Städtische Gleichstellungsstelle übernimmt Lotsenfunktion

Gefragte Anlaufstelle

Familie, Partnerschaft, Erziehungszeit, aber auch Arbeitsmarkt, Wiedereinstieg in den Beruf, Existenzgründung – um diese Themen drehen sich die Anfragen an die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn. 160 Personen wandten sich im ersten Halbjahr 2002 an die Anlaufstelle in der Stadtverwaltung, Am Abdinghof 11. Vielfach half sie den Ratsuchenden, sich in dem dichten Netz der Beratungsstellen in der Stadt zurechtzufinden. Das dreiköpfige Team der Gleichstellungsstelle vermittelt Frauen, aber auch Männern, an fachlich geeignete Einrichtungen und erspart ihnen so mühsames Suchen, Telefonieren oder gar überflüssige Wege. Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Petra Hensel-Stolz bringt es auf den Punkt: "Wir leisten in erster Linie Navigationshilfe." Und diese scheint gefragter denn je. "Oft beginnt ein persönliches Gespräch mit einer nahezu banalen Nachfrage", berichtet die Leiterin der Gleichstellungsstelle. "Und plötzlich wird klar, dass die Frau tatsächlich vor einem schier unentwirrbaren Knäuel von Schwierigkeiten steht." Zeitraubendes Suchen in belastenden Konfliktsituationen nach der passenden Beratungsstelle sei dann wenig hilfreich. In einer Stadt wie Paderborn mit ihrer vielfältigen Beratungslandschaft komme es vielmehr darauf an, den richtigen Zugang zu finden. "Wir sind auf dem neuesten Stand und können so passgenaue Orientierung leisten", so Petra Hensel-Stolz. In der "Rangliste" der Themen machten im ersten Halbjahr 2002 Arbeit, Studium und Ausbildung sowie damit korrespondierend Kinderbetreuung mehr als die Hälfte der Gespräche aus. Gefolgt von Fragen zu Familie, Partnerschaft, Trennung und Scheidung, die zusammen ein Viertel der Anfragen umfassten. "Immer häufiger kommt auch das Thema „Gewalt“ auf den Tisch, stellt die Gleichstellungsbeauftragte fest. Insbesondere bei diesem Thema machen der Gleichstellungsstelle die geplanten Sparmaßnahmen der Landesregierung im Bereich Hilfen bei sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen große Sorgen. Denn bereits jetzt gebe es bei den psychosozialen Beratungsstellen in Paderborn nicht genügend personelle Ressourcen, um von (sexueller) Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen zeitnah helfen zu können. Es gebe Wartezeiten von bis zu fünf Monaten. Sollte die Landesregierung ernst machen und entsprechende Stellen zur Beratung bei sexualisierter Gewalt tatsächlich ersatzlos streichen, wäre dieser Personenkreis wieder sich selbst überlassen. Die Kosten für Frauen und Mädchen, die durch traumatische Erlebnisse, wie Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch, für ihren Lebensunterhalt nicht mehr alleine aufkommen könnten, müssten dann zwangsläufig die Kommunen tragen und dies dauerhaft. Denn diese Frauen sind ohne eine psychosoziale Begleitung wohl kaum in der Lage, ihr Trauma zu überwinden und ihr weiteres Leben selbst bestimmt zu gestalten, so Hensel-Stolz. Die meisten Anfragen an die Gleichstellungsstelle kommen von Bürgerinnen und Bürgern aus Paderborn. Ein gutes Drittel entfällt auf die Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtverwaltung. Der Anteil Rat suchender Männer liegt bei etwa zwei Prozent. Jeder fünfte Kontakt wird für ein intensives Gespräch genutzt und findet Fortsetzungen in einem weiteren Austausch in der Gleichstellungsstelle. Die Funktion "Anlaufstelle" habe im Rahmen der gesamten Aufgabenstellung der Gleichstellungsstelle eine wichtige Seismografenfunktion, betont Petra Hensel-Stolz. Die Gleichstellungsstelle arbeite in Paderborn mit vielen Organisationen und Einrichtungen an strukturellen Fragen der Frauen- und Mädchenpolitik. "Wenn bestimmte Fragestellungen sich häufen, wissen wir, dass grundsätzliche Lösungen gefordert sind", so die Gleichstellungsbeauftragte. Das können zum Beispiel Probleme sein, die allein Erziehende betreffen. Dann macht sich die Gleichstellungsstelle im Verbund mit anderen Ämtern, freien Trägern und vor allem dem gut organisierten Paderborner Frauennetz daran, Konzepte für möglichst strukturell wirksame Verbesserungen zu entwickeln. Weitere Informationen: Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn, Tel. 05251/ 88 – 1950 E-Mail: p.hensel-stolzpaderbornde