Am Sonntag im Audienzsaal
Vortrag
"Kommunikationsrevolution und die Gegenwelt des Gesangsvereins" ist das Thema eines Vortrages am Sonntag, 12. Dezember, um 11.15 Uhr im Audienzsaal des Neuhäuser Schlosses. Im Rahmen der Sonderausstellung „Vom Stadtboten zur Informationsgesellschaft“ wird Prof. Dr. Dietmar Klenke von der Universität Paderborn wird dabei mit musikalischen Beispielen arbeiten. Zu diesem kostenlosen Vortrag laden das Kulturamt und die Museen im Marstall ein. Was hatte die Verkehrs- und Kommunikationsrevolution des 19. Jahrhunderts mit der Leidenschaft der deutschen Männer zu tun, ausgiebig zu singen? Im Unterschied zur Gegenwart wirkte der rasante technische und gesellschaftliche Wandel auf die damaligen Zeitgenossen so verunsichernd, dass die Suche nach ausgleichenden Gegenwelten, die Halt und Geborgenheit boten, übermächtig wurde. Auf diese Bedürfnislage antworteten die bürgerlichen Geselligkeitsvereine. Vorreiter waren die Männergesangvereine, die ihr Singen als gemeinschaftsstiftendes Medium begriffen. Die Kommunikationsrevolution hatte nicht nur eine technische Seite, etwa Eisenbahnbau und Telegraph, sondern auch eine soziale und kulturelle. Der soziale Wandel äußerte sich vor allem in neuartigen Wettbewerbsrisiken, die es abzufedern galt. Dies machten sich auch die männerbündischen Vereine der Sänger zur Aufgabe. Die Gemeinschaft der "Sangesbrüder" wollte das von Anonymität, Rastlosigkeit und Konkurrenzdenken geprägte Wirtschaftsleben entschärfen. Ihre Gemeinschaftsbedürfnisse verbanden die Sänger mit zeittypischen politischen Idealen, vor allem mit vaterländischen und liberalen Ideenwelten. Der Vortrag wird ausführlich auf das Wirken der Sänger eingehen und dies mit Musikbeispielen und Gesangsvorträgen veranschaulichen.