Tag des offenen Denkmals am 8. September
Neuhäuser Schloss öffnet Pforten
Gleich dreimal Baugeschichte zum Anfassen gibt es am Sonntag, 8. September, beim Tag des offenen Denkmals in Paderborn. Mit dem ehemaligen Paderborner Jesuitenkolleg, dem Schlossgebäude in Paderborn-Schloß Neuhaus und dem Hellweg mit Fahrspuren des 13. Jahrhunderts stehen drei geschichtsträchtige Denkmäler zu festgelegten Besichtigungszeiten zur Auswahl. Interessierten berichtet Klaus Zacharias über die Geschichte des ehemaligen Paderborner Jesuitenkollegs am Kamp 4 um 12 und 15 Uhr, Treffpunkt Haupteingang Schulgebäude Theodorianum. Das Schlossgebäude sowie Teile des Inneren (Spiegelsaal und angrenzende Räume, Deckengemälde sowie Wandmalereien) kann man in einer Führung von Michael Pavlicic um 11 und 14 Uhr besichtigen. Treffpunkt ist der Schlossinnenhof. Ein fast 20 Meter langes Teilstück des Hellwegs mit deutlichen Fahrspuren wurde in den Neubau der IT-Firma Protechno Card integriert und ist erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Treffpunkt ist um 14 und 16 Uhr an der Firma Protechno Card GmbH, Balhorner Feld 28. Diese Führungen wird Dr. Georg Eggenstein leiten. Die Präsentation des Hellweges wird von der Vorführung archäologischen Bronzegusses sowie Brotbacken im Steinzeitofen begleitet. Das ehemalige Paderborner Jesuitenkolleg ist Bestandteil des „theodorianischen Ensembles“, das neben dem Kolleg auch die Jesuitenkirche und die heutige Theologische Fakultät Paderborn umfasst. Im ehemaligen Kolleg ist heute neben der Fakultät das Gymnasium Theodorianum untergebracht. Schon Ende des 16. Jahrhunderts drängten die 1580 nach Paderborn berufenen Jesuiten Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (1585 - 1618), ihren großen Gönner, einen repräsentativen Kollegbau zu errichten. Zwischen 1592 und 1600 erwarb der Fürstbischof das Areal und schenkte es den Jesuiten; er selbst legte am 5. Juni 1596 den Grundstein. 1606 war der Bau, den die Jesuiten bereits 1605 bezogen hatten, endgültig fertig gestellt. Sie gaben ihm den Namen „Collegium Theodorianum“. Da sie auch den Unterricht an der Domschule 1585 übernommen hatten, gelang es ihnen, diesen 1609 in das Crato’sche Haus am Kamp zu verlegen (bisher unterrichteten sie in der Domschule am Kleinen Domplatz). 1612 - 1614 errichtete Dietrich von Fürstenberg den Schulflügel, der durch einen Verbindungsbau mit dem Kolleg verbunden war. Die Treppentürme stifteten Dompropst Walter von Brabeck und Domdechant Arnold von Horst. Dietrich selbst stiftete das Hauptportal des Schulflügels an der Ostseite. Kirche des Kollegs war seit 1604 die restaurierte und neu geweihte Johannis-Kirche, die 1728 nach dem Neubau der Jesuitenkirche (1692) auf der Westseite des Kollegs abgebrochen wurde. Verschiedene weitere Baumaßnahmen ließen im 18. Jahrhundert im Wesentlichen den heutigen Zustand entstehen. Der älteste noch erhaltene Teil der Schlossanlage im Stadtteil Schloß Neuhaus, Residenzstraße 2, ist das sogenannte Haus „Spiegel“, erbaut um 1370 von Bischof Heinrich von Spiegel. Es handelte sich hierbei um einen stark befestigten gotischen Wohnturm. Im Jahr 1883 glich man das bis dahin alle anderen Gebäudeteile überragende Haus Spiegel dem Höhenniveau der übrigen Anlage an. Erst 150 Jahre später entstand unter Bischof Erich von Braunschweig um 1525 das zum Markt hin gelegene Haus „Braunschweig“. Bischof Hermann von Wied schloss die 15 Meter breite Baulücke zwischen den Häusern Spiegel und Braunschweig (um 1540). Sein Nachfolger, Rembert von Kerssenbrock, fügte der bestehenden Anlage um 1560 das sehr geräumige, zur Lippe hin gelegene Langhaus an, so dass nur noch nach Norden hin eine Baulücke vorhanden war. Diese schloss nun der für die Geschichte des Fürstbistums Paderborn sehr bedeutende Dietrich (Theodor) von Fürstenberg. Unter seiner Regie entstanden das im Norden gelegene und die Gesamtanlage abschließende Haus „Fürstenberg“ sowie die vier runden Außenecktürme (1591). Somit war die gesamte Vierflügelanlage des Schlosses nach 220 Jahren Bauzeit (mit Unterbrechungen) als abgerundeter und harmonischer Baukörper fertig gestellt und präsentiert sich auch heute noch in fast unveränderter Gesamtform. In der Ortswüstung Balhorn bei Paderborn ist der mittelalterliche Hellweg mit Fahrspuren des 13. Jahrhunderts, eine der wichtigsten West-Ost-Verbindungen des Kontinents, ausgegraben worden. Er durchquert den südlichen Teil der rund 1000 x 400 Meter großen Siedlung, die vom 1. bis 14. Jahrhundert bestanden hat. Die Straßenbefestigung besteht aus einer dünnen Schicht aus Geröllsteinen, die im heutigen Zustand ein flachmuldenförmiges Profil hat und fast einen Meter tief unter die Erdoberfläche reicht. In Situationen, als der Untergrund besonders aufgeweicht war, haben sich Wagenräder tief in die Steinschicht eingedrückt. Da der Ort Balhorn im 14. Jahrhundert, also relativ kurz nach Anlage des Weges, aufgegeben wurde, sind diese Spuren nicht durch spätere Nutzungsphasen gestört und bis heute hervorragend konserviert geblieben. Die ursprüngliche Breite der Straße dürfte über elf Meter betragen haben. Bei den Ausgrabungen wurden in den Straßenfüllungen zahlreiche Hufeisen, Münzen, Tonscherben, Messer, Handwerksgeräte und eine Maultrommel gefunden, die in das späte 13. Jahrhundert zu datieren sind.