Dienstag, 6. Mai, 19.30 Uhr in der Paderhalle
Fressen, lieben, boxen, saufen... "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"
"Erstens, vergesst nicht,kommt das Fressen, zweitens kommt die Liebe dran, drittens das Boxen nicht vergessen, viertens Saufen, solang' man kann. Vor allem aber achtet scharf, dass man hier alles dürfen darf." Dieser Refrain zieht sich durch die gesamte Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, die am 6. Mai um 19.30 in der Paderhalle zu sehen und zu hören. Die Bedeutung der Botschaft dieses mehr als 70 Jahre alten Stücks ist heute größer denn je: Die trügerische Freiheit der Allmacht des Geldes führt zu Egoismus, Skrupellosigkeit, Sinnentleerung und letztlich in den Untergang. Es ist die Geschichte der Stadt, in der alles erlaubt ist, solange man Geld hat, in der es aber umgekehrt das größte Verbrechen ist, kein Geld zu haben. Die Oper gehört zu den wichtigsten und aufregendsten Werken Brechts, der in den Anmerkungen zum Stück erstmals ausführlicher sein Konzept des Epischen Theaters formulierte. Musikalisch und formal ist „Mahagonny“ eine der spannendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Weill und Brecht, die auch die „Dreigroschenoper“ heraus brachten, gelang eine Oper ganz neuen Stils. Am bekanntesten wurden Hits wie „O Moon of Alabama“ und „Doch wie man sich bettet, so liegt man“. Die eher werktreue Produktion des Landestheaters Detmold erntete bei ihrer Premiere am Gründonnerstag beste Kritiken. Die Uraufführung 1930 in Leipzig dagegen löste Krawalle von Reaktionären und Nazianhängern aus, die kaum noch den Schluss der Aufführung ermöglichten. Der Leipziger Stadtrat debattierte damals kontrovers über die Absetzung vom Spielplan, die Presse stritt in ganz Deutschland. Auch die ersten Nach-Inszenierungen (Braunschweig, Kassel, Prag) wurden von heftigen Protesten begleitet oder aus Angst gleich ganz abgesagt. Nach Plünderung, Enteignung und Arisierung des Verlags in Wien verschwand 1938 das Aufführungsmaterial. Erst 1956 tauchte es wieder auf. Seitdem hat die Oper ihren Siegeszug um die Welt angetreten, ohne je ihren Stachel zu verlieren. Eine Einführung gibt Elisabeth Wirtz vom Landestheater um 18.30 Uhr im Foyer der Paderhalle.