Zum Gedenktag am 25. November

Mit Umzug und Unterschriften gegen Gewalt an Frauen

Mit einem Umzug durch die Innenstadt und einer Unterschriftenaktion begehen Paderborner Frauen den Internationalen Gedenk- und Aktionstag „NEIN - zu Gewalt an Frauen“ am Montag, 25. November. Treffpunkt für den vom Arbeitskreis „Gewalt gegen Frauen“ veranstalteten Umzug ist an diesem Tag um 14.45 Uhr vor dem Rathaus. Die Gleichstellungsbeauftragte und der Paderborner Arbeitskreis „Gewalt gegen Frauen“ würden sich freuen, wenn möglichst viele Paderborner und Paderbornerinnen sich diesem Umzug anschließen würden. Mit einer Unterschriftsaktion möchte die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn den Gedenktag nutzen, um die Paderborner Bevölkerung auf den Fall „Amina Lawal“ aufmerksam zu machen. Die 31jährige wurde in dem nigerianischen Staat Katsina wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt. Sie hat gestanden, ein Kind bekommen zu haben, ohne verheiratet gewesen zu sein. Nach dem islamischen Scharia-Recht wird dieses „Vergehen“ mit Steinigung geahndet. Gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation „Terre Des Femmes“ soll diese Unterschriftenaktion dazu beitragen, durch internationalen Druck Aminas Leben zu retten. In der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn, Zimmer 3.54, Am Abdinghof 11, liegen zu den üblichen Öffnungszeiten ab sofort Unterschriftenlisten aus. Bürger und Bürgerinnen, die ihren Protest gegen die geplante Menschenrechtsverletzung an Amina Laval zum Ausdruck bringen möchten, können sich hier bis zum 1. Dezember eintragen. Die Listen werden später gebündelt durch die international tätige Menschrechtsorganisation Terre Des Femme an die nigerianische Regierung gesandt. Bei Frauen gilt nach dem islamischen Scharia-Recht die Schwangerschaft ohne verheiratet zu sein, als Beweis für einen Ehebruch, während ein Mann dafür nur verurteilt wird, wenn es vier männliche Augenzeugen gibt. Yahada Mohammed, der Kindesvater, wurde aus diesem Grund nicht verurteilt, obwohl Amina Laval diesen als Vater von ihrem Baby Wasila angegeben hatte. Bereits im März ist Amina Laval aufgrund dieser Tatsache wegen Ehebruch angeklagt worden und soll im Frühjahr 2004 – nach Beendigung der Stillzeit für ihr Baby – gesteinigt werden. Ein Berufungsgericht hat dieses Urteil im August noch einmal bestätigt. Amina Laval hatte bei ihrem ersten Gerichtsverfahren keinen Rechtsbeistand. Erst mit Hilfe nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen gelang es ihr, Einspruch gegen das Urteil zu erheben. Daraufhin wurde auch die Vollstreckung der Strafe verschoben. Hoffnung gibt das Schicksal von Hussaini-Tungar-Tudu, die ebenfalls in Nigeria zum Tode durch Steinigung verurteilt worden war und auch durch die internationalen Proteste freigesprochen wurde. Die Paderborner Frauen stehen mit ihren beiden Aktionen nicht allein. Die Institution TERRE DES FEMMES, Menschenrechte für die Frau, veranstaltet in Kooperation mit den Frauenbeauftragten, dem DGB und anderen Verbänden bundesweite Aktionen zum Thema „Gewalt gegen Mädchen und Frauen“. So werden am 25. November in über 400 Städten der Bundesrepublik wieder rund 1.000 Fahnen wehen. Die bunte Fahne mit der Aufschrift „Nein – zu Gewalt an Frauen - Frei leben ohne Gewalt“ wird vor vielen Rat- und Stadthäusern und anderen öffentlichen Gebäuden – unter anderem auch vor dem Paderborner Stadthaus, Am Abdinghof - zu sehen sein. Der Gedenktag geht zurück auf den 25. November 1960, als drei Schwestern wegen ihrer politischen Aktivitäten vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet wurden. 1981 wurde der 25. November auf einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen in Bogota, Kolumbien, zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen ausgerufen. Der Gedenk- und Aktionstag soll die Öffentlichkeit daran erinnern, dass Frauen und Mädchen weltweit Opfer von spezifischer Gewalt und Diskriminierung sind. Diese Gewalt ist Ausdruck des historisch gewachsenen ungleichen Machtverhältnisses zwischen Frauen und Männern. Die Gewalt kann vom familiären Umfeld ausgehen, von der Gesellschaft, vom Staat - und sie wird häufig genug von diesen toleriert. So fliehen jährlich 40.000 Frauen in Deutschland vor ihren gewalttätigen Männern ins Frauenhaus. Die Vereinten Nationen schätzen, dass ein Viertel aller Frauen weltweit sexuellem Missbrauch und Gewalt im eigenen familiären Umfeld ausgesetzt ist. Angesichts dieser Umstände fordern die beteiligten Verbände eine Verbesserung der gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen garantieren. Sie verlangen etwa die finanzielle Absicherung von Beratungsstellen, Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen sowie eine konsequentere Strafverfolgung der Täter und bessere Opferentschädigungsmaßnahmen. Auch die Gewaltprävention in Schulen sollte verbessert werden. Dem Arbeitskreis „Gewalt gegen Frauen“ sind folgende Paderborner Frauenorganisationen angeschlossen: Sozialdienst Katholischer Frauen (Frauenhaus und Beratungsstelle für Frauen und Mädchen „BELLADONNA“), Lilith (Beratungsstelle für Frauen ), Arbeiterwohlfahrt, Weißer Ring, Frauenhaus Paderborn, Frauenwohngemeinschaft KIM-Soziale Arbeit e.V., Kreispolizeibehörde, Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn, AIDS-Hilfe Paderborn, Mutter-Kind-Haus und Anlaufstelle KIM-Soziale Arbeit e.V., Arbeitskreis der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Paderborn und einige Rechtsanwältinnen aus Paderborn.