Tag des offenen Denkmals in Paderborn
Zwei imposante Stadtvillen
In loser Folge stellen wir Bauten vor, die zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, in Paderborner besichtigt werden können. Heute stehen zwei imposante Stadtvillen an der Neuhäuser Straße im Mittelpunkt. Sie sind zwei der insgesamt vier Objekte, die beim Tag des offenen Denkmals in Paderborn besucht werden können. Mit der Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde in Schloß Neuhaus (Führungen um 13 und 16 Uhr durch Ortsheimatpfleger Michael Pavlicic) und der Glashütte Uhden in Neuenbeken (Führungen um 12 und 15 Uhr durch Rainer Rehbein und Wolf Köster) stehen zwei geschichtsträchtige Baudenkmäler in den Stadtteilen für eine Besichtigung zur Auswahl. "Wohnen im Denkmal" lautet das Motto für die beiden Paderborner Objekte. Mit dem Eckhaus Neuhäuser Straße/Fürstenweg und Neuhäuser Straße 72 gegenüber der Einmündung der Rathenaustraße werden die beiden Stadtvillen ihre Türen öffnen. Treffpunkt für Führungen durch Studiendirektor i.R. Klaus Hohmann ist um 11 und 15 Uhr die Straßenecke Neuhäuser Straße/Theodorstraße. Außerhalb der Führungen können die Baudenkmäler innen nicht besichtigt werden. Die Führung soll durch die Stadtvillen unterschiedlichen Typs und unterschiedlicher Dekoration charakteristische Merkmale der historistischen Bauepoche um 1900 vor Augen führen. Im Mittelpunkt der Führung stehen das Eckhaus Neuhäuser Straße 48/Fürstenweg 1, das der Stadtbaumeister Franz- Joseph Hellweg um 1900 als großbürgerliches Miethaus in der Gestalt einer Stadtvilla erbaute, und die Stadtvilla Neuhäuser Straße 72, die um 1910 entstand. Sie gehören zu den wenigen älteren Häusern, die den Krieg fast oder ganz unbeschädigt überstanden haben. Die beiden Bauten sind zwei Pole der historistischen Formensprache. Das Wohngebäude Neuhäuser Straße 48 ist äußerlich eine großzügige dreigeschossige Stadtvilla mit aufgesetztem Mezzaningeschoß und mit einer für die Zeit typischen Betonung der Ecksituation sowie einer reichen Fassadendekoration. Rückfront und Treppenhäuser lassen aber die Funktion als Miethaus der gehobenen Mittelschicht erkennen. Die beiden Schauseiten des Gebäudes erscheinen als Backsteingeschosse mit angeputztem Dekor in der Formensprache teils der Renaissance, teils des Barock über einem verputzten Erdgeschoß. Die ursprüngliche Gestaltung der Treppenhäuser ist erhalten. - Die Villa Neuhäuser Straße 72 folgt als Baukörper der Bauidee des Jugendstils, asymmetrisch von innen nach außen zu bauen. Der Putzbau zeigt außerdem Fachwerkteile, wie sie im sog. Heimatstil bzw. Heimatschutzstil dominieren. Die Mischung der beiden Stilrichtungen ist vor allem bei Villen nach 1900 vielfach anzutreffen, dieser Haustyp ist in Paderborn nach den Kriegsverlusten und folgenden Abrissen jedoch selten geworden. Das Treppenhaus mit Türen und Fenstern im Jugendstil kann besichtigt werden. Auf dem Weg zwischen den beiden Objekten werden an anderen Bauten weitere charakteristische Merkmale der historistischen Epoche exemplarisch erklärt. Städtebauliche Qualität, vom historischen Rückgriff verdeckte Modernität und spielerische Formenfindung werden neben den denkmalpflegerischen Aspekten besondere Beachtung finden.