Abschluss der Grabungen im Westen Paderborns
Glücksfall für die Archäologie
Fünf Wüstungen auf einer Strecke von knapp fünf Kilometern, die menschliches Leben von der jüngeren Steinzeit bis ins hohe Mittelalter dokumentieren, dürfen als Glücksfall für die westfälische Siedlungsarchäologie betrachtet werden. Das ist das Fazit, das zum Ende der 14 Jahre dauernden Grabungen am westlichen Paderborner Stadtrand gezogen wurde. Gregor Lucas, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement, Dr. Werner Best vom Amt für Bodendenkmalplfege aus Bielefeld, die beiden Grabungsleiter Dr. Georg Eggenstein und Dr. Jürgen Pape sowie Klaus Grohn von der Unteren Denkmalbehörde konnten dieses positive Resümee in der Abschluss-Pressekonferenz ziehen. Am westlichen Stadtrand von Paderborn ist es in den letzten Jahren durch groß angelegte Grabungen gelungen, einen für die Siedlungsarchäologie Ostwestfalens bedeutenden Überblick über vor- und frühgeschichtliche Wüstungen zu bekommen. Ausschlaggebend für die Erarbeitung der weitreichenden wissenschaftlichen Ergebnisse ist dabei vor allem die sehr gute und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Paderborn – Untere Denkmalbehörde -, dem Arbeitsamt Paderborn, der Paderborner Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit (Pigal e.V.), und dem Westfälischen Museum für Archäologie, Außenstelle Bielefeld. Schon seit 1825 war östlich von Elsen bzw. nördlich von Schloß Neuhaus ein Schatzfund mit 32 römischen Münzen, einem Gefäß und Waffen bekannt. Diese Fundstelle lag in der Nähe der Tongrube Immig, deren Abbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann. Damals führten auftretende Zufallsfunde zu Ausgrabungen, etwa 1913 durch Koenen, der Trockenmauerreste aufdeckte und 1933, 1935-36 durch Ortmann, der u. a. eine Grubenhütte und den Grundriss eines ebenerdigen Pfostenhauses fand. Bedingt durch den Bau der Paderborner Westtangente wurde 1975 A. Doms tätig und seit 1996-1999 wurden mit Hilfe der Stadt Paderborn großflächige Grabungen unter der Leitung von D. Schyle und G. Eggenstein im Bereich einer Neubausiedlung und eines Gewerbegebietes, die im weitesten Sinne noch zur Tongrube Immig gehören, durchgeführt. Die Grabungen bekamen den Namen "Wilhelmshöhe" bzw. "Hoppenhof". Als wichtigste Ergebnisse der viele tausend Quadratmeter großen Untersuchungen lässt sich anführen: Zu den ältesten Funden zählen mehrere Fundkomplexe elbgermanischer Prägung aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Durch eine Reihe einzelner, signifikanter Fundstücke lässt sich eine Siedlungskontinuität bis ins 13./14. Jahrhundert wahrscheinlich machen. Es liegen für jedes Jahrhundert chronologisch aussagefähige Funde, meist aus Metall, vor. Aber auch keramische Leitformen, wie etwa Terra Nigra Fußschalen des Typs Chenet 342 für das 5. Jahrhundert nach Christus sind vorhanden. Bei der zukünftigen Auswertung der äußerst umfangreichen Grabungsergebnisse im Rahmen einer wissenschaftlichen Dokumentation (Dr. Eggenstein) werden Siedlungsstrukturen und -abläufe sowie Wüstungsvorgänge bzw. Siedlungsverlagerungen erarbeitet werden können. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass Siedlungsvergleiche auf engstem Raum angestellt werden können, die Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen Ansiedlungen erlauben. Von speziellem Interesse wird die Auswertung der Grabung Balhorn sein, da sich schon durch das ausgefallene und reiche Fundspektrum eine Sonderstellung dieser Siedlung abzeichnet.