Theaterspektakel Samstag und Sonntag rund um die Kaiserpfalz
Heinrich und Kunigunde vom ETA HOFFMANN THEATER in Szene gesetzt
Szenen aus dem außergewöhnlichen Theaterprojekt "Heinrich und Kunigunde" des ETA HOFFMANN THEATER aus Bamberg präsentiert die Stadt Paderborn in Zusammenarbeit mit der Kaiserpfalz am Samstag, 14. September ab 20 Uhr und am Sonntag, 15. September ab 15 Uhr rund um die Kaiserpfalz. Mit dabei ist auch die Theatergruppe des Paderborner Gymnasium St. Michael, die die Szene "The four Kunnis" von Fiztgerald Kusz spielt. Das Museum in der Kaiserpfalz ist am Samstag bis Mitternacht geöffnet, der Eintritt ist frei. Aus Anlass der Bayerischen Landesausstellung über Heinrich II. hat das ETA HOFFMANN THEATER dieses ungewöhnliche theatralische Projekt gestaltet, das sich mit dem Bamberger Bistumspatron und dessen vor 1.000 Jahren in Paderborn zur Königin gekrönten Gemahlin Kunigunde beschäftigt. Das Theater hat sieben Autoren beauftragt, Motive aus dem Leben des Kaiserpaares sowie einige der vielen Legenden, die sich um Heinrich und Kunigunde ranken, für die Freilichtspiele zu bearbeiten. Bei den Aufführungen vor und in der Kaiserpfalz kann jeder Besucher selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge er die Darbietungen sehen möchte, da sie alle mehrfach wiederholt werden und an verschiedenen Schauplätzen stattfinden. Folgende Szenen gelangen zur Aufführung: "Gerechte Liebe" von Alois Albrecht. Vor einer Abbildung des Kaisergrabes aus dem Bamberger Dom erläutert der Bildhauer Tillmann Riemenschneider einem Heutigen, warum er Kunigunde in dem meist „Die unzufriedenen Arbeiter“ genannten Relief so und nicht anders gestaltet hat. Dabei erfährt man nicht nur viel aus dem Leben Kunigundes, sondern auch etwas über ihre kluge Herzensgüte. "Legende von der Bezahlung der Bauarbeiter" von Bernd Flessner. Zwei Handwerker der Gegenwart sind mit Restaurierungsarbeiten am Bamberger Dom beschäftigt und unterhalten sich während einer Brotzeit mit trockenem Humor über gerechte Bezahlung. Dabei kommen sie auf die Legende von der Bezahlung der Handwerker durch Kunigunde zu sprechen. Augenzwinkernd ziehen sie Parallelen von der Vergangenheit zur Gegenwart. "Gottesurteil" von Tanja Kinkel. Mittelpunkt dieser Szene ist die Legende von den glühenden Pflugscharen, in der sich Kunigunde, einem Gottesurteil unterwirft: barfuß schreitet sie über glühende Eisen... "Nierensteine" von Rainer Lewandowski. Kaiser Heinrich wird von unerträglichen Schmerzen geplagt. Wegen einer Nierensteinkolik ist er nicht mehr in der Lage zu reiten. Vor dem kaiserlichen Zelt vertreiben sich die Wachen mit Fressen und Saufen die Zeit, während ein Hauptmann in Erinnerungen an seine langen Reisen im Gefolge Heinrichs schwelgt. Nur das laute Stöhnen des geplagten Kaisers, das bis auf den Vorplatz dringt, drückt die ausgelassene Stimmung. Nach einer mysteriösen Lichterscheinung im Zelt tritt Heinrich plötzlich geheilt vor die verängstigten Soldaten. Ergriffen lauschen sie seinem Bericht. "Die Ohrfeige" von Rainer Lewandowski. Kunigunde hat sich nach dem Tod ihres Gatten als einfache Nonne ins Kloster Kaufungen zurückgezogen. Als dort ein Feuer in Kunigundes Zelle ausbricht, beobachten die aufgeregten Nonnen, wie diese ein Kreuz schlägt und dadurch den Brand zum Erlöschen bringt. Die Nonne Hedwiga spricht von einem Wunder. Doch Oda, Kunigundes Nichte, will davon nichts wissen. Sie provoziert einen Streit mit Kunigunde und erhält eine Ohrfeige. Und das zweite Wunder geschieht: Der Abdruck von Kunigundes Hand auf Odas Wange verschwindet nicht, das Mal ist für ewig. "Die Seelenwägung" von Paul Maar. Nach Heinrichs Tod will ein Engel ihn gen Himmel geleiten. Doch auch der Teufel erhebt Besitzanspruch auf dessen Seele. Also müssen vor Heinrichs letzter Reise seine guten gegen die vielleicht etwas weniger guten Taten abgewogen werden. Dabei ist natürlich vieles Interpretationssache. Engel und Teufel geraten in einen hitzigen Disput. Den Ausschlag gibt schließlich eine überirdische Erscheinung . "Der gestürzte Reiter" von Peter Roos. Die Steinmetzin und Restauratorin Ewa Marius ist verantwortlich für den „Bamberger Reiter“. Als alleinstehende 45-jährige Frau hat sich zwischen ihr und dem Domreiter eine nahezu persönliche Verbindung entwickelt. Dann wird im Jahre 2002 ein Hakenkreuz auf das Pferd gesprayt. Sie versucht, den berühmten Stein vom aufgesprühten Nazismus zu befreien. Dabei entsteht eine ebenso sachliche und politische wie intime Zwiesprache mit dem geschändeten Kunstwerk, die sich in einer ekstatisch-erotischen, quasi-religiösen Verzweiflungstat Luft macht. "The four Kunnis" von Fitzgerald Kusz. Besetzungsfragen sind am Theater eine heikle Angelegenheit. Das müssen auch vier Mädchen erfahren, die auf dem Schulhof in der Pause untereinander aushandeln sollen, wer von ihnen die Rolle der Kunigunde spielen wird. Denn die Deutschlehrerin wollte das nicht entscheiden. Demokratie ist aber bekanntlich ein schwieriger Prozess, und jede der Kunigundenkandidatinnen versucht, die anderen davon zu überzeugen, dass natürlich nur sie selbst für diese große Aufgabe in Frage kommt. In dieser in fränkischer Mundart geschriebenen Szene wird das Theaterspiel gleichsam selbst zum Thema. Außerdem wird eine Brücke geschlagen vom historischen Stoff zur Auseinandersetzung damit in heutiger Zeit. Diese Szene spielt die Theatergruppe des Paderborner Gymnasiums St, Michael.