Ab 15. März in Schloß Neuhaus

Werke eines DDR-Altmeisters

Nach der mit knapp 12.000 Besucher erfolgreichsten Ausstellung mit Werken von Ernst Barlach folgt vom 15. März bis zum 1. Juni in der Städtischen Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus ein neuer Höhepunkt. Gezeigt werden Zeichnungen, Aquarelle, Lithographien von Hans Theo Richter (1902-1969). Der Dresdner Zeichner und Graphiker gehört zu den wenigen Altmeistern der DDR, die den Sprung über die noch heute eisern bestehende Demarkationslinie geschafft haben. Richter ist jedoch kein expliziter Ostkünstler, sondern ein letzter Exponent einer sozial empfindsamen, eher spirituellen als realistischen Kunst, in deren Zentrum der Mensch steht. Das Kulturamt der Stadt Paderborn präsentiert in der Reithalle etwa 120 ausgewählte Werke aus dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Hildegard- und Hans-Theo-Richter-Stiftung. Eröffnet wird die Schau am 14. März um 19 Uhr. Dem westfälischen Publikum wird jetzt erstmals eine Begegnung mit den Werken Hans Theo Richters ermöglicht. Bereits zu Lebzeiten des Künstlers waren seine Arbeiten in der Bundesrepublik hoch geschätzt. Das zeigen 25 Einzelausstellungen zwischen München, Hamburg, Düsseldorf und Hannover von 1948 bis 1971. Die Städtische Galerie Paderborn fügt Hans Theo Richter in die Reihe ihrer Ausstellungen ein, die seit 1994 Meistern der Graphik - von Dürer, Rembrandt über Max Klinger und Toulouse-Lautrec bis zu Emil Nolde - gewidmet wurden. Der 1902 in Rochlitz (Sachsen) geborene Künstler war während seines Studiums an der Kunstakademie in Dresden Meisterschüler von Otto Dix. Zu spüren sind in seinen Werken auch zeitgenössische Einflüsse von Munch, Kollwitz, Beckmann, Nolde und Picasso. Richter stellt Menschen in einfachen und alltäglichen Gesten und Handlungen dar. Das Kämmen des Haares, der Blick in den Spiegel oder die mütterlich Zuwendung sind Beispiele dafür. Richters Werke sind leise und scheinbar anspruchslos und dennoch von spannungsvoller innerer Ausdruckskraft und technischer Bravour, wie Wolfgang Holler im Katalog zur Ausstellung schreibt.