PJ: Was fordern die Städte darüber hinaus? Wir fordern kürzere Reisezeiten als sie der heute verkehrende Inter-Regio erreicht. Außerdem sollen nach dem Willen der Städte auf der Strecke moderne Fahrzeuge eingesetzt und innovative Lösungen zur Sicherung des Weiterbetriebs durch kundenfreundlichere Angebote gefunden werden. Der in dem Konzept geforderte Stundentakt ist sicherlich richtig, doch wir verlangen hierbei, dass die Reisenden umsteigefrei nach Kassel-Wilhelmshöhe kommen. Außerdem sehen wir auf der Strecke Dortmund-Paderborn-Kassel ein zurzeit nicht ausgeschöpftes Fahrgastpotential. Viele Bahnbenutzer aus Ostwestfalen steigen erst in Kassel-Wilhelmshöhe in die ICE-Linien nach Süden ein. Außerdem müssen die Zubringerverbindungen zur Mitte-Deutschland-Verbindung in ihren Anschlüssen, insbesondere in Ostwestfalen, beispielsweise Paderborn und Altenbeken, aufeinander abgestimmt werden. Die Sennestrecke muss hierzu ausgebaut werden. PJ: Schlechte Nachrichten gab es zu letzt seitens der Bahn für die Bahnhofs-Passage in Paderborn. Ist der Zug dort jetzt abgefahren? Die Bahn hat dem bereitstehenden Investor eine Absage erteilt. Damit wird eine Millionen schwere Privatinvestition, die der Bahnhof dringend nötig hätte, auf Eis gelegt. Das erinnert sehr stark an die nicht eingehaltenen Zusagen der Bahn in Verbindung mit dem Containerbahnhof. Ich habe meinen Unmut über die Absage zur Bahnhofs-Passage in einem Brief an den zuständigen Bahnvorstand zum Ausdruck gebracht. Die Bahn muss endlich klar Stellung beziehen, wie es mit unserem Bahnhof weitergeht. Der Bahnhof und sein Umfeld sind nun einmal eine Visitenkarte einer Stadt. Wir werden auf jeden Fall alles unternehmen, um die bereits vorhandenen Planungen für das Bahnhofsumfeld möglichst schnell umzusetzen.