Tag des offenen Denkmals in Paderborn

Glashütte Uhden in Neuenbeken

Gleich viermal Baugeschichte zum Anfassen gibt es am Sonntag, 14. September, beim Tag des offenen Denkmals in Paderborn. Mit der Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde in Schloß Neuhaus (Führungen um 13 und 16 Uhr durch Ortsheimatpfleger Michael Pavlicic) und der Glashütte Uhden in Neuenbeken (Führungen um 12 und 15 Uhr durch Rainer Rehbein und Wolf Köster) stehen zwei geschichtsträchtige Baudenkmäler in den Stadtteilen für eine Besichtigung zur Auswahl. "Wohnen im Denkmal" lautet das Motto für die beiden Paderborner Objekte. Mit dem Eckhaus Neuhäuser Straße/Fürstenweg und Neuhäuser Straße 72 gegenüber der Einmündung der Rathenaustraße werden zwei imposante Stadtvillen ihre Türen öffnen. Treffpunkt für Führungen durch Studiendirektor i.R. Klaus Hohmann ist um 11 und 15 Uhr die Straßenecke Neuhäuser Straße/Theodorstraße. Außerhalb der Führungen können die Baudenkmäler innen nicht besichtigt werden. In loser Folge stellen wir die einzelnen Denkmäler vor. Heute die Glashütte Uhden in Neuenbeken. August Uhden kaufte 1826 einen Waldteil, das Buchholz, östlich von Neuenbeken vom preußischen Fiskus und erbaute 1828/1829 eine neue Glashütte. Sein Sohn Carl, der den Betrieb 1843 übernahm, brachte ihn zur Blüte und führte die Steinkohlenfeuerung ein. Carl Uhden hatte einen Vertrag mit der Eisenbahn geschlossen, wonach die benötigten Steinkohlen mit einem Zug herangeschafft und auf offener Strecke über eine Rampe abgeladen wurden. Von 1871 bis 1878 hatte die Hütte einen zweiten Schmelzofen, den „Turm“. Das Hüttengebäude, der „Turm“, wurde auch als die „feine“ Hütte bezeichnet – der dort hergestellte Labor- und Medizingläser wegen. Zahlreiche Glasfunde bestätigen das überlieferte Produktionssortiment. Auf Buchholz wurde nur Hohlglas erzeugt, auf eine Milchflasche für Säuglinge – mit einem Storch gezeichnet – hatte die Hütte einen Musterschutz. Die Räder der Schleiferei wurden bis 1901 durch ein Wasserrad, dann durch eine Dampfmaschine angetrieben. Nach Tod von August Uhden übernahm sein Sohn Fritz die Glashütte, bis sie von ihm 1905 stillgelegt wurde. Der Vertrag mit der Eisenbahn war von ihr gekündigt worden. Sie bot zwar einen Plan für ein Anschlussgleis an, der aber einen Kostenaufwand von 120.000 Mark erforderte, den Uhden allein zahlen sollte. Außerdem sollte die Glashütte laufend das Gehalt eines Weichenstellers hergeben. Somit war die Hütte nun nicht mehr rentabel. 1911 verkaufte Uhden das Gelände der ehemaligen Glashütte. Von dieser Hütte ist der fast unverändert gebliebene 10-eckige Kernbau übrig geblieben. Im Jahre 1986 beschloss der Heimatschutzverein Neuenbeken den „Turm“ der ehemaligen Glashütte, ein Denkmal der ersten Industrie im Ort, zu restaurieren. Auf die im Herbst 1987 begonnenen archäologischen Untersuchungen folgte eine Restaurierung und Wiederherstellung des alten Zustandes.